06. März 2015, 19:53 Uhr

Letzte Ruhe wird teurer

Bad Vilbel (pm/ach). Die Friedhofsgebühren decken bei Weitem nicht die Ausgaben. Deshalb verlange der Landrat als Rechtsaufsicht eine Anhebung, teilt Erster Stadtrat Jörg Frank mit. Den Einnahmen von rund 350 000 Euro stünden Ausgaben von 690 000 Euro gegenüber, was einer Kostendeckung von lediglich 51 Prozent entspreche.
06. März 2015, 19:53 Uhr
Höhere Kosten kommen auf die Bürger zu, denn die Friedhofsgebühren werden angehoben – auch für die Bestattungen auf dem Friedhof in der Lohstraße. (Foto: Antje Christ. Grunenberg-Heuer)

Ein Grund für das Defizit seien auch die sich wandelnden Bestattungsformen, meint Frank. Vor 20 Jahren hätten die konventionellen Erdbestattungen etwa 80 Prozent und die Feuerbestattungen etwa 20 Prozent ausgemacht. Heute sei es fast umgekehrt.

»Wir passen uns den Wünschen und Bedürfnissen der Hinterbliebenen an. Viele Angehörige wohnen weiter weg, das erschwert die Grabpflege«, erläutert Frank. Die geringeren Kosten und ein geminderter Arbeitsaufwand seien für viele Bürger daher Argumente für eine Feuerbestattung. Allerdings sinken dadurch auch die Einnahmen für die nahezu gleichbleibende Unterhaltung der Friedhöfe.

Jährlich 330 Beerdigungen

Die Anzahl der Beerdigungen sei mit etwa 330 Beisetzungen pro Jahr fast gleich geblieben, sagt Dieter Haas, Leiter des Standesamtes. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Urnengrabfelder und Urnenwände, sogenannte Kolumbarien, auf den Friedhöfen fertiggestellt worden. »Trauernde können sich für ein Urnenreihengrab, ein anonymes Urnengrab oder ein Einzelurnengrab entscheiden. Auch Mehrfachurnengräber oder Gemeinschaftsurnengräber sind möglich«, schildert Haas.

Stadtrat Frank hat gemeinsam mit der Fachabteilung eine umfangreiche Berechnung aller den Friedhofsbereich umfassenden Kosten vorgenommen, die nun den Ortsbeiräten und der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung und Abstimmung vorliegt.

Der Heilsberger Ortsbeirat sprach sich am Donnerstagabend einstimmig für die geänderte Friedhofssatzung aus, auch wenn unisono gesagt wurde, dass man sich der Erhöhung aufgrund der Vorgaben des Landes nicht entziehen könne und deswegen quasi zur Zustimmung gezwungen werde.

Während die Kommunalaufsicht den Kommunen einen Kostendeckungsgrad mit der »höchstmöglichen Ausschöpfung dieser Ertragsquelle« ans Herz gelegt habe, orientiere sich Bad Vilbel »gezwungenermaßen an den Höchstsätzen der umliegenden Kommunen«, meint Frank. Jedoch verbleibe eine deutlich geringere Deckungslücke, für die immer noch allgemeine Steuermittel herangezogen werden müssten. »Aber wir müssen über die Gebührenerhöhung hinaus weiterhin die Kostenseite optimieren, schon allein um die Bürger finanziell nicht noch stärker zu belasten«, erläutert der Erste Stadtrat.

Mit der neuen Gebührenordnung könnte der Kostendeckungsgrad der vier städtischen Friedhöfe in Dortelweil, Massenheim, Gronau und Kernstadt von 51 auf 59 Prozent steigen. In den darauffolgenden drei Jahren werde jeweils zum 1. Januar eine Anpassung um jeweils drei Prozent kommen.

Unterstützung für die neue Friedhofssatzung erhält der Magistrat von der CDU-Fraktion im Stadtparlament. Sie sei »klar strukturiert, nachvollziehbar und transparent«, sagt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Karl Peter Schäfer.

Besonders die Orientierung an den Nutzungsrechten einer Grabstelle sei das innovative Element. Ausgangspreis für sämtliche Berechnungen sei das Reihenerdgrab für Sarg- oder Urnenbestattung. Der Aufschlag begründe sich in den zusätzlichen Eigenschaften eines Wahlgrabes. Der Aufschlag zum Doppelgrab, Tiefgrab sowie Doppeltiefgrab erkläre sich durch den doppelten Nutzen dieser Grabarten. Der Abschlag für das Reihenerdgrab für Urnen begründe sich durch den geringeren Flächenverbrauch, erläutert Schäfer.

Der Anteil für jede weitere Urne berechne sich aus der Tatsache, dass bisher vier Urnen in einem Einzelgrab sein konnten, was einerseits einer unangemessenen Subvention entsprochen habe und andererseits selten ausgeschöpft worden sei. Jede weitere Urne koste nun ein Drittel des Preises und sei auch für die Bestattung von Urnen in bestehenden Sargerdgräbern anwendbar.

Der Magistrat habe einen guten Satzungsentwurf erarbeitet, der sich an den Vorgaben des Landrates orientiere und zugleich die Gebührenordnung auf das Wesentliche komprimiere. »Wir müssen trotz der Gebühren-
erhöhung weiterhin daran arbeiten, die Kostenseite zu optimieren. Im Laufe des Jahres erwarten wir deshalb von der Verwaltung entsprechende Sparvorschläge, um die Bürger vor weiteren Belastungen möglichst zu verschonen«, betont Schäfer.

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