02. Mai 2008, 15:34 Uhr

»Spreche ich jetzt wieder zu schnell?«

Bad Vilbel (mja). Sie stehen kurz vor dem mündlichen Abitur und wollen bei ihrem Vortrag einen guten Eindruck hinterlassen, oder im Ingenieursberuf besser präsentieren können oder einfach in Debatten im heimischen Wohnzimmer überzeugender ihre Argumente vorbringen. Sie alle sind zwischen 18 und 24 Jahren alt und Mitglied in der Jugendorganisation des Rotary-Clubs in Hessen, der den Jugendlichen in drei Tagen die Grundlagen der Rhetorik vermitteln wollte.
02. Mai 2008, 15:34 Uhr
Sprechwissenschaftlerin Ursula Fetzer vermittelt den Jugendlichen Grundtechniken.

»So viele haben sich noch nie beworben«, sagte Uwe Opper, Organisator der Veranstaltung, die im Berufsförderungswerk statt fand. 47 junge Erwachsene durften kommen und bekamen zur Begrüßung ein Namensschild, denn Namen spielen auch eine große Rolle bei der Rhetorik.

»Wir haben ausgebildete Rhetoriktrainer für das Wochenende ergattern können, die professionelles Wissen weitergeben können«, sagte Opper weiter. Und der Tagesablauf war hart durch organisiert: Um 8.30 Uhr gab es Frühstück und danach einzelne Übungen, die auf das Präsentieren, die Körpersprache, die Stimme und das Sprechen abzielten. »Es wird anstrengend werden, aber ich freue mich auf die drei Tage«, sagte Ursula Fetzer, einer der Rhetoriktrainerinnen zur Begrüßung im Konferenzsaal »St. Petersburg«. Es seien Schüler, Studenten und auch Doktoranden, die ihre Rhetorikfähigkeiten trainieren wollten.
Noch recht gelassen saßen die 47 Seminar-Teilnehmer auf ihren Stühlen. Die jungen Männer in Anzug, die jungen Frauen mit Bluse oder Hosenanzug. Auch wenn das Erscheinungsbild stimmen muss, es ist auch wichtig, »was aus dem Mund kommt«, sagte eine Teilnehmerin.

Mit der Ruhe war es schnell vorbei: »Ich bitte Sie nun, alle einzeln nach vorne zu kommen und sich kurz vorzustellen.« Ein erstes Raunen ging durch den Saal. »Ja, ich schmeiße Sie jetzt ins kalte Wasser«, sagte Fetzer, die studierte Sprechwissenschaftlerin ist, mit einem Lachen.

Nicht nur improvisieren mussten die jungen Leute, sondern nach knapp zwölf Stunden Training mit nur wenigen Pausen um 19 Uhr noch eine Rede aus dem Stehgreif halten. Die erste Übung hatte dagegen noch einen sehr sympathischen Namen: »Small talk«. Das fiel allen recht leicht.

Insgesamt drei Trainerinnen betreuten die Jugendlichen. »Meine beiden Kolleginnen sind noch beim Landesfinale von ›Jugend debattiert‹.« Doch um an einem solchen Wettbewerb teilnehmen zu können, müssten die Seminar-Teilnehmer noch viel üben.
Alle kamen sie brav nach vorne und sagten ein paar Worte über sich. »Mein Problem ist, dass ich manchmal etwas zu schnell spreche«, sagte eine Teilnehmerin über ihre Motivation, an dem Seminar teilzunehmen. »War das jetzt auch wieder zu schnell?«, fragte sie – doch auch bei ihr wurde geklatscht. Die Hemmschwelle sollte für viele in den drei Tagen noch sinken.

Um sich etwas besser kennenzulernen, ordneten sich die Teilnehmer Gruppen zu. Erst Augenfarbe, dann Geburtstag und schließlich Interessenschwerpunkt bezüglich Rhetorik. »Was macht man denn mit den Händen, wenn man auf einer Bühne steht?«, fragte ein junger Mann, der sich in die Ecke zu den Körpersprache-Interessierten stellte. Und ein Anderer: »Ich finde Pantomime sehr interessant. Was man alles mit dem Körper ohne Worte ausdrücken kann.«



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