18. Dezember 2009, 10:52 Uhr

Ehemalige Führungskräfte helfen Unternehmen

Bad Vilbel (süd). Sie sind ehemalige Führungskräfte in Industrie, Handel oder im Dienstleistungsgewerbe, sind aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden und wollen nun ihre Erfahrungen vor allem an Existenzgründer weitergeben: Die Wirtschaftspaten. Ab Januar beraten sie einmal im Monat immer am vierten Donnerstag von 9 bis 13 Uhr im Rathaus in der Parkstraße kleine und mittlere Unternehmen vor allem aus der Quellenstadt, die Hilfe benötigen.
18. Dezember 2009, 10:52 Uhr
Dr. Thomas Stöhr, Rüdiger Wiechers und Peter Bauditz (v. l.) stellen das Konzept der Wirtschaftspaten vor. (Foto: Südhoff)

Am Mittwoch stellte Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr zusammen mit dem ehrenamtlichen Wirtschaftsförderer der Stadt, Rüdiger Wiechers, und dem Wirtschaftspaten Peter Bauditz, der in Massenheim wohnt, das neue Angebot vor.

Der Verein »Die Wirtschaftspaten« wurde 2002 gegründet, ist im Rhein-Main-Gebiet tätig und gehört der Bundesarbeitsgemeinschaft »Alt hilft Jung« an. Im Verein arbeiten rund 30 Ehrenamtliche, die in Betrieben Hilfe zur Selbsthilfe leisten wollen. Ihre Aufgabe sehen sie in der Erhaltung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze, sie seien praxisorientiert, verantwortungsbewusst, diskret und vertraulich, erklärte Bauditz, der künftig die Sprechstunden in Bad Vilbel abhalten wird.

Der 72-Jährige ist Wirtschaftsingenieur, hat an der Technischen Universität Berlin studiert und zuletzt als Vertriebsleiter bei Siemens in Rödelheim gearbeitet. Seit 1995 hat er zunächst in Thüringen im Rahmen der Aufbauhilfe für die neuen Bundesländer seine berufliche Erfahrung zur Verfügung gestellt, inzwischen ist er als Wirtschaftspate aktiv. Zurzeit betreut Bauditz sieben Unternehmen, davon hat eins seinen Sitz in der Quellenstadt, ein anderes in Karben.

Der Verein der Wirtschaftspaten hat eine Geschäftsstelle in Bruchköbel und war Anfang 2007 mit einem Unternehmensplanspiel am Georg-Büchner-Gymnasium zu Gast. Die Ehrenamtlichen helfen vor allem bei Existenzgründungen (rund 50 Prozent), aber auch bei Unternehmenssanierungen (40 Prozent) und -expansionen sowie bei der Suche nach Nachfolgern. Wie Bauditz erläuterte, werden alle Branchen abgedeckt, von der Industrie über Einzel- und Großhandel, Finanzen und Versicherung, Logistik, Hotel- und Gaststättengewerbe bis hin zu Handwerk und Dienstleistungen. Zurzeit gebe es monatlich zwischen 60 und 80 Anfragen von Unternehmen oder Existenzgründern - darunter viele Arbeitslose - im Rhein-Main-Gebiet.

Die Wirtschaftspaten können dem Hilfesuchenden in den verschiedensten Bereichen unter die Arme greifen. Als Beispiele nannte Bauditz Marketing und Vertrieb, Finanzierung, Buchhaltung, Controlling, Kalkulation, Personalwesen, EDV-Organisation oder Qualitätsmanagement. Nicht beraten wird in Rechts-, Steuer- und Versicherungsfragen. Bisher wurden bereits über 1800 Firmen betreut.

Der Einsatz erfolge immer mit dem Ziel »Hilfe zur Selbsthilfe«. Wie Bauditz erklärte, werden Existenzgründer zum Beispiel beim Anfertigen von Businessplänen unterstützt, bei Unternehmen in der Krise gehe es zunächst um die Sicherung der Liquidität und die Ausarbeitung eines Sanierungsplanes. Die Wirtschaftspaten bieten auch Seminare an und arbeiten mit den Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie den Arbeitsagenturen zusammen. Von diesen sind sie anerkannt, die fachkundigen Stellungnahmen zur Tragfähigkeit eines Unternehmens zu erstellen, wenn sich ein Arbeitsloser selbstständig machen und dafür Überbrückungsgeld beantragen will.

Bauditz könnte sich gerade mit Blick auf den »Quellenpark« eine Art Technologiezentrum in Vilbel vorstellen, wo sich junge Unternehmen ansiedeln können, die dann von den Wirtschaftspaten über ein halbes oder ein Jahr kontinuierlich geführt werden. Eine Idee, die sowohl beim Bürgermeister als auch beim Wirtschaftsförderer auf offene Ohren stieß.

Erfahrener Rat

Stöhr betonte, die Stadt könne durch die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftspaten kleine und mittlere Unternehmen unterstützen. Die Kooperation sei somit ein Standortfaktor für die Quellenstadt. Gerade in der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise sei ein erfahrener Rat gefragt.

Wiechers hatte die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Wirtschaftspaten vermittelt. Er betonte, die kleinen und mittleren Unternehmen würden mit großem persönlichen Engagement geführt. Da diese nun in schwierigen Situationen einen Anlaufpunkt im Rathaus haben, könne ihnen in Krisensituationen schnelle Hilfe geboten werden. Gerade diese Firmen könnten sich keine kostspielige Unternehmensberatung leisten. Die von dem gemeinnützigen Verein geforderten Beträge - zum Beispiel 35 Euro für das erste Betreuungsgespräch oder 20 Euro pro Stunde bei einem längerfristigen Coaching - dienten dagegen nur der Kostenabdeckung.

Die erste Sprechstunde im Rathaus ist am Donnerstag, 28. Januar, von 9 bis 13 Uhr. Für jeden Interessenten ist eine Gesprächszeit von 50 Minuten vorgesehen.

Anmeldungen werden im Rathaus entgegengenommen, und zwar per E-Mail an verena.kehm@bad-vilbel.de oder carolina.moeller@bad-vilbel.de. Hier können auch ehemalige Führungskräfte Kontakt aufnehmen, die sich als Wirtschaftspaten engagieren wollen.



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