30. Dezember 2013, 17:28 Uhr

Parkgebühren: Bitterer Beigeschmack ist geblieben

Bad Nauheim (cor). Im Gegensatz zu früheren Jahren waren 2013 an allen Adventssamstagen Gebühren fürs Parken in Bad Nauheim fällig, in der Nachbarstadt Friedberg hingegen blieb das Parken für den Weihnachtseinkauf kostenfrei. Auch wenige Tage nach dem Weihnachtsgeschäft zeigen sich die Einzelhändler und Kunden immer noch enttäuscht von der städtischen Regelung, die von Erster Stadträtin Brigitta Nell-Düvel verteidigt wird.
30. Dezember 2013, 17:28 Uhr
Voll besetzte Stellplatz-Reihe in der Parkstraße zur Adventszeit: Für die Stadt ein Indiz dafür, dass die Geschäfte trotz Parkgebühren gut besucht worden sind. (Fotos: cor)

»Verrückt«, sagt eine Kundin in Bezug auf die Parkgebühren, die nach Jahren an den Adventssamstagen in der Bad Nauheimer Innenstadt diesmal wieder fällig waren. »So eine Regelung vertreibt doch die Kundschaft.« Kunden zahlten in der teuersten Parkzone, zu der auch die Parkstraße zählt, 70 Cent pro halbe Stunde.

»Ein falsches Signal in Sachen Wirtschaftsförderung«, hatte Natascha Schmidt, Vorsitzende des Vereins Erlebnis Bad Nauheim , bereits zum Auftakt der Adventszeit bekräftigt (die WZ berichtete). »Mit der Entscheidung wurde dem Bad Nauheimer Einzelhandel der letzte Bonus genommen«, erklärt auch Marc Spahr (Schuhfachgeschäft Spahr, Parkstraße). Die Veranstaltung »Bad Nauheim leuchtet« habe dem Einzelhandel einen guten Auftakt fürs Weihnachtsgeschäft beschert. Von den folgenden Adventssamstagen sei nicht jeder lukrativ für den Einzelhandel gewesen, die Erwartungen hätten sich nicht erfüllt.

»Umsätze deutlich niedriger«

»Nicht mal der kostenlose Stadtbus ist geblieben«, fügt Gerda Hammel in ihrem »Strumpfkästchen« in der Karlstraße hinzu. »Die Kunden haben gejammert, gesagt, dass sie woanders hinfahren.« Gelitten habe der Einzelhandel, die ohnehin mit der Konkurrenz der Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu kämpfen hätten, die das ganze Jahr über kostenfreie Parkplätze anbieten können. Gerda Hammel hofft nach einem ruhigen Weihnachtsgeschäft nun darauf, dass der Winter und die Kunden noch kommen. Ihr derzeitiges Sortiment ist auf die kalte Jahreszeit ausgerichtet.

Henry Christopher Alt (Strese 4 by Henry’s) hatte, so wie andere Einzelhändler der Kurstadt, erst durch die WZ Ende November von der Änderung der Parkgebühren-Regelung in der Adventszeit erfahren. »Zu wenig Zeit, um zu reagieren«, sagt Alt. »Bad Nauheim leuchtet« sei ein super Erfolg gewesen. »Es gab viele positive Reaktionen«. An den Adventssamstagen sei es ruhig gewesen. Die Entscheidung der Stadt sei in den Geschäften deutlich spürbar gewesen. »Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Umsätze in weiter Ferne. « Kunden und Einzelhändler hätten die Vorweihnachtszeit nicht genießen können. »Keine Ruhe beim Stöbern, die Kunden kamen aus Angst vor einem Knöllchen nur auf einen Sprung ins Geschäft.« Darunter habe letztlich die ganze vorweihnachtliche Atmosphäre gelitten.

Beschwerden hat Alt viele gehört, auch von den überregionalen Kunden. »In Bad Homburg ist sogar das Parken in den Parkhäusern kostenfrei, und Friedberg hat’s auch.« Die Bad Nauheimer Einzelhändler müssten sich die Frage stellen, wie lange die Kunden noch kommen. Parkgebühren würden täglich von 9 bis 19 Uhr fällig.

Verärgert äußerten sich Kunden über die Ordnungshüter, die auch an den Adventsonntagen, teils mit mehreren Mitarbeitern, die Parkscheine kontrollierten. Gelitten hätten darunter Café-Gäste und Besucher der Bergweihnacht. Sie hätten ihr Auto vorsorglich in der Innenstadt abgestellt, seien zum Johannisberg gegangen oder hätten den Pendelbus genommen. Für manchen sei der längere Aufenthalt in der Innenstadt oder auf dem Weihnachtsmarkt nicht ohne Folgen geblieben – in Form eines »Knöllchens«.

»Die Situation war für alle Beteiligten schwierig, für den Gastronomie-Bereich und den Einzelhandel«, sagt Natascha Schmidt. Der Verein Erlebnis habe die Entscheidung der Stadt bedauert. »Das ist kein Zeichen für ein Pro-Innenstadt, hier wurde an der falschen Stelle gespart.« Viele Kunden hätten sich schon vorher entschieden, in andere Städte auszuweichen. Wünschenswert wäre, wenn die Stadt wieder zu ihrer alten Regelung zurückkehren würde. Es sei allerdings fraglich, ob der Magistrat wieder »zurückrudere«.

»Parkplätze voll ausgelastet«

»An den Adventswochenenden waren viele Besucher in der Stadt unterwegs«, meint Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel. Bereits »Bad Nauheim leuchtet« habe der Innenstadt zahlreiche Gäste beschert. Bergweihnacht und Christkindlmarkt hätten an den weiteren Adventssamstagen für zusätzliche Besucher gesorgt. »Alle Parkplätze waren voll ausgelastet«, sagt die fürs Ordnungsamt zuständige Dezernentin. Mancher Autofahrer habe keinen freien Stellplatz mehr gefunden.

Die Änderungen bei Parkgebühren und beim Stadtbus an Adventssamstagen seien bereits 2012 für den Haushalt 2013 beschlossen worden, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Neben Beschwerden habe es positive Resonanzen gegeben. Der Stadt sei es wichtig, den Einzelhandel zu unterstützen. Veranstaltungen, wie »Bad Nauheim leuchtet«, die vor allem dem Handel zugute kommen, würden daher von der Stadt zur Hälfte finanziert. Diese Förderung des Einzelhandels soll laut Nell-Düvel erhalten bleiben.

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