05. August 2010, 18:10 Uhr

Ein Ferienkurs mit ausgefeilten Kunstwerken

Bad Vilbel (kum). Die Bauarbeiten für den neuen »Akzente«-Buchladen auf der Frankfurter Straße sind nicht zu überhören, doch auch im Vorhof der Kunstschule wird fleißig gesägt, gefeilt und gehämmert. Sechs Mädchen und drei Jungen nehmen am Sommerferienworkshop des Kunstvereins teil und begeben sich unter Leitung von Bildhauerin Gabriele Priesemann auf eine »Reise um die Welt« der Bildenden Künste.
05. August 2010, 18:10 Uhr
Maria Herk (l.) und Sarah Jost arbeiten mit Genauigkeit an ihren Specksteintieren. (Foto: Kummetat)

Bad Vilbel (kum). Die Bauarbeiten für den neuen »Akzente«-Buchladen auf der Frankfurter Straße sind nicht zu überhören, doch auch im Vorhof der Kunstschule wird fleißig gesägt, gefeilt und gehämmert. Sechs Mädchen und drei Jungen nehmen am Sommerferienworkshop des Kunstvereins teil und begeben sich unter Leitung von Bildhauerin Gabriele Priesemann auf eine »Reise um die Welt« der Bildenden Künste.

Pastellbilder wurden bereits gemalt, und auch mit »Frottage«, der Abbildungstechnik besonderer Oberflächenstrukturen durch Abrieb von Kreide oder Bleistift, waren die Teilnehmer beschäftigt. »Hierzu haben wir Naturstudien gemacht und Disteln abgebildet«, erklärt Priesemann.

Henning, mit 14 Jahren der älteste Teilnehmer des Kurses, sitzt noch im Werkraum und arbeitet akribisch an seinem Mosaik. »Ich habe meinen Fantasievogel schon in Farbe vorgezeichnet, danach habe ich die Steine und Spiegel zerklopft, und jetzt fixiere ich das Ganze auf dem Rigips mit Mörtel«, erklärt er sein Vorgehen und fügt hinzu, dass das aufwendig gestaltete Kunstwerk vielleicht als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter dienen könne.

Die acht anderen jungen Künstler sind draußen bereits mit Specksteinen beschäftigt - deren Mosaike liegen im Nebenraum zum Trocknen: »Wenn sich der dunkle Mörtel fast weiß gefärbt hat, ist er trocken genug, und es kann verfugt werden«, so Henning, der auch zu Hause in Nieder-Eschbach gerne mit Handwerk und Kunst zu tun hat. Vor der Tür hängt eine dicke Staubwolke, denn jeder möchte mit seinem Speckstein möglichst schnell vorankommen. Es wird gefeilt und gesägt was das Zeug hält. »Die Kinder meinen, es müsse schnell gehen, aber so etwas braucht einfach seine Zeit«, schmunzelt Priesemann und beantwortet geduldig alle Fragen, die zu den Bearbeitungstechniken aufkommen.

»Ich mache einen Fisch«, sagt Sarah Jost, »ich eine Schildkröte«, fügt Maria Herk hinzu und von hinten ruft David Mittag: »Mein Stein wird ein Dinosaurier«. Die Fantasie der Kinder kennt keine Grenzen, doch bis die Steinblöcke ihre endgültige Form erreicht haben, werden noch einige Stunden verstreichen und Ecken abgeschliffen werden müssen.

Mit Werkzeug bereits vertraut

Auch wenn hin und wieder jemand mit der Feile abrutscht, sind die angehenden Künstler mit dem Werkzeug bereits vertraut: »Diese Feile hier verwende ich, um die Rundungen besser formen zu können«, erklärt Maria, und Sarah ergänzt, »diese hier nimmt man, um Stellen gerade zu machen«.

»Den Staub von den Steinen sammeln wir in Behältern«: Anna-Lena Gerlach holt das feine Specksteinmehl mit einem Pinsel aus jeder Ritze des Tisches. Später soll dieses für Bilder mit Pigmentierung in Naturfarben verwendet und mit Kleister aufgeklebt werden, so das Vorhaben Priesemanns.

Seit nunmehr zehn Jahren ist sie Mitglied im Kunstverein Bad Vilbel und hat schon etliche Kurse mit Erwachsenen und Kindern geleitet. »Mittlerweile ist es für die Kinder durch Ganztagsschulen schwer, an fortlaufenden Kursen teilzunehmen. Die Ferienkurse sind jedoch immer gut besucht.«, schildert sie. Die Arbeit mit Kindern mache ihr Spaß, und obwohl sich die Teilnehmer vorher nicht kennen, sei es eine »ganz harmonische und tolerante Gruppe«.

»Durch das Tun und Schaffen öffnen sich die meisten nach einer Weile«, erklärt sie und ist begeistert, wie engagiert alle dabei sind: »Manche machen die Mosaike an einem Vormittag, doch diese Gruppe hat zwei volle Tage herumgetüftelt«. Für die nächsten Tage stünden noch Holzarbeiten und verschiedene Maltechniken auf dem Programm. »Das hängt aber ganz von der verbleibenden Zeit ab«, fügt die Kursleiterin gelassen hinzu.

Leoni Schönacher ist auf einmal ganz eifrig: »Wenn ich bis zu dieser Markierung gefeilt habe, machen wir Pause«. Und auch ihr Bruder Moritz freut sich: »Dann geht es wieder auf den Römerspielplatz, und wir spielen Tarzan an den Trauerweiden«. Auch Priesemann freut sich auf die Pause, denn »dann können sie erstmal Energie ablassen«. Giulia Lombardo beißt schon einmal beherzt in ihr mitgebrachtes Käsebrot, bevor durchgezählt wird und sich die Gruppe geschlossen auf den Weg in den Kurpark macht.

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