01. Februar 2015, 16:53 Uhr

Neues Wohngebiet Dieselstraße: Disput um Lärmschutz

Bad Nauheim (bk). Meist herrscht im Stadtparlament breiter Konsens, wenn es um die Aufstellung neuer Bebauungspläne für Wohngebiete geht. Das gilt nicht für die geplante Umwandlung des Dieselstraßen-Gewerbegebiets in ein Areal mit mehrgeschossigem Wohnungsbau.
01. Februar 2015, 16:53 Uhr
Auch die Spedition Kahlert möchte umziehen, um für Wohnbebauung in der Dieselstraße Platz zu machen. (Archivfoto: nic)

SPD und 3 B votierten am Donnerstagabend gegen eine entsprechende Beschlussvorlage des Magistrats, da sie den Lärmschutz für nicht ausreichend halten. Die restlichen Fraktionen segneten das Projekt ab.

Wie mehrfach berichtet, haben sich mehrere Unternehmen, die in der Dieselstraße angesiedelt sind, entschlossen, innerhalb von Bad Nauheim einen neuen Standort zu errichten. Die Firmen, darunter auch die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) als Eigentümerin des Vergölst- und Inconso-Geländes wollen abreißen und anschließend Wohngebäude mit maximal vier Etagen (plus Dachgeschoss) hochziehen lassen. Die Quadratmeter-Mietpreise sollen um die 7 Euro liegen und damit auch von Bürgern mit geringem oder mittlerem Einkommen bezahlbar sein.

Dagegen haben auch SPD und 3 B im Prinzip nichts einzuwenden, sie befürchten allerdings eine enorme Lärmbelastung für die künftigen Anwohner. Wie Johannes Krautwurst (SPD) erläuterte, sei das vorliegende Lärmgutachten nicht nachvollziehbar.

»Grenzwerte überschritten«

Die Experten waren zur Ansicht gekommen, dass passiver Lärmschutz (etwa durch Spezialfenster) ausreiche, um die von der Main-Weser-Bahnlinie ausgehende Emission erträglich zu gestalten. Daran glaubt die SPD nicht, zumal der TÜV Hessen in seinem Lärmgutachten für das wenige hundert Meter entfernt liegende Salinen-Gelände zu einem anderen Ergebnis gekommen sei. Dort sei tagsüber eine Lärmbelastung von 73,3 Dezibel (Grenzwert 60) gemessen worden. Nachts herrschten gar 76,8 Dezibel (Grenzwert: 50). »Das ist eine deftige Überschreitung«, betonte Krautwurst. Eine Bebauung sei nur möglich, weil das alte Salinengebäude als effektiver Riegel für die dahinterliegenden Häuser diene. Das gelte allerdings nur bis zum ersten Stock. Für die Etagen darüber müssten besondere Maßnahmen ergriffen werden. Der südliche Geländeteil ist laut Krautwurst überhaupt nicht für Wohnbebauung geeignet.

Ein solcher Lärmschutz-Riegel entstehe durch die geplanten Wohnbebauung auf der westlichen Seite der Dieselstraße (an der Straße Am Goldstein und der Bahnlinie) nicht. Deshalb beantragte die SPD, auf dieser Seite neue Bürogebäude zu planen und eine Wohnbebauung nur für die gegenüberliegende östliche Straßenseite vorzusehen. Ansonsten entstehe in Sachen Lärmschutz eine Ungleichbehandlung von Geringverdienern in der Dieselstraße und Gutbetuchten auf dem Salinen-Gelände.

Gegen diese Behauptung verwahrte sich Bürgermeister Armin Häuser. Der Lärmschutz werde auf beiden Straßenseite gewährleistet – sowohl durch die Bauweise auf der Westseite als auch durch Lärmschutzfenster. Privatinvestoren wollten Wohnraum mit günstigen Mieten schaffen, seien natürlich selbst an einem ausreichenden Lärmschutz interessiert, um Interessenten finden zu können. »Wir schaffen vernünftiges Wohnen zu vernünftigen Preisen. Die SPD redet dieses Projekt schlecht«, kritisierte der Bürgermeister.

3 B-Fraktionschef Jürgen Burdak bemängelte zunächst, dass das Lärmgutachten dem Bauausschuss bei seiner Beratung nicht vorgelegen habe. Die Stadtverordneten müssten sich auf die Aussagen der Verwaltung verlassen. Auch er zog den Vergleich zwischen den beiden Gutachten für das Salinen-Gelände und die Dieselstraße. »Durch geschickte Planung könnte man einen Lärmschutz-Riegel auf der Westseite der Dieselstraße schaffen. Eine solche Planung ist aber nicht vorgesehen«, bemängelte Burdak.

Niemand fordere eine Lärmschutzwand an der Dieselstraße, der jetzt vorgelegte Entwurf beinhalte aber »breite Schneisen« zwischen den Gebäuden an der Straße Am Goldstein, durch die sich der Lärm ungebremst verbreiten könne.

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