17. Januar 2013, 10:23 Uhr

Neujahrs-Varieté: Wenn sich der Bürgermeister überschlägt

Bad Nauheim (jw). Den politischen Drahtseilakt beherrscht Armin Häuser perfekt, vor dem artistischen drückte er sich am Mittwoch aber. Dafür zeigte der Bürgermeister beim Promi- und Presse-Training des Ovag-Neujahrs-Varietés sein die Grenze zur Ungeschicklichkeit deutlich übersteigendes Talent als Einradfahrer und Salto-Artist.
17. Januar 2013, 10:23 Uhr
Als wär’s die leichteste Übung der Welt: Ovag-Vorstand Rainer Schwarz macht es sich auf dem Drahtseil bequem. (Foto: Messerschmidt)

Spätestens als sich WZ-Redakteur Christoph Hoffmann das Diabolo schnappte und mit wagemutigen Überschlägen und rasanten Schnurtricks die versammelte Wetterauer Journalistenschar verblüffte, war klar: Presse und Politik – irgendwie ist das doch ein ganz schöner Zirkus.

Einmal im Jahr dürfen sich Promis und Journalisten zum Affen machen. Wenn die Ovag zur Pressekonferenz auf die Bühne des Jugendstiltheaters im Hotel Dolce einlädt, kommen Talente zum Vorschein, die man so nicht nie gesehen hat – und eigentlich auch gar nicht sehen möchte. Zum Beispiel die Fußball-Jonglage. Während Ovag-Vorstand Rainer Schwarz, in jungen Jahren Handballer und daher recht ballgewandt, die runden Kugeln spielend leicht balancierte, verzweifelte Häuser (»Ich bin nicht der Messi der Wetterau«) regelrecht an der Übung. Das Problem dabei ist, dass man die beiden Bälle, nachdem man sie in die Luft geworfen hat (was auch hervorragend klappte), wieder auffangen muss. »Meine Trefferquote liegt bei 50 Prozent«, feixte der Bürgermeister.

Nächste Übung: das Diabolo, der Gummi-Doppelkegel, der an zwei Stäben und einem Seil kreiselnd durch die Luft saust. Sagen wir’s so: Häuser und Schwarz waren stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden. Gegen die atemberaubenden Tricks von WZ-Redakteur Hoffmann konnten die beiden Nachwuchs-Artisten aber nicht anstinken. Häusers knurrend vorgetragener Kommentar: »Jetzt wissen wir, was die den ganzen Tag in der Redaktion so treiben.«

Und im Rathaus überschlägt sich der Bürgermeister vermutlich vor Tatendrang. Wie das geht, zeigten Fabio und Giuliano Anastasini aus den USA. Während Schwarz zunächst abwinkte (»No, no, no!«) und dann doch ran musste, setzt sich Häuser mit todesmutiger Lässigkeit auf die Füße eines der beiden Artisten, streckte die Arme in die Höhe, ließ sich durch die Luft wirbeln und landete nahezu unbeschadet wieder auf beiden Füßen.

Über die Einrad-Artistik der Promis und Presseleute sollte man eigentlich den Mantel des Schweigens legen. Ob nun Schwarz über die Bühne wackelte, Häuser gleich wieder runter plumpste, der Jungredakteur Hoffmann auch nicht viel weiterkam oder der Kollege Thomas Kopp von der FNP sich nach geschätzten siebeneinhalb Zentimetern der Schwerkraft geschlagen gab – die Körperhaltung der Nachwuchsakrobaten erinnerte an unfreiwilligen Slapstick.

Dafür glänzten die Protagonisten – bis auf Häuser (»Och nö!) – auf dem Hochseil. Er müsse keine Angst haben, meinte die chinesische Artistin Huang Yang, als sie Hoffmann zeigte, wie man es sich auf einem Drahtseil liegend bequem macht. Sein Kommentar: »Hab’ ich aber doch!« Memme! Auch Schwarz schwebte mühelos in der Luft. Bis es an den Abstieg ging: »Wie komm ich hier bloß wieder runter?« Wer wissen will, wie Verzweiflung aussieht – hier konnte man sie in Reinkultur beobachten.

Auch Zaubertricks bekamen die Journalisten und Promis vorgeführt, wobei WZ-Praktikantin Julia Messerschmidt fast von der Bühne fiel, als hinter einer Spielkarte plötzlich eine Spinne hervorkroch. Die war freilich nur aus Plastik, und im Gegensatz zum Dschungelcamp musste sie die noch nicht einmal essen. Nur der Tiger fehlte beim Pressetraining. »Der schläft«, verriet Illusionist Gianni Mattiolo. Schade. Wir wüssten auf Anhieb mindestens einen Bürgermeister, den wir gerne dabei beobachten hätten, wie er mit der Bestie ringt.



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