06. Oktober 2014, 18:08 Uhr

Harvey-Übernahme: Kerckhoff-Klinik mit fünftem Standbein

Bad Nauheim (bk). Seit 2007 residiert die William-Harvey-Klinik auf dem Kerckhoff-Campus an der Benekestraße, jetzt gehört das auf Gefäßkrankheiten spezialisierte Krankenhaus auch zur Kerckhoff-Klinik GmbH. Nach monatelangen Verhandlungen der Chefetagen des Klinik-Konzerns Helios (bisheriger Betreiber der Harvey-Klinik) und der Kerckhoff-Klinik wurde die Übernahme termingerecht zum 1. Oktober vollzogen.
06. Oktober 2014, 18:08 Uhr
Aus der Helios-William-Harvey-Klinik ist jetzt das Harvey-Gefäßzentrum der Kerckhoff-Klinik geworden. (Foto: Nicole Merz)

»Neben Herz, Lunge, Rheuma und Reha wird die Gefäßchirurgie unser fünftes Standbein. Einige Arbeitsgruppen wurden gebildet, um die Integration schnell voranzutreiben«, sagte der kaufmännische Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik GmbH, Ulrich Jung, im Gespräch mit der WZ. Neuer Chefarzt des gefäßchirurgischen Leistungsbereichs, der künftig unter dem Namen »Harvey-Gefäßzentrum« arbeitet, wird der Gefäßchirurg Dr. Simon Classen.

Helios hatte sich zum Verkauf des deutschlandweit größten Gefäßkrankenhauses entschlossen, weil die Entwicklungmöglichkeiten der Klinik am Standort Bad Nauheim nicht optimal seien. Das hatte der Geschäftsführer des Konzerns, Dr. Francesco de Meo erklärt. Als Gründe nannte er einen beschränkten Versorgungsauftrag und die Tatsache, in einem Gebäude arbeiten zu müssen, das angemietet war. Außerdem hätten beide Häuser in der Vergangenheit bereits eng kooperiert, weil sich die Fachgebiete ergänzten. Kerckhoff-Chef Jung hofft denn auch auf Synergieeffekte. Das gelte nicht zuletzt für die Verwaltungen beider Häuser, die zusammengelegt werden. Auf medizinischem Gebiet könne die Kerckhoff-Klinik künftig flexibler planen, etwa bei der Belegung der OP-Säle.

Neuer Chefarzt kehrt zurück

Laut Jung werden die rund 140 Mitarbeiter der Harvey-Klinik zu den gleichen Konditionen weiterbeschäftigt. Ausnahmen bilden die bisherigen Chefs des Gefäßkrankenhauses. Bis 1. Oktober war Dr. Thomas Umscheid ärztlicher Direktor. Er hat sich nach Angaben von Jung entschlossen, eine andere Aufgabe bei Helios zu übernehmen. Auch der bisherige kaufmännische Geschäfsführer Lothar Nicolai ist ausgeschieden.

Chefarzt des neuen Leistungsbereichs wird Dr. Simon Classen, der zuvor die gefäßchirurgische Abteilung am städtischen Klinikum Hanau leitete. »Wir können uns auf die hohe Qualität des Zentrums verlassen, werden dabei aber das Leistungsspektrum erweitern und auf eine breitere Basis stellen.« Wie der 54-jährige Gefäßchirurg zu seinen Motiven für den Wechsel nach Bad Nauheim sagte, reize ihn trotz der Erfolge an alter Wirkungsstätte vor allem die neue Herausforderung im Umfeld eines interdisziplinären Campus. »Die enge Verbindung der gefäßorientierten Fachdisziplinen und das wissenschaftliche Umfeld in Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen stellen ein innovatives Umfeld dar, von dem vor allem die Versorgung der Patienten profitiert. « Für ihn schließt sich ein Kreis in seiner beruflichen Laufbahn, denn er hatte einst seine Ausbildung an der Kerckhoff-Klinik begonnen. »Ein klein wenig ist es für mich, wie nach Hause zu kommen«, meinte Classen.

Nach Aussage von Jung wächst die Zahl der Patientenbetten in den akutmedizinischen Abteilungen der Kerckhoff-Klinik durch die Übernahme auf rund 430. Hinzu komme die Rehaklinik in der Ludwigstraße, die von Kerckhoff 2010 von der ehemaligen Pitzer-Gruppe übernommen worden war. Viel investiert hatte die GmbH zudem in das 2013 fertiggestellte neue Transplantationszentrum.

»Auf dem Gesundheitssektor werden sich immer mehr große Zentren bilden. Hintergrund ist nicht zuletzt Fachkräftemangel, der sich in der Zukunft verschärfen wird. Auch das ist ein Grund für den Erwerb der Harvey-Klinik«, erläuterte der Kerckhoff-Geschäftsführer.

Der ärztliche Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik, Prof. Hossein Ardeschir Ghofrani, sagte: »Alle Fachabteilungen ergänzen sich in hervorragender Weise und tragen dazu bei, die interdisziplinäre Versorgung unserer Patienten weiter auszubauen.« Der Zusammenschluss sei innerhalb von knapp sechs Wochen realisiert worden, was für das große Potenzial des Kerckhoff-Campus spreche.



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