03. Dezember 2008, 19:58 Uhr

»Ökologische Nischen vor Ort sind wichtig«

Bad Vilbel (cf). Mit der Natur auf Tuchfühlung gehen können Besitzer naturnah gestalteter Gärten. Diese bieten einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren in der dicht besiedelten Kulturlandschaft einen geschützten Lebensraum. Richtig geplant bieten die grünen Oasen rund ums Haus ihren Besitzern das ganze Jahr über ein Naturerlebnis, Ruhe, Entspannung und Erholung. Wie wichtig diese ökologischen Nischen auch und gerade vor Ort sind, unterstreicht der Ortsverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) seit vier Jahren mit dem »Wettbewerb naturnaher Garten«.
03. Dezember 2008, 19:58 Uhr
Bei der Ehrung: (untere Reihe, v.l.) Ulrike May (3. Preis), Monika Mischke und Harry May, (darüber) Ute Petersen (2. Preis) und Irmgard Lampe (1. Preis), (oben) Peter Paul und Bürgermeister Dr. Stöhr. (Foto: cf)

Bad Vilbel (cf). Mit der Natur auf Tuchfühlung gehen können Besitzer naturnah gestalteter Gärten. Diese bieten einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren in der dicht besiedelten Kulturlandschaft einen geschützten Lebensraum. Richtig geplant bieten die grünen Oasen rund ums Haus ihren Besitzern das ganze Jahr über ein Naturerlebnis, Ruhe, Entspannung und Erholung. Wie wichtig diese ökologischen Nischen auch und gerade vor Ort sind, unterstreicht der Ortsverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) seit vier Jahren mit dem »Wettbewerb naturnaher Garten«. Am Dienstagabend fand die Preisverleihung durch Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr und die BUND-Ortsverbandsvorsitzenden Monika Mischke und Peter Paul im Alten Rathaus statt.

Mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde die Massenheimerin Irmgard Lampe. Der zweite Preis ging an Ute Petersen und der dritte an Ulrike und Harry May. Diese beiden Preisträger kommen aus der Kernstadt. Neben je einer Urkunde, dem OVAG-Buch »Oberhessen grünt -schöne Gärten« und einer Orchidee wurden die Preisträger noch mit Beifall der Teilnehmer belohnt.

Insgesamt nahmen acht Bewerber aus der Kernstadt und Massenheim am Wettbewerb teil. Zu ihnen gehörte ein Schrebergartenbesitzer am Ritterweiher ebenso wie zwei vorbildliche Nachwuchsgärtner aus dem Erzweg. Die Brüder Simon (10) und Julian (9) Mittag hatten zu Hause die Ausschreibung entdeckt, die Mutter Dr. Elke Rühl-Mittag mitgebracht hatte. »Da machen wir mit«, riefen die beiden Schüler begeistert.

Von klein auf gehört die Arbeit im Garten mit Pflanzen, Hegen und Pflegen zu den Hobbys der beiden Jungen. Simon beeindruckte die Jurymitglieder mit Nisthölzern und Bambusröhren am Quittenbaum für Insekten und Wildbienen. Sein jüngerer Bruder hat in den Gartenbäumen zahlreiche Vogelnistkästen aufgehängt. Das Beobachten der Vögel, Insekten und Bienen macht dem Duo großen Spaß, erzählten die Brüder.

Dafür erhielten die Schüler wie allen anderen Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs ein Buchpräsent und ein Alpenveilchen als Dankeschön. Nach dem offiziellen Teil sagten die beiden Brüder begeistert zu ihrer Mutter: »Wir haben hier viele Anregungen bekommen und schon wieder jede Menge Ideen für unseren Garten.«

Auch Peter Paul war von der Vielfalt und Schönheit der naturnahen Gärten und den Ideen ihrer Besitzer begeistert. »Alle Gärten sind artenreich und schön gestaltet. Bei fast allen haben die Besitzer in ihre Gestaltung Kunstwerke mit einbezogen.«

Der Naturschutz beginne im Garten, bekräftigte Mischke. »Das Zauberwort für Naturnähe heißt Vielfalt«, sagte sie und zeigte fotografische Impressionen aus den acht überwiegend naturnahen Ziergärten - aufgenommen in drei Jahreszeiten. Ein reiner ökologischer Nutzgarten war nicht dabei. Wichtig für alle Gartenbesitzer sei, dass in einem naturnahen Refugium jeder zu seinem Recht komme: Der Mensch, die Tiere und die Pflanzen. Dem Menschen biete er Naturerlebnis und Erholung, den Tieren Nahrung, Nist- und Überwinterungsplätze, einheimischen und seltenen Pflanzen einen geschützten Lebensraum, den es in der freien Landschaft immer weniger gebe.

Biologische Vielfalt

»Individuelle Lebensqualität und ein praktischer Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt waren noch nie so einfach miteinander zu verbinden wie in einem naturnahen Garten«, sagten die BUND-Streiter.

Eine lohnenswerte Beurteilung bekamen die Gärten, wenn in ihnen nur zwingend notwendige Flächen versiegelt sind und das Regenwasser auf dem Grundstück versickern kann, der Bewässerung der Pflanzen dient oder einen Gartenteich speist, Pflanzenabfälle kompostiert und im Garten einer Wiederverwendung zugeführt werden, viele einheimische Wildpflanzen und Sträucher gepflanzt sowie Nist- und Schutzmöglichkeiten für Tiere geschaffen wurden.

Idealerweise integriere ein naturnaher Garten einen Bachlauf oder einen Teich, biete Raum für Bäume sowie eine Blumenwiese, die sich mit Gemüsebeeten mit Mischkultur ablösen. Auch Findlinge, Geröllhalden, Totholzhaufen oder Schottergärten mit Naturhecken sowie begrünte Hütten brachten Pluspunkte. Insektenhaus, Nisthilfen, Komposthaufen mit Holunder, Moorbeet, Palisaden, sonnige und schattige Sitzplätze aus Holz oder Stein, Stauden, Treppen, Trockenmauern, Wege aus Holz, Kies oder Natursteinen lassen Gärten atmen und laden alle Nutzer zum Verweilen ein, erläuterten die Fachleute. Schatten- und Sonnenbereiche, Feucht- und Trockenbereiche sollten sich abwechseln. Auch Bodenwellen und Hänge würden zur Abwechslung beitragen und wie Naturhecken günstig das Kleinklima beeinflussen.

Die tierischen Bewohner würden sich in so einem vielfältigen und von Pestiziden freien Garten von selbst in großer Zahl einfinden. Diese Anforderungen ließen sich nicht nur in großen Gärten verwirklichen, sondern auch auf kleinen Flächen - wie in den Gärten der Preisträger zu sehen sei. »Das Schönste daran ist, dass es sich bei einem naturnahen nicht um einen arbeitsintensiven Garten handelt«, sagte Paul.

Preisträger, Teilnehmer, Jury, Bürgermeister und die Gäste, zu denen auch Bauamtsleiter Erik Schächer gehörte, ließen die Preisverleihung mit Apfelwein, Apfelsaft und Schnittchen gemütlich ausklingen.

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