13. Februar 2008, 19:04 Uhr

Im Steinbruch soll die Sonne wieder scheinen

Bad Vilbel (koe). Vielen Bürgern ist es vielleicht gar nicht bekannt, dass sich unmittelbar am Zentrum der Quellenstadt ein Steinbruch befindet. Im so genannten Dickardtschen Steinbruch in der Hanauer Straße wurde früher Sandstein abgebaut.
13. Februar 2008, 19:04 Uhr
Für mehr Sonne im Steinbruch engagieren sich (v.l): Heinz Gilbert, Peter Hünner, Dr. Thomas Stöhr, Marc Dudda und Peter Paul. (Foto: Köhnkow)

Dieses Material ist bis heute an vielen historischen Gebäuden wie der Wasserburg zu sehen. In Betrieb ist er aber seit etwa 60 Jahren nicht mehr. Deshalb gibt es viele Bäume und Gestrüpp in diesem Areal. Das macht die Steinbruchwände sehr schattig. Damit sich wieder seltenere Tiere ansiedeln, die es sonnig mögen, sollen Bäume gefällt und Gestrüpp entfernt werden. Vögel, Reptilien und Insekten, die es zurzeit dort nicht gibt, sollen wiederkommen. Gestern Vormittag stellte die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Vogelschutzverein und dem BUND diese ökologische Maßnahme vor.

»Als Kinder haben wir hier Fußball gespielt«, erinnerten sich Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr und Heinz Gilbert vom Vogelschutzverein. Heute sei das auf Grund der Bäume nicht mehr möglich. Da diese viel Schatten auf die früher sonnendurchfluteten Wände werfen, hat der Steinbruch heute einen Waldcharakter. Wärmeliebende Tiere sind weitgehend verschwunden, und es haben sich, so Gilbert, »Allerweltsarten« angesiedelt. Dagegen möchte die Stadt in Zusammenarbeit mit Naturschützern etwas tun. »Einige Bäume an der Nord- und Westseite werden gefällt, sodass wieder Sonne auf die Wände strahlen kann. Tiere wie Grabwespen, Wildbienen oder Ameisenlöwen könnten sich ansiedeln. Reptilien wie die Zauneidechse oder die Blindschleiche ebenfalls«, sagte Peter Hünner, Naturschutzbeauftragter des Wetteraukreises.

Turm- und Wanderfalken locken

Große Hoffnung setzt der Vogelschutzverein auf eine Wiederansiedelung des Turm- oder Wanderfalken sowie von Hausrotschwanz und Dohlen. Um das zu erreichen, müsse stellenweise gerodet werden, betonte Gilbert. In vielen Gegenden seien Steinbrüche verschwunden oder werden als Müllhalde »genutzt«. Damit hat auch die Stadt immer wieder zu kämpfen. Einige Bürger würden sogar mit dem Auto in den Steinbruch fahren, um Gartenabfälle oder Müll abzulegen. Eine Absperrung mit Baumstämmen soll dies in Zukunft schwieriger machen, sagte Feldschütz Marc Dudda.

»Wir wollen die sonnendurchflutete Landschaft wiederherstellen. Es wäre schade, wenn der Steinbruch werwalden würde. Ein Stück Vilbel geht dann verloren«, sagte Peter Paul vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Im Rahmen des Initiativkreises Ökologie hatte der BUND der Stadt den Vorschlag zu dieser ökologischen Maßnahme gemacht. Für Stöhr ist dieses Engagement selbstverständlich: »Es sollen sich Tiere ansiedeln, die es früher hier gab. Gleichzeitig soll der historische Ort erhalten bleiben. Wir wollen den Menschen zeigen, wie stadtnah Naturschutz und Naherholung funktioniert.«

Ein stillgelegter Steinbruch ist für die Natur etwas besonderes. Durch die Wände ist er räumlich vom Umland abgegrenzt, diese und die Steine können bei genügend Sonneneinstrahlung besonders gut Wärme speichern. Die Zwischenräume der Steine bieten Platz für Tiere und Pflanzen, die sonst im Umland seltener zu finden sind. Von der 4000 Quadratmeter großen Gesamtfläche sollen etwa 500 bis 1000 Quadratmeter von Bäumen und Gestrüpp freigelegt werden. Dies geschieht im Laufe der nächsten Jahre: In 14 Tagen werden die ersten zehn Bäume (derzeit gelb markiert) geschlagen, Büsche geschnitten und Teile davon gehächselt. Diese bleiben als Haufen auf dem Boden liegen, um Unterschlupf für Tiere zu bieten Bis September wird die Entwicklung der Gegend von Naturschützern beobachtet. Im Frühjahr 2009 können Nachbearbeitungen vorgenommen werden. »Im Sommer 2009 soll die Maßnahme abgeschlossen sein«, sagte Albrecht Kliem von der Liegenschaftsverwaltung. Die Maßnahme werde in diesem Jahr zwischen 3000 und 5000 Euro kosten, so Dudda.

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