23. Juni 2009, 19:46 Uhr

Erzieher fordern bessere Arbeitsbedingungen

Bad Vilbel (khn). Bei einem Demonstrationszug durch die Innenstadt haben rund 100 städtische Erzieherinnen und Erzieher bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen gefordert. Die Streikenden zogen mit Plakaten und Trillerpfeifen vom Kurhaus über die Frankfurter Straße und die Parkstraße zum Rathaus. Dort überreichten sie dem Sozialdezernenten Jörg Frank Luftballons, auf denen Belastungen und Forderungen der Betreuer aufgeschrieben waren. »Es reicht«, rief Kirsten Frank von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Demonstranten durch ein Megafon zu. »Wir wollen endlich eine angemessene Anerkennung für unsere Arbeit.«
23. Juni 2009, 19:46 Uhr
Sozialdezernent Jörg Frank stellt sich den Demonstrierenden.

Bad Vilbel (khn). Bei einem Demonstrationszug durch die Innenstadt haben rund 100 städtische Erzieherinnen und Erzieher bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen gefordert. Die Streikenden zogen mit Plakaten und Trillerpfeifen vom Kurhaus über die Frankfurter Straße und die Parkstraße zum Rathaus. Dort überreichten sie dem Sozialdezernenten Jörg Frank Luftballons, auf denen Belastungen und Forderungen der Betreuer aufgeschrieben waren. »Es reicht«, rief Kirsten Frank von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Demonstranten durch ein Megafon zu. »Wir wollen endlich eine angemessene Anerkennung für unsere Arbeit.«

Die rund 100 Erzieherinnen und Erzieher der städtischen Kindertagesstätten zogen unter lautem Gepfeife und mit Plakaten zum Rathaus - auf dem Bürgersteig. Das war eine Vorgabe der Polizei, hießt es von Seiten der Demo-Organisatoren. Auf den Betttüchern und Pappschildern stand »Wunsch: Kleinere Gruppen« oder: »Wir leisten mehr als wir verdienen.« Viele trugen T-Shirts mit dem Aufdruck »Zukunftsgestalter ... fordert Anerkennung«.

»Wir spüren, dass die Stadt das Problem erkannt hat«, sagte Christa Hillenbrand, Verdi-Vertrauensfrau. Immerhin sei man dort zu Zugeständnissen bereit. Problem sei die Arbeitgeberseite, die eine Lösung des Konflikts blockieren würde. Man fordere eine Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes mit Beteiligung der Betreuer. So könne festgestellt werden, wo die Probleme liegen. »Wenn bei dieser Gefährdungsanalyse etwas entdeckt wird, dann muss das auch geändert werden«, sagte sie. Das sei gesetzlich vorgegeben.

Außerdem wehren sich die Erzieherinnen und Erzieher gegen die Eingruppierung in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD). »Wir unterstanden vorher dem Bundesangestelltentarifvertrag.« Dort sei es möglich gewesen, nach drei Jahren in eine höhere Besoldungsstufe aufzusteigen. »Bewährungsaufstieg« nennt sich das. »Das fällt unter dem TVöD weg«, betonte Hillenbrand.

»Wir wollen mit unserem Protest nicht nachlassen«, sagte Kirsten Franz, Gewerkschaftssekretärin von Verdi. In den nächsten Wochen werde man gezielt auf Politiker wie Bürgermeister und Landräte zugehen. Außerdem soll es weiterhin Protestveranstaltung geben - auch über die Sommerferien hinaus. »Was wir genau machen, wird in der nächsten Woche bei den Streikplanungen beschlossen.«

Es gehe den Erzieherinnen und Erziehern um die Aufwertung ihres Berufs. »Das Engagement muss entsprechend der Leistung gewürdigt werden«, betonte Franz. In Anspielung auf die Diskussion zur Rettung von Banken im Zuge der Wirtschaftskrise sagte sie: »Es ist doch in letzter Zeit immer von Systemrelevanz die Rede. Wir sind auch systemrelevant.«

Sozialdezernent Frank stellte sich den Demonstrierenden: »Ich nehme Ihre Forderungen sehr gerne entgegen«, sagte er. Als Magistratsmitglied habe er zwar eine bestimmte Position zu vertreten, verstehe aber die Forderungen der Streikenden. Aber: »Die Welt dreht sich weiter, es wird in allen Berufen mehr verlangt«, betonte er. »Irgendjemand muss das zahlen, was Sie fordern. Und das Geld kommt von denen, die wie Sie arbeiten.« Man wolle zwar die Situation an den Kindertagesstätten verbessern, unterliege aber als Kommune »dem Druck von Politikern wie Ursula von der Leyen«.

Arbeitstage tauschen oder Großeltern-Hilfe

»Der Streik ist Ihr gutes Recht«, betonte Frank. Aber man erhalte auch viele Elternproteste. Es werde Zeit für eine einvernehmliche Lösung - zusammen mit den Arbeitgebern. »Denn so unnachgiebig sind die nicht.«

Karolina Mainert stand am Straßenrand und beobachtete die Demonstration. »Ich finde die Forderungen absolut berechtigt«, sagte die Mutter eines Sechsjährigen. »Es ist doch ein Knochenjob, den die Betreuer Tat für Tag leisten«, betonte sie und fügte hinzu: »Ich würde das nicht machen.« Eltern würden von ihnen immer mehr Leistung fordern, also müsse es auch besser bezahlt werden. Ob sie als Mutter vom Streik betroffen war? »Ja«, sagte sie, »aber dann habe ich eben Arbeitstage getauscht oder die Großeltern sind eingesprungen.«

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