28. März 2014, 14:03 Uhr

200 Bad Nauheimer protestieren vorm Stadtparlament

Bad Nauheim (chh). Bürgermeister Armin Häuser liefert sich ein hitziges Wortgefecht mit einem Senior. Der Mann ist wütend, mit hochrotem Kopf wirft er dem Rathauschef einen Vorwurf nach dem anderen an den Kopf.
28. März 2014, 14:03 Uhr
Wütender Protest vor der Trinkkuranlage. (Foto: Christoph Hoffmann)

Jedes Mal, wenn Häuser etwas sagen will, ertönt ein gellendes Pfeifkonzert. »Lügenbande, Lügenbande«, skandieren 200 wütende Bad Nauheimer am Donnerstagabend. Nach einigen Minuten gibt Häuser auf. Es hat ja keinen Sinn.

30 Minuten zuvor: Auf dem Parkplatz an der Commerzbank haben sich rund 150 Gegner der 64-prozentigen Grundsteuer-B-Erhöhung versammelt. Initiator Prof. Walter Simon hat zu einem Protestmarsch zur Trinkkuranlage aufgerufen, wo an diesem Abend das Stadtparlament tagt. Sein Mitstreiter Michael J. Müller, der viele der Gegner juristisch unterstützt, erklärt das Vorhaben: »Wir wollen eine Resolution an den Stadtverordnetenvorsteher übergeben. Außerdem erhoffen wir uns Rederecht.«

Die Resolution hat es in sich, Simon greift zum Megafon: »Die Bürgerinitiative gegen die Erhöhung der Grundsteuer B fordert von der Stadtverordnetenversammlung: Beschließen Sie endlich, die Personalkosten der Stadt nachhaltig zu senken, die hoch dotierte Stelle des hauptamtlichen Stadtrats ersatzlos zu streichen und Frau Nell-Düvel eine ihrer Qualifikation entsprechende Tätigkeit anzubieten. « Nach der Forderung eines kostendeckenden Betriebs des Eisstadions, des Usa-Wellenbads, der Therme, des Stadtbusses, der Musikschule und des Tourismusbüros bekommt Häuser sein Fett weg: »Weisen Sie den schnodderigen, hochnäsigen und herablassend dozierenden Bürgermeister an, sich zu vergegenwärtigen, dass wir Bürger sein Gehalt bezahlen. Er solle sich an seinem Wahlmotto ›Miteinander, füreinander» erinnern und sich daran orientieren. Das Maß ist voll.«

Nachdem der Jubel abflacht, setzten sich die Protestler in Bewegung. Durch den Rosengarten marschieren sie auf die Trinkkuranlage zu. Vereinzelt werden Sprüche wie »Nell-Düvel ist das Übel« oder »Häuser muss weg« skandiert, doch insgesamt halten sich die Parolen in Grenzen. Man merkt der bürgerlichen Menge an: Protestmärsche gehören nicht zu ihrem Alltag.

Vor dem Eingang der Trinkkuranlage angekommen, bilden die Demonstranten – inzwischen ist die Menge auf gut 200 Menschen angewachsen – einen freien Durchgang. »Jetzt stehen wir den Politikern auch noch Spalier«, feixt einer der Männer. Ihre Zurückhaltung legen sie ab, als CDU-Vorsitzender Oliver von Massow sich einen Weg durch die Menge bahnt. Die Trillerpfeifen sind so laut, dass sich viele der Protestler die Ohren zuhalten. Wie von Massow ergeht es auch anderen Politkern, doch die meisten Stadtverordneten haben sich in weiser Voraussicht frühzeitig ins Innere begeben.

Als erster Politiker stellt sich Grünen-Chef Martin Düvel der Menge. Er will auf die gute Infrastruktur der Stadt verweisen, weit kommt er aber nicht. Auch Häuser und Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel treten vor die Demonstranten und versuchen zu argumentieren. Häuser betont, dass man ganz bestimmt nicht gerne die Steuern erhöhe, es aber keine andere Möglichkeit gebe. Nell-Düvel hält den Kritikern vor, dass sich nicht einer von ihnen am Bürgerhaushalt beteiligt habe. »Sollen wir jetzt auch noch Ihren Job machen«, brüllt es ihr entgegen.

Die Politiker geben es auf, ziehen sich zurück, doch Protestführer Simon fordert die Menge auf, sich ebenfalls in den Sitzungssaal zu begeben. Etwas zögerlich schreiten sie durch den kurzen Flur und versammeln sich vor den Politikern, schwenken nochmals ihre Fahnen. Markus Theis von der UWG macht den Vorschlag, die Sitzung zu unterbrechen, damit die Protestler zu Wort kommen können. Doch das Plenum lehnt ab.

Und so zieht die Menge wieder ab. Doch die nächste Aktion lässt bestimmt nicht lange auf sich warten. Die Truppe scheint Gefallen am Protest gefunden zu haben.

Grundsteuer B: Die Protestbewegung wächst

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