06. November 2013, 16:48 Uhr

Ein Hochzeitsgeschenk von Elvis?

Bad Nauheim (cor). Ist er echt oder nicht? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Während seiner Bad Nauheimer Zeit soll Rock ’n’ Roll-Legende Elvis Presley der Bad Nauheimerin Elisabeth Marschhäuser einen Plattenspieler geschenkt haben, als Hochzeitspräsent, wie die Frau später ihrem englischen Ehemann erzählte. Der Plattenspieler wird am 12. Dezember vom Auktionshaus David Lay Frics in Cornwall versteigert.
06. November 2013, 16:48 Uhr
»Der ist von Elvis«: Claus Ilge mit seinem Plattenspieler. (Foto: cor)

Der geschätzte Verkaufswert liegt zwischen 1000 und 2000 Pfund (1180 bis 2360 Euro). Sollte die Echtheit der Rarität nachweisbar sein, könnte der Wert deutlich höher ausfallen.

Das Auktionshaus erzählt der WZ folgende Geschichte: Die geschiedene Elisabeth Marschhäuser, die mit ihrem Sohn Roman in der Parkstraße 22 lebte, lernte den Vater von Elvis, Vernon Presley, Anfang 1959 in der Bad Nauheimer Post kennen. Presley senior hatte Probleme, die deutsche Sprache zu verstehen, Elisabeth Marschhäuser, die als PX-Kassiererin in der Friedberger Kaserne arbeitete, übersetzte. Als Dankeschön lud Vernon Presley die Bad Nauheimerin zu Elvis ins Hotel Grunewald ein. Hier lernte sie die Rock-Legende kennen. Bei ihrem Treffen mit dem Star hatte sie ihre baldige Hochzeit in London angesprochen. Seit 1957 war die damals 37-jährige Bad Nauheimerin mit Jim Jenkins, einem Engländer, verlobt.

Elvis hatte sich sehr für ihre Heirat interessiert. Bei einem zweiten Treffen überreichte er ihr den Plattenspieler, einen Perpetuum Ebner Musical 5V Luxus, als Hochzeitsgeschenk. Im März 1959 schickte Elisabeth Marschhäuser ihr Hab und Gut, darunter den Plattenspieler, nach London. Einen Monat darauf heiratete sie. 25 Jahre war der Plattenspieler in Gebrauch, im Anschluss an einen Umzug nach Cornwall geriet er in Vergessenheit. 2006 erkannte Elisabeth Marschhäuser ihr Gerät auf einem Foto in der Zeitung wieder, auf dem Presley mit einem identischen Plattenspieler zu sehen ist.

Elisabeth Marschhäuser ist vor drei Jahren verstorben. Witwer Jim Jenkins übergab den Plattenspieler dem Auktionshaus, kennt aber niemanden in Deutschland, der die Geschichte bestätigen könnte. Fakt sei: Als er seine Verlobte 1958 in Bad Nauheim besuchte, habe sie den Plattenspieler noch nicht besessen. Zudem sei das gute Stück zur damaligen Zeit zu teuer gewesen, um es mit einem Kassierer-Gehalt zu erwerben.

»Marschhäuser auf keinem Foto«

»Etwa 300 bis 400 Mark könnte so ein Plattenspieler damals gekostet haben«, schätzt Claus Ilge aus Ober-Mörlen. Ilge beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Elvis, gehört zu den Zeitzeugen, die den Star während seines Aufenthalts in der Wetterau kennengelernt haben. Auch Ilge erklärt, einen Plattenspieler von Elvis geschenkt bekommen zu haben, am Tag vor dessen Abreise aus Bad Nauheim. »Ich hatte an diesem Tag die Schule geschwänzt«, lacht der Elvis-Fan.

Ilge zweifelt an dem Wahrheitsgehalt der Geschichte über Elisabeth Marschhäuser. Er habe Elvis oft besucht, seinen Plattenspieler habe Elvis bis zum Ende seines Aufenthalts in Bad Nauheim genutzt. Das Gerät, das der Elvis-Fan in Ehren hält, weise normale Gebrauchsspuren auf. Daher sei es fraglich, ob Elvis nur ein Jahr zuvor einen Plattenspieler an Elisabeth Marschhäuser verschenkt und sich danach ein neues Exemplar zugelegt habe, um es später Ilge zu überlassen.

In den Archiven, die die Bad Nauheimer Zeit des King of Rock ’n’ Roll dokumentieren, sei dazu nichts zu finden. Allerdings wiesen die Erzählungen einige Ungereimtheiten auf, wie seine Ehefrau Elvira Spohn hinzufügt. So habe sich Elvis gerne mit jungen Menschen umgeben, Marschhäuser sei dagegen Mitte dreißig gewesen. Zudem habe Elvis’ damalige Sekretärin die meisten Treffen mit Fotos festgehalten, auf diesen Aufnahmen tauche Marschhäuser nicht auf. Elvis sei Anfang Februar 1959 in die Goethestraße umgezogen, das Wohnhaus werde vom englischen Auktionshaus aber nicht erwähnt, sondern nur das Hotel Grunewald. Richtig sei hingegen, dass Vernon Presley immer die Post zum Postamt brachte und öfters nachfrankieren musste. Demnach sei es nicht abwegig, dass es hier zu einer Begegnung kam.

Anfragen von Auktionshäusern erhält Ilge öfter. »Einmal sollte ich die Echtheit eines Plüschhockers bestätigen, auf dem Elvis einmal gesessen haben soll.« Ilges Plattenspieler läuft noch heute, wurde in vielen Ausstellungen präsentiert. »Und der ist von Elvis.«

Warum die Nachkommen von Elisabeth Marschhäuser dieses besondere Geschenk nicht in ihrem Besitz behalten wollen, ist dem Auktionshaus nicht bekannt. Dass die nach England ausgewanderte Bad Nauheimerin nicht in den Fotoarchiven auftauche, sei nicht ungewöhnlich. Ihr sei damals zur Diskretion geraten worden. Außerdem habe sie großen Wert auf Privatsphäre gelegt, wie Mimi Connell-Lay vom Auktionshaus erklärt.

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