26. Juni 2013, 16:58 Uhr

Überrumpelungstaktik: Kartoffelkauf zu »Mondpreisen«

Bad Nauheim–Nieder-Mörlen (bk). Die junge Frau aus Nieder-Mörlen fühlt sich überrumpelt, über den Tisch gezogen. Ein Obst- und Gemüsehändler aus Frankfurt, der von Haus zu Haus zieht, hat ihr am Dienstag Kartoffeln und Äpfel angedreht – eine Menge, die sie nie braucht, zu einem Preis, den sie für völlig überzogen hält.
26. Juni 2013, 16:58 Uhr
3,99 Euro pro Kilo: Einen rekordverdächtigen Preis hat die Frau aus Nieder-Mörlen für ihre Kartoffeln gezahlt. (Foto: dpa)

»Der hat mich total vollgequatscht, hinterher habe ich mich totgeärgert«, warnt die Frau andere Bad Nauheimer, auf die Masche hereinzufallen.

Im Verkaufsgespräch sei von »Kleinstmengen« und »bester Ware aus Ockstadt« die Rede gewesen, doch plötzlich habe der Händler mit 15 Kilogramm Kartoffeln und 20 Kilogramm Äpfeln wider vor der Haustür gestanden. »120 Euro hat er verlangt. Ich war so baff, dass ich per EC-Karte bezahlt habe«, erzählt die Nieder-Mörlenerin. Trotz der großen Menge habe der Verkäufer 3,99 fürs Kilo Kartoffeln und 2,99 Euro fürs Kilo Äpfel verlangt. Zum Vergleich: Am Dienstag waren in der Bad Nauheimer Innenstadt Kartoffeln in kleinen Mengen bereits für 1,12 Euro pro Kilo zu haben, Apfel für 1,49 Euro. Bei Kartoffelbauern, die selbst vermarkten, gibt es beispielsweise einen 25-Kilo-Sack bereits für 10 Euro.

Rückabwickeln kann die Kundin das Geschäft sehr wahrscheinlich nicht mehr. Zwar hat sie aufgrund des Belegs Name, Adresse und Telefonnummer des Händlers, doch der ist nicht zu erreichen. »Ich habe es am Dienstag im Zehn-Minuten-Takt versucht, aber es meldet sich immer nur eine Sprachbox.« In dem Haus im Frankfurter Stadtteil Fechenheim gibt es noch andere Firmen, die telefonisch zu erreichen waren. »Mir wurde bestätigt, dass es den Obst- und Gemüsehändler tatsächlich gibt. Der Gesprächspartner erzählte mir von Fällen, wo Kunden Obst und Gemüse für 300 oder 400 Euro angedreht wurde«, sagt die Frau.

Bei Lebensmitteln existiert praktisch kein Rücknahmerecht. Ausnahme sind Internetkäufe. Die Möglichkeit, das per Bankeinzug bezahlte Geld zurückzuholen, gibt es auch nicht. Das habe eine Nachfrage bei der Bank ergeben. Von einer Anzeige bei der Polizei verspricht sich die Nieder-Mörlenerin nicht viel, zumal sie nicht weiß, ob es in einem solchen Fall überhaupt eine Handhabe gibt.

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