18. Februar 2015, 18:33 Uhr

AWO-Schuldnerberatung kooperiert mit Adjulex

Bad Vilbel (ach). Vorsitzender Rainer Fich und die Schuldnerberater der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Bad Vilbel und Karben atmen auf. Der AWO-Vorstand hat beschlossen, künftig mit der Adjulex-Schuldnerberatung in Frankfurt zu kooperieren.
18. Februar 2015, 18:33 Uhr
AWO-Vorsitzender Rainer Fich ist froh über den neuen Kooperationspartner der Schuldnerberatung. (Foto: Antje Christ. Grunenberg-Heuer)

Für die AWO-Haushalts- und Schuldnerberatung war es eine erschütternde Meldung gewesen, als man erfuhr, dass der bisherige Partner, der Frankfurter Verein »SOS Alltag«, im vergangenen Jahr selbst hatte Insolvenz anmelden müssen, da die Geschäftsführung Gelder veruntreut hatte. An diesen Verein hatte man einige der überschuldeten Klienten aus der südlichen Wetterau weitergeleitet. Seitdem war man auf der Suche nach einem Kooperationspartner. Hinzu kam, dass der Wetteraukreis, der für die kostenlose Schuldnerberatung von Sozialhilfe- und Hartz-IV-Empfängern zuständig ist, die Verträge mit der Caritas und der Diakonie gekündigt hatte. Diese Aufgabe soll fortan der Friedberger Verein Frauen,
Arbeit, Bildung (FAB) übernehmen, der
allerdings bislang wenig Erfahrung hat mit der Beratung verschuldeter Haushalte.

»Zehn Prozent aller Hessen sind verschuldet«, sagt Fich, er ist von Beruf Gerichtsvollzieher. Die AWO-Schuldnerberatung bietet Überschuldeten in Bad Vilbel und Karben in offenen Sprechstunden Beratungsgespräche an und möchte damit verhindern, dass für diese Hilfesuchenden die Schuldenfalle endgültig zuschnappt. In vertraulichen Gesprächen wird die jeweils individuelle Situation der Betroffenen analysiert, und es werden Empfehlungen zur Lösung des jeweiligen Problems gegeben.

Insolvenz soll vermieden werden

Menschen, die mit mehreren Tausend Euro verschuldet sind, aber über ein regelmäßiges Einkommen verfügen, werden von der AWO künftig an den neuen Partner Adjulex Schuldnerberatung mit Sitz in der Moselstraße 27 in Frankfurt weitergeleitet. Fich betont, Adjulex-Experte Matthias Klusmann habe in einer Sitzung mit der AWO Bad Vilbel darauf hingewiesen, dass seine Schuldnerberatung in erster Linie versuche, private Insolvenzen abzuwenden. Konzept sei es, daraufhin zu verhandeln, dass für die Betrofffenen die Verschuldung auf ein erträgliches Maß gesenkt werden kann und darüber hinaus zu erreichen, das die Gläubiger einen Teil ihres Geldes bekommen. Dies sei auch der Wunsch des Gesetzgebers, sagt Fich.

»Im Durchschnitt konnten wir in den letzten Jahren bei rund 80 Prozent aller Mandanten das Schuldenproblem außergerichtlich oder per gerichtlichem Schuldenbereinigungsverfahren lösen. Dabei erreichen wir im Schnitt ein Wegverhandeln von 65 bis 75 Prozent aller Schulden«, heißt es seitens der Adjulex. Der verbleibende Rest werde in 72 kleinen, bezahlbaren monatlichen Raten unter Verzicht auf weitere Zinsen und Kosten zurückgezahlt.

Hinter der Adjulex stehen neben dem Experten Klusmann, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes Selbstständiger Schuldnerberater ist, zwei hausinterne Fachanwälte für Insolvenzrecht und eine weitere spezialisierte Justiziarin. Man kooperiert auch mit verschiedenen Verbänden wie der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Im Jahr 2014 seien für die Mandanten fast 2,5 Millionen Euro »wegverhandelt« worden, teilt Fich über die Adjulex mit.

Partner für Geringverdiener gesucht

Die Experten bieten den Hilfesuchenden grundsätzlich ein kostenloses, unverbindliches, telefonisches Erstgespräch an. Sollte dann Interesse an weiterer professioneller Hilfe bestehen, werde kurzfristig ein persönlicher Gesprächstermin anberaumt, um die Situation individuell zu besprechen. Dabei werde auch eine Infomappe mitgegeben. Die Kosten betragen 25 Euro.

Weil die professionelle Schuldnerberatung durch Adjulex aus finanziellen Gründen nur für die Bezieher von regelmäßigen Einkommen in Frage kommt – für die Betreuung
fallen Kosten an –, sucht die AWO nun noch nach einem weiteren Partner für jene mit
geringem Einkommen. Um die verschuldeten Hartz-IV-Empfänger kümmert sich der
Verein FAB.

Mit diesem will sich die AWO im März zusammensetzten. Dann soll auch darüber gesprochen werden, ob der FAB verschuldete die Geringverdiener mitbetreuen werde. In Frage kämen theoretisch auch Diakonie oder Caritas, sagt Fich. »Da müssen noch Gespräche geführt werden.«

Wer mit der AWO-Schuldnerberatung Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter Telefon 01 76/51 00-79 04 oder per
E-Mail unter info@schuldnerberatung-badvil
bel.de tun.

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