Bad Nauheim

Ria Steinhauer verstorben: Rosenfest trägt ihre Handschrift

Bad Nauheim-Steinfurth (bk). Viele ernten freundlichen Beifall, für eine gibt es Ovationen: Dieses Schauspiel war bei jeder Rosenfest-Eröffnung der letzten Jahre zu erleben, wenn der Name Ria Steinhauer fiel. Die »Mutter« der Rosenschau und des Rosenmuseums genoss in Steinfurth ganz besonderes Ansehen. Auf ihren reichen Erfahrungsschatz können Familie, Freunde und Bekannte künftig nicht mehr zurückgreifen – Ria Steinhauer ist am Samstag im Alter von 75 Jahren verstorben.
01. September 2014, 19:48 Uhr
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Die Liebe zur Rose hat sie ihr Leben lang begleitet: Ria Steinhauer.

Eingemeindung hin oder her, alteingesessene Steinfurther wie Ria Steinhauer waren auch nach dem Zusammenschluss mit Bad Nauheim stets auf die Eigenständigkeit des Rosendorfs bedacht. Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Rosenanbau, Ria Steinhauer war eine herausragende Vertreterin dieser Zunft. »Sie kam mit dem Okuliermesser in der Hand zur Welt«, sagen die Steinfurther – eine größere Auszeichnung kann es kaum geben. Sie wuchs in einer Züchterfamilie auf und heiratete 1957 Helmut Steinhauer, den 1998 verstorbenen langjährigen Geschäftsführer der Steinfurther Rosen-Union. Ihre Liebe zur »Königin der Blumen« übertrugen beide auf ihre drei Kinder und fünf Enkel, die ihre berufliche Karriere teilweise ebenfalls mit der Rose verknüpft haben.

Ebenfalls kennzeichnend für Steinfurth ist das rege Vereinsleben, gepaart mit einer lebendigen Dorfgemeinschaft. Auch auf diesem Gebiet hatte Ria Steinhauer eine Vorbildfunktion. Neben ihrer Arbeit im Betrieb der Schwiegereltern und dem Einsatz in Vereinen übernahm sie 1968 die Verantwortung für die Rosenschau und gab 1974 den Anstoß für die Gründung des Rosenmuseums. Über Jahrzehnte führte sie Regie bei der Planung des Rosenfestes. Unter ihrer Regie – von der Auswahl der Rosenkönigin bis zur Moderation beim Korso – entwickelte sich die Veranstaltung zu einem der beliebtesten Volksfeste in Hessen. Immer wieder gelang es ihr, Vereine, Betriebe und viele andere Helfer zu dem Rosenfest-Kraftakt zu motivieren.

Markenzeichen Nummer drei der Steinfurther ist sicherlich ihr Selbstbehauptungswille gegenüber der »Zentrale« in der Kernstadt. In den Jahrzehnten ihres kommunalpolitischen Engagements in den Reihen der UWG machte Ria Steinhauer keinen Hehl daraus, auch und nicht zuletzt im Interesse ihres Dorfes zu handeln. 1977, einige Jahre nach der Eingemeindung, zog sie als ehrenamtliche Stadträtin in den Bad Nauheimer Magistrat ein, dem sie bis 2006 angehörte. Der verbindliche Tonfall, den Gesprächspartner von Ria Steinhauer gewohnt waren, konnte im Politikgeschäft durchaus eine gewisse Schärfe erhalten. Mit Harmonie allein, so erkannte sie während der Jahrzehnte in der Kommunalpolitik, sind gewisse Ziele nicht zu erreichen.

Angesichts eines solch erfüllten Lebens blieben Auszeichnungen nicht aus. Als Krönung ihres Schaffens hätte Ria Steinhauer gerne die Rosenschau bei der Landesgartenschau 2010 ausgerichtet. Auch ihren Kontakten war es zu verdanken, dass diese Großveranstaltung in der Kurstadt ausgerichtet wurde. Zur Kooperation mit den Organisatoren ist es dann nicht gekommen – schade, wie sie später meinte. Das Lebenswerk der »Ur-Steinfurtherin« wird gleichwohl nicht in Vergessenheit geraten. (Foto: WZ-Archiv)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/bad-nauheim/art549,94529

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