15. November 2013, 16:48 Uhr

Kläranlage als Jahrtausend-Bauwerk

Bad Nauheim-Steinfurth (ihm).Nicht nur in Steinfurth steht die Kläranlage abgelegen am Ortsrand, Einrichtungen für die Abwässersäuberung sind stets weit weg vom Schuss. Bei der Einweihung der neuen Anlage, ein gutes Stück vom Friedhof entfernt, fiel am Freitag scherzhaft das Wort »Touristenattraktion«. In der Tat macht sich das »teuerste Bauwerk des Jahrtausends in Steinfurth« gut in der Landschaft. 3,6 Millionen Euro betragen die Investitionskosten.
15. November 2013, 16:48 Uhr
Ortsvorsteher Thönges, Parlamentschef Feyerabend und Bürgermeister Häuser (von links) bei der Inbetriebnahme. (Fotos: ihm)

Bürgermeister Armin Häuser konnte unter den Teilnehmern des Einweihungsfests gleich zwei Geburtstagskinder begrüßen. Lediglich von einem – Parlamentschef Prof. Friedrich-Karl Feyerabend – hatte er vorher gewusst und deshalb kein Geschenk für Ortsbeiratsmitglied Sascha Pfeiffer dabei. »Sie bekommen die neue Kläranlage«, witzelte der Rathauschef. Kein schlechter Schnitt angesichts der hohen Investitionssumme, die vom Land mit einem Darlehen über 2,2 Millionen Euro unterstützt wurde. Im Juli letzten Jahres hatten die Verantwortlichen den ersten Spatenstich zelebriert, die Inbetriebnahme war für Sommer 2013 vorgesehen. Sie verzögerte sich allerdings, weil die Firma für die maschinentechnische Ausrüstung pleite ging. »In Kürze wird mit dem Abriss des alten Baus begonnen«, sagte Häuser. Sofern es die Witterung zulässt, sei die Fertigstellung der kompletten Anlage für Anfang 2014 geplant. »Mit der neuen Kläranlage haben wir eine Einrichtung geschaffen, die den wasserrechtlichen Anforderungen genügt«, betonte der Bürgermeister.

Feyerabend blickte auf die Historie der Abwasserbeseitigung zurück: »Sie ist ein Phänomen, das noch gar nicht so alt ist.« Früher hätten die Menschen ihre Abfälle auf die Straßen gekippt, erst im 19. und 20. Jahrhundert wurden Kanäle angelegt. Ortsvorsteher Heinz Thönges freute sich über den Eröffnungszeitpunkt noch vor dem Wintereinbruch. Mit 3,6 Millionen Euro sei es das »teuerste und größte Bauwerk des Jahrtausends in Steinfurth«.

Die Funktionsweise erläuterte Abwassermeister Markus Klug, der alle drei Anlagen in Bad Nauheim (Kernstadt, Steinfurth und Rödgen) leitet. »Die Abwässer werden in einem Schacht gesammelt und von dort in die Kläranlage gepumpt.« Das Wasser durchlaufe eine Maschine, in der Grobstoffe wie Ohrenstäbchen per Rechen herausbefördert werden. Über einen Sandfang fließt das Wasser weiter, Materialien wie Sand und Schotter werden herausgefiltert, Rechengut und Sand kompostiert

»Das grobmechanisch gereinigte Wasser kommt ins sogenannte Belebungsbecken. Darin befinden sich Mikroorganismen, die sich von den Schmutzstoffen im Wasser ernähren.« Nächste Station ist das Nachklärbecken. Der Schlamm wird dorthin geleitet und setzt sich am Boden ab, das gereinigte Wasser läuft in eine Rinne und von dort in die Wetter. »Anschließend wird der Bodenschlamm ins Belebungsbecken zurückgepumpt, der Reinigungsprozess fortgesetzt. Ein Teil des Schlamms wird in einen Stapelbehälter befördert und kommt von dort zur Kläranlage Bad Nauheim oder wird auf die Äcker aufgebracht«, erläuterte Klug.



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