29. Juni 2009, 18:54 Uhr

»Mein Spielplatz wird kein Bauplatz«

Bad Vilbel (aho). »Amiwiese: Mein Spielplatz wird kein Bauplatz« stand mit drei Ausrufezeichen in weißen Lettern auf vielen wiesengrünen T-Shirts zu lesen. Am Sonntag protestierten rund 200 Heilsberger Bürgerinnen und Bürger unter dem Motto »Wir lassen die Amiwiese nicht allein!« gegen die Bebauung.
29. Juni 2009, 18:54 Uhr
Die Protestierenden gegen die Bebauung der Amiwiese bilden eine Menschenkette. (Foto: Hofmann)

Bad Vilbel (aho). »Amiwiese: Mein Spielplatz wird kein Bauplatz« stand mit drei Ausrufezeichen in weißen Lettern auf vielen wiesengrünen T-Shirts zu lesen. Am Sonntag protestierten rund 200 Heilsberger Bürgerinnen und Bürger unter dem Motto »Wir lassen die Amiwiese nicht allein!« gegen die Bebauung. Transparente beklagten: »Bad Vilbel goes zubetoniert« oder die »Stör-ige Politik« der Stadt, während eine Demonstrantin das Schild »CDU und FDP nächste Wahl kommt bald« hochhielt. Sonst spielen Kinder auf der Amiwiese, oder Hunde tollen darauf herum.

»Es ist schön zu sehen, dass Menschen sich für ihre Belange einsetzen«, freute sich Dr. Uwe Wittstock vom Verein »Rettet die Amiwiese« über den Zustrom an diesem Nachmittag. »Das zeigt auch den Rückhalt in der Bevölkerung.« Denn nicht nur die unmittelbaren Anwohner der Amiwiese, sondern auch Menschen anderer Heilsberger Straßen, beispielsweise auch aus der Sudetenland-Siedlung, waren gekommen, ihren Unmut zu demonstrieren.

Der Aushub, links zur Amiwiese, ist nicht zu übersehen. Das Baugerät steht auch dort. »Das ist nicht einmal abgedeckt, obwohl bekannt ist, dass der Boden arsenhaltig ist«, wies Anwohnerin Karin Rixen darauf hin. Sie kennt sich aus, denn damit ihre Familie im eigenen Garten Gemüse anbauen konnte, mussten erst viele Kubikmeter Erde bewegt werden, um die geogenen Arsene loszuwerden. Sie protestierte aber auch aus einem anderen Grund: Mit der Bebauung solle eine Durchfahrt kommen. »Jede Stadt aber braucht Stadtteile ohne Durchfahrt. Diese geplante und gefürchtete Durchfahrtsstraße wurde von vielen Protestierenden kritisiert. Denn laut Bebauungsplan sollten Carl-Schurz-Straße und die Danziger Straße zu Durchgangsstraßen mit außerordentlich hohem Verkehrsaufkommen werden, war von einigen Protestlern zu hören.

»Eine Unterschriftensammlung dokumentiert den Willen von über 2500 Bürgerinnen und Bürgern gegen die Bebauung«, sagte Manfred Manthey, Sprecher der neu gegründeten Freien Wähler, der seit 57 Jahren auf dem Heilsberg lebt. »Ich habe meine Kindheit auf der Amiwiese verbracht«, führte er weiter an. »Das möchte ich meinen Enkeln weitergeben.« Politiker sollten sich seiner Meinung nach nicht als Besitzer, sondern als Bewahrer des Vorhandenen sehen, fand er. »Aber sie denken zu kurzfristig.«

»Auch hier wird noch leidenschaftlich diskutiert«, bemerkte Hannelore Rabl, die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Denn es waren zudem wenige Personen gekommen, die geplante Bebauung zu verteidigen. Rabl war mit einigen ihrer Parteimitglieder an den Ort des Protests gekommen, um für den Erhalt des Naherholungsgebiets zu demonstrieren.

»Die Amiwiese ist eines der letzten Stücke Freiheit und Natur und hat damit auch ideelle Bedeutung«, fand Volker Pech. »Man muss nicht noch den letzten Rest Land zubetonieren. Der Heilsberg ist doch schon dicht genug besiedelt«, fand er. Nicht nur er appellierte an die Lokalpolitik, »nicht nur in Nutzen und Zahlen« zu denken.

Von Christian Rahmig angeleitet, bildeten die 200 Protestierenden eine Menschenkette, die die gesamte Amiwiese umspannte. Dann formierten sich die Teilnehmer gemeinsam zu einem großen Herz, was zu Rahmigs Freude auch gelang. Als ein Teil der Menschenkette stand die 91-jährige Wanda Arndt: »Ich wohne nun schon 60 Jahre auf dem Heilsberg und finde, dass die Amiwiese erhalten bleiben muss.«

Jüngst hatte der Kasseler Verwaltungsgerichtshof es abgelehnt, im von »Rettet die Amiwiese« beantragten Eilverfahren eine einstweilige Anordnung zu erlassen. »Bei einem Eilverfahren wird zunächst nur auf grobe Rechtsverstöße geachtet«, merkte Wittstock an. Da habe die Stadtregierung keinen Fehler gemacht, gab er zu, lässt sich davon aber nicht beirren. »Jetzt müssen die Details im Normenkontrollverfahren, das von elf Bürgern angestrengt wurde, vor dem Verwaltungsgerichtshof Kassel bewertet werden.« Darauf freue man sich, zeigte sich Wittstock zuversichtlich. Vor Ort werde weiter um die Wiese gekämpft.

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