30. Juli 2013, 15:18 Uhr

Großes Rad: Abbau im Eiltempo

Bad Nauheim-Schwalheim (cor). Das marode Große Rad in Schwalheim, das Ende der 60er Jahren seinen Betrieb für die Salzgewinnung eingestellt hatte, wurde am Montag mithilfe eines Krans demontiert. Viele Schwalheimer ließen sich diesen Moment nicht entgehen, gilt das Industriedenkmal doch als eine Art Wahrzeichen des Stadtteils.
30. Juli 2013, 15:18 Uhr
Schwergewicht: Mit einem Kran wird eine Hälfte des Großen Rads aus ihrer Verankerung gehoben. (Foto: Schwab)

Auch Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel beobachtete den Abbau. »Ich bin schließlich Schwalheimerin«, bekundete sie ihr privates Interesse. Nach über 25 Jahren kann das aktuelle Rad nicht mehr repariert werden, es muss durch ein neues ersetzt werden. Die Kosten hierfür betragen 89 000 Euro.

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Erst am Dienstag letzter Woche hatte der Magistrat nach Aussage von Erster Stadträtin Nell-Düvel über den Austausch des Rads abgestimmt. Drei Kostenvoranschläge von Mühlenbaufirmen hätten vorgelegen. Schon einen Tag später habe man mit der Firma Schumann aus Mulda im Erzgebirge den Vertrag unterzeichnet. »Sie hatten das günstigste Angebot«, sagte die Erste Stadträtin. Außerdem habe Gottfried Schumann gleich einen Termin nennen können.

Für den Abbau des Rades wurden drei Tage veranschlagt. Um 13 Uhr rollte am Montag der Hebekran an, gemeinsam mit seinen zwei Mitarbeitern bereitete Schumann alles für den Abbau vor. »Wir wollen bis heute Abend das halbe Rad demontieren«, sagte der Mühlenbauer, dessen Unternehmen bereits seit vier Generationen auf die Rekonstruktion alter Wasserräder und Mühlenanlagen spezialisiert ist.

Kaum Veränderungen

Nicht nur die Stadt war schnell, sondern auch das Thüringer Unternehmen. Bereits um 16 Uhr wurde der zweite Teil des Rades aus der Verankerung gehoben. Das marode Eichenholz wurde vor Ort für den Abtransport zerlegt. Nach Regenschauern am späten Nachmittag, setzte die Firma ihre Arbeit am Dienstag fort.

Das Große Rad wird zwar völlig neu aufgebaut, nach Angaben der Firma aber kaum sichtbare Veränderungen gegenüber dem bisherigen Zustand aufweisen. Nach Absprache mit dem Denkmalschutz werden die Streben des neuen Wasserrades etwas anders angeordnet, um das Gewicht besser auf die Naben verteilen zu können. Ansonsten werde sich das neue Große Rad kaum vom alten unterscheiden, sagte Nell-Düvel. Während sich die Firma Schumann um den Bau des neues Rades kümmert, werde in Schwalheim das Gerinne, der Zu- und Ablauf, auf Schäden untersucht.

»Irgendwas immer kaputt«

Das Große Rad mit seinen 84 Schaufeln wurde in den Jahren 1745 bis 1748 erbaut. Laut historischen Unterlagen wurde das Bauwerk im Jahr 1839 erstmals neu errichtet, weitere Erneuerungen erfolgten in den Jahren 1955 und 1987.

»Das ist nun das zweite Mal, dass ich dabei bin«, erzählt Peter Simon, der sich seit 18 Jahren als Kunstradwärter ehrenamtlich für das Schwalheimer Wahrzeichen engagiert. Als das Rad 1987 demontiert und durch ein neues ersetzt wurde, sei er ebenfalls Zeuge des »Spektakels« gewesen. Ein besonderes Augenmerk richtet Simon, der seit 1972 im Haus am Rad lebt, bei seinen Pflegearbeiten immer auf die Schaufeln. Immer wieder mussten Schrauben ausgetauscht werden. Die dünnen alten Schrauben, die Schaufeln und Rad mit Eisenwinkeln verbanden, sind im Lauf der Jahre gerissen. »Irgendwas war immer kaputt«, sagt Simon. Schraubennachschub gab es regelmäßig vom Bauhof.

Direkt am Rad hat Peter Simon in den nächsten Monaten nichts zu tun. Das neue Exemplar soll erst Ende Oktober fertig sein. Das passende Eichenholz hat die Firma aus dem Erzgebirge bereits vorrätig. Zwar macht sich Gottfried Schumann gleich an die Arbeit und schneidet die Balken in seiner Werkstatt zu, in Schwalheim werde aber erst einmal das Gerinne untersucht. »Es muss geschaut werden, was alles kaputt ist.« Bevor Firmen ans Werk gehen können, muss das Gerinne trockengelegt werden.

»Manche Schäden sind trotz des Wassers oberhalb des Gerinnes erkennbar«, sagt Volker Buchholz, Fachdienstleiter Immobilienverwaltung im Rathaus. Sobald eine komplette Begutachtung und Schadensaufnahme erfolgt sei, könne eine Ausschreibung folgen.

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