12. Juni 2008, 14:28 Uhr

»Magistrat privatisiert Grün, wir sozialisieren es«

Bad Vilbel (dit). Der Magistratsentwurf des Bebauungsplans »Taunusblick« auf dem Heilsberg wurde am Dienstagabend vom Planungs- und Bauausschuss mit den Stimmen der CDU gegen das Votum von SPD und Bündnis 90/Die Grünen bei Enthaltung von Seiten der FDP dem Stadtparlament empfohlen. Ein Änderungsantrag der SPD wurde von CDU, Grünen und FDP abgelehnt.
12. Juni 2008, 14:28 Uhr
Dieser Magistratsvorlage stimmt die Mehrheit der Planungs- und Bauausschuss-Mitglieder zu. (Foto: Ditscher)

Zu Beginn der knapp dreistündigen, von Wolfgang Köhl geleiteten Sitzung in der Breitwiesenhalle in Gronau teilte Bauamtsleiter Erik Schächer in Anwesenheit von nur sechs Bürgerinnen und Bürgern mit, dass die Frist der Offenlegung auf sechs Wochen erweitert wurde. »Die Pläne werden ab der dritten Sommerferienwoche ausliegen und damit mindestens noch zwei Wochen nach Ferienende einsichtig sein.«

Die Grundzüge der Planung stellte die Diplom-Ingenieurin für Stadtplanung, Anja-Kristina Mann, vor. Auf der so genannten Amiwiese sollen auf etwa 500 Quadratmeter großen Grundstücken 61 Einfamilienhäusern mit jeweils bis zu zwei Wohneinheiten entstehen. »Bei einer überwiegend nach Süden ausgerichteten Baustruktur ist die Errichtung von Passivhäusern möglich.«

Vorgesehen sind eine Erschließungsstraße, zwei Anbindungsstraßen und ein öffentlicher Platz, an den eine Dreifeld-Sporthalle angrenzen soll. Angedacht sind die bauliche Angliederung eines Jugendzentrums an die Sporthalle sowie ein Vereinsheim. Ein Grünzug mit integrierten Sport- und Spielflächen soll die Bebauung auflockern.

Schächer, der die in der Bürgerinformationsveranstaltung (die WZ berichtete) angesprochenen Punkte Nachverdichtung, Verlust der Wiese und Verkehrsbelastung aufgriff, betonte, dass eine Mindestgröße für die Baugrundstücke vorgeschrieben werde. »Maximal 30 Prozent der einzelnen Grundstücke dürfen bebaut werden.« In den verkehrsberuhigten Zonen soll ein Baum vor jedem Grundstück gepflanzt werden. »Es ist nachvollziehbar, dass die Bürger Grünflächen möchten.« Er verwies auf das »Christeneck« und informierte, dass die Stadt Frankfurt am Rande des Heilsbergs als Ausgleichsmaßnahme eine etwa 800 Meter lange und 100 Meter breite Streuobstwiese plane, die sich vom »Christeneck« bis zum Georg-Muth-Haus ziehe. Verkehrliche Entlastung für den Heilsberg brächten die beabsichtigten Straßenbaumaßnahmen.

Dr. Hans-Ulrich Callies die Reduzierung des »Allgemeinen Wohngebietes« von 38 000 Quadratmetern auf 16 000 Quadratmeter vor. Die dadurch frei werdende Fläche einschließlich der damit entfallenden Straßen und der privaten Grünflächen bezifferte er auf insgesamt 27 000 Quadratmeter. Diese sollen der öffentlichen Grünfläche zugeführt werden, deren Größe damit von 8000 auf circa 35 000 Quadratmeter steige. »Es ist wichtig, den Heilsberg durch weitere Straßen zu entlasten sowie ein Jugendzentrum und eine Sporthalle zu errichten. Eine Grünfläche von nur 8000 Quadratmetern ist aber zu gering«, betonte Callies und unterstrich, dass eine geringere Versiegelung die Umweltbelastung verringere. Udo Landgrebe fügte an: »Die Magistratsvorlage privatisiert Grün, wir sozialisieren es.«

In einer Debatte um die Größe der Sporthalle verdeutlichte Schächer, dass der Kostenunterschied zwischen Zweifeld- und Dreifeld-Halle relativ gering sei. Für erstere seien Aufwendungen in Höhe von 3,2 bis 3,5 Millionen Euro, für letztere von 3,5 bis 4 Millionen Euro zu erwarten.

Debatten gab es um den Standort. Peter Paul (Die Grünen) gab zu bedenken, dass eine Sporthalle Verkehr anziehe. Der von Alf Haubitz (Die Grünen) persönlich stark angegriffene Verkehrsplaner Professor Rüdiger Storost entgegnete, es handele sich um eine Trainingshalle für derzeitige Heilsberg-Auspendler. Deren Fahrten könnten somit künftig entfallen.
Von den Grünen vorgebrachte Alternativstandorte wie Freudenberg-Anlage, nahe des Rabbit-Clubs und »Zigeunerwiese« wurden zurückgewiesen. Laut Schächer wird die Freudenberg-Anlage als Park erhalten bleiben, ein Gelände außerhalb von Bad Vilbel komme auch nicht in Frage. Nach Aussage von CDU-Fraktionschef Dr. Josef Maetz sei die »Zigeunerwiese« ob ihres wenig tragfähigen Grundes kein sicheres Gebiet für großflächige Gebäude.

Weitere Streitpunkte waren Ökologie und Ökonomie. Die Christdemokraten vermochten in der Bebauung der Amiwiese eine ökologische Aufwertung zu erkennen, Grüne bezweifelten dies. Letztere erhielten Bestätigung von Dr. Horst Franz aus Darmstadt (Ökologie und Landschaftsplanung). Die Amiwiese übe als offene, relativ öde, steppenartige, von magerer, aber artenreicher Vegetation gekennzeichnete Fläche einen positiven Effekt auf das Klima aus. »Unter klima- und bioökologischen Gesichtspunkten geht mit der Bebauung im Vergleich mit dem jetzt Vorhandenen ein starker Verlust einher.«

Mitglieder der CDU betonten mehrfach, dass die von der SPD vorgeschlagene reduzierte Bebauung aus ökonomischen Gründen wenig sinnvoll sei. Jens Völker bezifferte die Unterdeckung bei halber Bebauung auf etwa 1,5 Millionen. Callies legte einen Grundstückspreis von 400 bis 500 Euro zugrunde. Damit könne nach dem Magistratsentwurf ein Reinerlös von etwa zehn bis 13 Millionen Euro erzielt werden, während mit dem SPD-Konzept ein Reinerlös von drei bis 4,5 Millionen erreicht werden könne. Er forderte: »Der Magistrat sollte genaue Zahlen vorlegen.« Es sei zu bezweifeln, dass die gesamte Amiwiese als Neubaugebiet ausgewiesen werden müsse, um Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von etwa fünf Millionen zu tätigen, sagte er.

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