Bad Vilbel

Massenheimer Ortsbeirat fordert Verkehrskonzept

Bad Vilbel (cf). »Wo sollen wir mit unseren Lkw, Traktoren, Anhängern und landwirtschaftlichen Geräten entlangfahren?«, fragte Bauer Rudolf Laupus im Massenheimer Ortsbeirat. Den Bauern werde die Durchfahrt in der Straße An der Pfingstweide zum Apfelkreisel und in Richtung B 3 durch parkende Pkw erschwert bis unmöglich gemacht.
10. März 2015, 18:23 Uhr
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Landwirt Rudolf Laupus kommt mit seinem Traktor wegen parkender Pkw schlecht durch Massenheim.

»Die Durchfahrtsbreite ist nicht da, die Fahrt durch die engen Gassen des alten Ortskerns ist ebenfalls kaum möglich«, beschwerte sich Laupus. Nicht nur der Laupushof habe Mobilitätsprobleme, sondern auch die anderen drei Massenheimer Bauern sowie auswärtige, die ihre Felder erreichen wollen. »Im Gegensatz zu den anderen sind wir jeden Tag von der Verkehrsproblematik betroffen. Unsere Lastwagen, 26- bis 40-Tonner, beliefern immer abends das Frischezentrum Kalbach mit Kartoffeln.«

Auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Stadtteilgremiums mit anschließendem Bürgergespräch stand ein gemeinsam von Bündnis90/Die Grünen und SPD vorgelegter Antrag zur Ausarbeitung eines Verkehrskonzeptes. Dafür bitten die Antragssteller mit Unterstützung der Christdemokraten den Magistrat, 10 000 Euro in den Haushalt 2015/16 einzustellen.

Zu wenig Parkplätze im Ortskern

Anlass für den Antrag ist zum einen der gerade in Arbeit befindliche Verkehrsplan für den Heilsberg und die Kernstadt. Den erstellt Verkehrsplaner Professor Dr. Rüdiger Storost vom Frankfurter Ingenieurbüro IMB-Plan (Ingenieurgesellschaft für Verkehr und Stadtplanung mbH). Die Kommunalpolitiker begründen ihren Antrag damit, dass durch die Verdichtung der Bebauung, neue Wohngebiete, die An- und Umsiedlung von Gewerbe, den ruhenden Verkehr und dem zusätzlichen Parkplatzbedarf durch Gastronomiegäste es in den schmalen Gassen im historischen Massenheimer Ortskern immer
öfter zu riskanten Engpässen kommt.

»Bus und Feuerwehr haben mehrfach erfahren müssen, dass kein Durchkommen mehr war«, sagte Klaus Arabin (SPD). Problematisch sei, dass die Anschlüsse des alten Ortskerns über reine Wohnstraßen führten wie die Breite Straße über die Kindergärten und Kleinkindereinrichtungen erreicht werden. Verschärft werde die Lage zusätzlich dadurch, dass große Lkw »mit steigender Tendenz« durch den alten Ortskern fahren. Die Anbindung Massenheims an die Homburger Straße erfolge über die Breite Straße, die Hainstraße und den Weißen Stein. Ebenfalls unbefriedigend sei die Verkehrslage an der Kreuzung Am Stock und der Nordumgehung. Große Lastwagen hätten nicht genügend Platz, um auf die Nordumgehung einzubiegen ohne Banketten zu zerstören. Kritik übten die Ortsbeiratsmitglieder, die den Antrag einstimmig verabschiedeten, an den »nicht optimal abgestimmten« Ampelphasen an der B 3. Sie fordern neben dem zügigen Abfließen des Durchgangsverkehrs in alle Richtungen, in der Planung die zukünftige Entwicklung durch die Ansiedlungen von Segmüller und das Kombibad im Verkehrskonzept zu berücksichtigen. »Massenheim wurde immer größer, die Verkehrsinfrastruktur ist seit 20 Jahren unverändert«, sagte Arabin. »Dieses Thema wurde bereits zu Zeiten von Dr. Hartmut Groß erschöpfend behandelt«, antwortete Erster Stadtrat Jörg Frank.

Demgegenüber plädierte Ralf Wächter (CDU) für eine Entzerrung des Verkehrs im alten Ortskern. »Kreative Lösungen sind gefragt, Experten werden benötigt. Mit Bordmitteln kann die fließende und ruhende Verkehrssituation in Massenheim nicht gelöst werden«, waren sich alle einig.

Die CDU-Fraktion lädt alle Bürger ein zu hören, welche Vorschläge Verkehrsplaner Rüdiger Storost für Massenheim hat. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 12. April, ab elf Uhr statt. Der Ort wird noch bekannt gegeben, informierte Ortsbeiratsmitglied Jochen Schulz.

»Kreisel zu eng dimensioniert«

Landwirt Rudolf Laupus unterbreitete den Ortsbeiratsmitgliedern seinerseits Lösungsvorschläge. Der kürzeste Weg vom Laupushof nach Frankfurt führt über einen Feldweg. Der liegt aber auf Harheimer Gebiet und ist nur teilweise asphaltiert. Der Harheimer Ortslandwirt Axel Schmidt will nicht, dass die Kartoffellaster über diesen Weg fahren und ihn kaputt machen. Frankfurt habe kein Geld für die Reparatur seiner Straßen. Laupus wünscht sich, dass der Erste Stadtrat eine Lösung auf politischer Ebene herbeiführt. Laupus kritisierte Storost. Dieser habe die drei neuen Kreisel auf der Homburger Straße viel zu schmal dimensioniert. »Da kommen nur Pkw und Busse durch, denen 2,80 Meter Durchfahrtsbreite reichen. Wir Bauern und große Lkw benötigen eine Breite von 3,50 Metern. Im Gegensatz zur Fahrbahn sind Rad- und Fußgängerwege an den Kreiseln breit dimensioniert.«

In Massenheim könnte die neue Zufahrt ins Baugebiet »Ziegelhof« verlängert werden als Zufahrt zum Kombibad, schlägt Laupus vor. »Würde man die Straße entlang der B 3 weiterbauen bis zur Erlenbachbrücke »Im Mühlengrund«, dann könnte über diese Straße der gesamte Verkehr aus dem westlichen Teil von Massenheim abfließen.« Dadurch würde der Ortskern spürbar entlastet. Zurzeit werde die Strecke durch die Straße ›Im Mühlengrund» über die Erlenbach- und die Brücke über die B 3 zum Berufsförderungswerk vom Vilbus genutzt.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/bad-vilbel/art550,100654

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