27. Oktober 2013, 15:28 Uhr

Ziel: So viele Baumarten wie möglich

Bad Nauheim (flj). Warum gibt es so viele Buchen im Bad Nauheimer Stadtwald? Wieso müssen alte Bäume gefällt werden? Was genau versteht man unter einem Mischwald? Fragen über Fragen, die während einer Waldbegehung am Freitag geklärt wurden, zu der Bürgermeister Armin Häuser und das zuständige Forstamt Nidda eingeladen hatten.
27. Oktober 2013, 15:28 Uhr
Eine umzäunte Parzelle mitten im Wald: Die Bäume können sich hier ohne Beeinträchtigung durch Wildtiere entwickeln. (Fotos: flj)

Es ist kaum zu glauben, aber vor rund 300 Jahren gab es in und um Bad Nauheim so gut wie keine Wälder mehr. Der Grund lag in der Salzgewinnung, die Unmengen an Holz verschlang. So wurden die Wälder Stück für Stück abgeholzt. Erst als es fast schon zu spät war, folgte ein Umdenken – die Aufforstung begann. Somit seien, wie die Forstexperten im Rahmen des Rundgangs erläuterten, die heutigen Bad Nauheimer Wälder allesamt sekundär, manche sogar tertiär. Der Stadtwald, der vorrangig zu Erholungszwecken dient, bilde keine Ausnahme. Dies sind nur einige interessante Fakten, die während der Waldbegehung am Freitag genannt wurden.

Bürgermeister Häuser hatte dazu eingeladen. Neben interessierten Bürgern waren auch Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel und Stadtverordnetenvorsteher Prof. Friedrich-Karl Feyerabend gekommen, um den Stadtwald zu erkunden. Nach einigen einleitenden Worten des Rathauschefs übernahmen Forstamtsleiter Bernd Reißmann und Revierleiterin Hermine Link die Führung der Gruppe.

Querfeldein ging es über den laubbedeckten Boden durch den Wald. Schnell fiel den Teilnehmern eines auf: Die Buche bildet den Schwerpunkt des Baumbestands. »Warum genau wissen wir auch nicht, aber die Buche ist besonders strapazierfähig und verdrängt langsam, aber sicher alle anderen Baumarten«, sagte Reißmann. Genau dies möchten die Verantwortlichen verhindern. »Würden wir nicht eingreifen und eine Waldverjüngung vornehmen, hätten wir in Zukunft einen reinen Buchenwald«, betonte der Forstamtsleiter.

Lärche und Eiche erwünscht

Verjüngung bedeutet: Immer wieder werden ältere, ausgewachsene Bäume geschlagen und neue gepflanzt. »Dabei achten wir darauf, die Artenvielfalt zu wahren«, erklärte Link. Lärche und Eiche sind zwei Arten, die neben der Buche wachsen sollen. Der Bad Nauheimer Wald soll ein Mischwald werden. Also ein Wald, in dem verschiedene Baumarten gedeihen. Mit diesem Ziel wollen die Forstleute zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. »Wir sind nun mal auch ein Wirtschaftsbetrieb. Würden wir nur Buchenholz verkaufen, wäre dies alles andere als wirtschaftlich. Der Vorteil eines Mischwalds ist aber auch, dass sich der Wald selbst auf die Klimaveränderungen einstellen kann«, meinte Reißmann.

Im Laufe der Zeit wird sich das Klima weiter verändern, davon gehen die meisten Forscher aus. Wie der Wald darauf reagiert, ist kaum bekannt. »Unser Ziel ist es, so viele Baumarten wie möglich zu pflanzen, damit sich die Natur quasi selbst aussuchen kann, welche Arten bei einem veränderten Klima überleben«, sagte Reißmann.

In diesem Ökosystem spielt die Tierwelt, insbesondere das Wildschwein eine wichtige Rolle. »Wildschweine essen gerne Eicheln und zerstören so viele der Bäume, bevor sie richtig wachsen können. Jedoch sind Wildschweine auch hilfreich, da sie den Boden aufwühlen und somit eine natürliche Umgrabung stattfindet, die dem Wald förderlich ist«, erläuterte Reißmann. Den Jägern komme eine besondere Bedeutung zu, da sie für das richtige »tierische Gleichgewicht« im Wald sorgen müssen.

Der Bad Nauheimer Stadtwald dient in erster Linie der Erholung, was auch die Ausstattung zeigt. »Wir haben viele Bänke und Mülleimer im Wald sowie 15 Schutzhütten. Nicht nur Bürger aus Bad Nauheim, sondern auch viele aus anderen Gemeinden kommen hierher, um sich im Wald zu erholen. Dies ist auch ein Grund, warum unser Wald durchforstet werden muss«, erklärte Bürgermeister Häuser.



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