04. März 2009, 16:54 Uhr

Vom einfachen Leben im Einklang mit der Natur

Bad Vilbel (koe). Ein großes Tipi steht derzeit im Garten der Kindertagesstätte »Zauberburg« in Dortelweil-West. Rauch steigt daraus auf, und es ist leise Musik zu hören. Darin wohnt Capanivang. Er lebt seit über 30 Jahren nach der Tradition der Indianer.
04. März 2009, 16:54 Uhr

Irgendwann hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und zieht nun quer durch Deutschland, um Kindern und Schülern die indianische Lebensweise näher zu bringen. Noch bis Sonntag hat er sein Quartier in Dortelweil aufgeschlagen.

Auch bei Minustemperaturen bleibt der Mann aus dem Westerwald in seinem Tipi. Damit er nicht friert, hat er viele Felle, Decken und vor allem ein Lagerfeuer in der Mitte seines Zeltes. Die Kita »Zauberburg« kennt er, da er bereits vor vier Jahren hier war. »Eltern haben uns angesprochen, wieder eine Indianer-Woche zu veranstalten«, sagte Kita-Leiterin Gisela Arvin-Drabeck. So befassen sich jetzt alle 115 Kinder der Einrichtung mit dem Thema »Indianer«. Dass Capanivang, der Capa genannt wird, im Garten wohnt, finden sie toll. Er hat auch Sachen mitgebracht, mit denen die Jungen und Mädchen basteln und malen können: Amulette gestalten, T-Shirts bedrucken, Medizinbeutel basteln, Traumfänger herstellen und Maisbrot backen. All das und mehr wird in dieser Themenwoche angeboten. Bevor Capa in die Kita kam, hatten sich die Kleinen vorbereitet. »Komm’ mit ins Land der Indianer« ist das Motto der Woche. Die Kinder haben sich mit der Kleidung, den Bräuchen, der Lebensweise und der Behausung beschäftigt. Außerdem erklärten ihnen die Erzieherinnen, wer Christoph Columbus war und wie Indianer heute leben.

In einem Raum basteln die Erzieherinnen Danila Göbel und ihre Kollegin Resa Alifkina Amulette. Auf diese sollen Bären und Füchse aus Gips geklebt werden. Bunt anmalen sollen sie die Kinder auch: »Nur nicht rosa, wir sind ja hier nicht bei Haribo«, sagt Capa. Deshalb malen die Kleinen vorwiegend in Braun- und Erdtönen. Einen Raum weiter beklebt Erzieherin Alexandra Hofinger Jasmins (4) Gesicht mit Gips. Daraus entstehen später Indianermasken. Denis (5) bedruckt ein T-Shirt mit Kartoffelstempeln und Indianer-Motiven. Miray (6), Marlene (4) und Joaquin (6) fädeln Perlen für ein Amulett auf.

Seit über 30 Jahren fasziniert

»Eigentlich geht es um das einfache Leben. Das können die Kinder bei mir im Zelt sehen«, sagt Capa, was auf Deutsch »Der mit dem Stock im Maul schwimmt«, also Biber, heißt. Diesen Namen hat er sich auch in seinem Personalausweis eintragen lassen, um damit bei Geschäftsvorgängen unterschreiben zu können. Außerdem kann er sich so vor Missbrauch dieses Names schützen.

1974 hat er sich in Österreich einer Gruppe angeschlossen, die nach indianischen Traditionen lebt. »Besonders die Religion der Indianer hat mich fasziniert«, sagt Capa. Außerdem sei er beeindruckt vom Gemeinschaftssinn dieser Gruppen gewesen: »Jeder ist für jeden da - ohne Ausnahme«. In der Gruppe, in der er anfangs lebte, gab es 30 Erwachsene und zehn Kinder: »Alle haben die Kinder erzogen, egal ob es die eigenen waren oder nicht.«

Deutschlandweit einzigartig

In den 90er-Jahren ist das Jugendamt Lüdenscheid auf ihn zugekommen und hat ein Projekt mit Schülern vorgeschlagen. Danach hätten ihn noch Kindergärten angesprochen und seine Berufung stand fest. »Ich bin der einzige deutschlandweit, der die Kinder vor Ort besucht und länger dort bleibt«, so Capa. Mitterweile ist das Projekt in Dortelweil sein 589. Er versucht, auf kindgerechte Weise zu erklären, dass die Natur wichtig ist und die Tiere zu schützen sind. »Auch viel Besitz ist nicht wichtig«, meint Capa.

Die Kinder der »Zauberburg« waren begeistert. Voller Eifer wurde gebastelt, gemalt und gespielt. Immer wieder haben sie Fragen gestellt. Nur der große, mächtige Federkopfschmuck von Capa war einigen nicht geheuer. Daran mussten sie sich erst gewöhnen. »Am ersten Tag kann ich so nicht auftauchen. Das gibt Tränen. Erst wenn sie mich kennen, trage ich den Schmuck«, erzählt die weiße Rothaut.

Wer sich dafür interessiert, Capanivang in eine Kita oder Schule zu holen, kann ihn oder seine Frau telefonisch erreichen unter 01 71/9 51 78 28 oder unter 0 26 81/18 91.

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