01. August 2008, 16:08 Uhr

Dem Stein entlockt, was in ihm steckt

Bad Vilbel (aho). Das fleißige Hämmern und Klopfen ist auf der Frankfurter Straße zu gut hören. Die sechs Kursteilnehmer, die sich von Künstler Christof Paul im kühlenden Schatten vor der Kunstschule in die Bildhauerei einführen ließen, sind konzentriert. Immerhin versuchen sie, dem jeweiligen Stein das zu entlocken, was in ihm steckt. »Ich gebe nichts vor«, sagt Paul, der den Bildhauer-Kurs des Kunstvereins leitet. »Die Teilnehmer bestimmen selbst, was sie mit dem Material anfangen möchten.«
01. August 2008, 16:08 Uhr

Vor der Kunstschule werden Muschelkalk, Speckstein oder Jura-Kalkstein verarbeitet. Am meisten gestaltet wird jedoch Sandstein in verschiedenen Farben. Die professionellen Werkzeuge – Klüpfel und Schlageisen verschiedener Stärke – werden den Kursteilnehmern vom Kunstverein gestellt. Schutzbrillen und Handschuhe müssen sie selbst besorgen. »Manchmal bringen die Leute auch ihre Steine mit«, sagt der Bildhauer. »Manche haben bereits Ideen, andere lassen sich hier von der Form des Steines inspirieren.«
So wie Sonja Kunze, die sich selbst als »Laie« bezeichnet und bis dato wer Meißel noch Klüpfel in der Hand hatte. Sie klopft gerade die aufgezeichneten Details des zotteligen Barts, der ihr Sandstein-Gesichts einrahmt, heraus. »Die Nase war irgendwie schon da, also musste es ein Gesicht werden«, erklärt sie ihre Inspiration. Das Gesicht soll im Profil bleiben, und die andere Hälfte des Steins soll natürlich, also unbearbeitet, bleiben.

Eigentlich habe sie schon nach den ersten zehn Minuten mit der Steinbildhauerei abgeschlossen, lächelt sie selbstironisch. »Erst beim Selbermachen merkt man, was für eine Knochenarbeit das eigentlich ist.« Da habe sie sich gefragt, »ob ich die Ferien so zubringen möchte.«

Aber da hat es sie wohl schon gepackt. Sie macht weiter. Je stärker sie sich nun in die Steinwelt hineindenke, desto achtungsvoller betrachte sie steinerne Skulpturen oder die Steinmetz-Figuren an historischen Gebäuden, sagt sie und rückt dem Stein erneut zu Leibe.

»Ich wollte schon immer Steine bearbeiten«, meint Elena Armbrust, die sich an einem Muschelkalkstein versucht. Sie nahm schon an Pauls Kursen teil, als der noch im Steinbruch unterrichtete. Gemeinsam mit ihrem 13-jährigen Sohn Johannes hat sie sich zum Kurs angemeldet. In ihrem Garten gibt es bereits eine richtige Skulpturenlandschaft, zu der auch andere Familienmitglieder beigetragen haben.

Diesmal soll es ein Gesicht werden, in dem sie gerade die Falten zwischen den Nasenflügeln und dem Mund ausarbeitet. Auf Pauls Rat hat sie deshalb die Ecke eines Muschelkalksteins genommen, weil da die Nase leichter zu formen ist. »Allerdings platzen bei diesem Stein Stücke weg, sodass es schwer ist, Rundungen hineinzubekommen, sagt sie. »Nach jedem Schlag sieht es anders aus«, ist sie fasziniert, während sich Sohn Johannes unter Pauls wachsamen Augen an der Gestaltung einer Sandstein-Schildkröte versucht.
Der erste Bildhauer-Kurs fand bereits in der ersten Ferienwoche statt. »Das hat den Teilnehmern offenbar so gut gefallen, dass wir gleich noch einen weiteren angeboten haben«, lächelt Paul. Zumindest einige Teilnehmer der ersten Woche sind auch jetzt wieder an Bord.

Zu ihnen gehört Joachim Simon. »Der Stein spricht zu einem«, meint er. Simon hat zwei Steine kombiniert. Der eine erinnert stark an eine Maya-Maske. Über das Gesicht soll Wasser laufen, hinein in eine Rinne, die er in den anderen Stein geschlagen hat. Von dort fließt es in eine Vogeltränke.

Das ist allerdings nicht leicht, denn der Speckstein, den er hierfür bearbeitet, bröckelt leicht ab. »Da braucht man jemand mit Erfahrung, der einem den richtigen Rat gibt«, lobt er Pauls Unterricht. Bis jetzt habe er sich nicht getraut, künstlerisch dreidimensional zu arbeiten, sagt Simon. Malen ist einfacher, findet er.

Seine elfjährige Tochter Geska macht ebenfalls mit. Sie versucht sich klopfend und feilend an einem roten Sandstein. Ganz zufrieden mit ihrer Skulptur wirkt sie bisher noch nicht. Aber sie hat ja noch etwas Zeit, das Kunstwerk fertigzustellen.

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