22. Juni 2010, 19:28 Uhr

»Efeu wirkt erhellend auf das Gemüt«

Bad Vilbel (cze). »Statt Coolness brauchen wir Wärme und Licht. Jetzt haben die Lichtkräuter ihre höchste Kraft«, sagt Diplom-Biologin Christina Oxfort. Im Arm einen Strauß von Johanniskraut und Schafgarbe begrüßt sie fröhlich 18 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die der Einladung zum »Lichtkräuterspaziergang zur Sommersonnenwende« gefolgt sind. Engagiert von der Naturschutzgesellschaft Bad Vilbel und Umgebung erklärt Oxfort den aufmerksamen Interessenten, was diese Kräuter können, woher sie ihren Namen haben und wo sie wachsen.
22. Juni 2010, 19:28 Uhr
Christina Oxfort zeigt den Teilnehmern des Lichtkräuterspaziergangs der Naturschutzgesellschaft die Struktur eines Efeu-Blattes. (Foto: cze)

Bad Vilbel (cze). »Statt Coolness brauchen wir Wärme und Licht. Jetzt haben die Lichtkräuter ihre höchste Kraft«, sagt Diplom-Biologin Christina Oxfort. Im Arm einen Strauß von Johanniskraut und Schafgarbe begrüßt sie fröhlich 18 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die der Einladung zum »Lichtkräuterspaziergang zur Sommersonnenwende« gefolgt sind. Engagiert von der Naturschutzgesellschaft Bad Vilbel und Umgebung erklärt Oxfort den aufmerksamen Interessenten, was diese Kräuter können, woher sie ihren Namen haben und wo sie wachsen.

Weite Wege sind nicht nötig. Schon am Treffpunkt Altes Rathaus - sozusagen direkt vor der Haustür - wächst der Efeu - das »Arzneimittel des Jahres«. »Efeu wirkt erhellend auf das Gemüt und krampf- und schleimlösend bei Atemwegserkrankungen«, erklärt die Biologin. Aber auch lustspendend und die Lebensfreude stärkend sei die Pflanze. So trage Dyonysos in frühen Abbildungen immer Efeu auf dem Kopf - als Zeichen unbändiger Lebenskraft. Und auch in Shakespeares »Mittsommernachtstraum« ziert Oberon ein Efeukranz. »In der klassischen Mythologie und im Mittelalter schenkte man den Heilkräutern große Beachtung und schrieb ihnen die vielfältigsten Kräfte zu«, hört man von Oxfort.

Der »Stinkende Storchenschnabel« - ebenfalls ansässig am Nidda-Ufer - wurde in früheren Jahrhunderten von Paaren mit Kinderwunsch unters Bett gelegt. Es sollte die Fruchtbarkeit steigern. »Alle Lichtpflanzen geben dem menschlichen Organismus Wärme und Licht. Sie bringen die Lebenssäfte wieder zum Fließen«, sagt die lebhafte Rednerin.

Fröstelnd schauen die Zuhörer nach oben, denn das Wetter zum Johannistag könnte schon ein paar Grade wärmer sein. In Richtung Dortelweil - zur Niddaquelle hin - begegnet die Gruppe auf Schritt und Tritt einem neuen Lichtgewächs. Mannshoch wuchert der »Knollige Kälberkropf« - weiß blühend im Aussehen zum Verwechseln ähnlich der »Schafgarbe« - an der Uferböschung. »Er schmeckt fast wie die Kartoffel. Nur die Knolle ist essbar«, sagt Oxfort, die auch als Heilpraktikerin tätig ist und auf die chinesische Heilkunst schwört.

»Beruhigende Wirkung«

Die »Schafgarbe«, zu Kriegszeiten auch als »Soldatenkraut« bekannt, zeigt etwa zwei Meter weiter ihre Pracht. »Die Wirkung ist beruhigend, sie hemmt Entzündungen und hat sogar leicht antibiotische Wirkung.« Ihren Spitznamen »Soldatenkraut« verdankt sie dem Umstand, dass sie auf die Wunden der Kriegsverletzten gelegt wurde, um Entzündungen zu verhindern.

Zum Johannistag darf das gelb blühende Johanniskraut, auch »Fuga Dämonum« (Dämonenvertreibend) genannt, nicht fehlen. Oxfort deutet auf den Kräuterstrauß, den mittlerweile Hans Tuengerthal, der Vorsitzende der Naturschutzgesellschaft, trägt: »Es hilft gegen Depressionen.« Vielleicht 30 Schritte weiter - dann taucht der Giersch auf: ein Heilmittel gegen Gicht. »Die Pflanze kann man wie Spinat zubereiten«, motiviert die Biologin die Umstehenden.

Kurz vor der Fußgängerbrücke »Schützenhofsteg« bückt sie sich mit dem verzückten Ausruf: »An diesem Kreuzblütler kann ich nicht vorbei gehen, auch wenn er noch so unscheinbar ist«. Gemeint ist die als »Sängerkraut« bekannte »Senfrauke«. Winzige, stecknadelkopfgroße gelbe Blütchen recken sich dem Betrachter in Kniehöhe entgegen. »Ganz hervorragend bei Heiserkeit und Stimmbandproblemen«, lobt sie.

Am Ende des Spaziergangs hält die Gruppe kurz hinter der Wasserburg an einem Holunderstrauch - im Volksmund »Holderbusch«. »Seinen Namen verdankt er der Muttergöttin Holda, Frau Holle. Sie begleitet die Seelen und schenkt Fruchtbarkeit. Zur Sommersonnenwende, zur Hochzeit von Himmel und Erde, wurde in heidnischen Zeiten allen Muttergöttinnen geopfert«, schließt Oxfort den außerordentlich informativen Spaziergang. Aus eigener Tasche opfert sie für jeden ein Kräuterbonbon mit Spitzwegerich - als gute Vorbeugung gegen Erkältung.

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