02. Januar 2013, 17:43 Uhr

Großbrand: Über Ursache wird spekuliert

Bad Nauheim (bk). Nach dem Großbrand in der Silvesternacht, bei dem ein Fachwerk-Doppelhaus in der Schulstraße erheblich beschädigt wurde, sind noch einige Fragen unbeantwortet. Die wichtigste: Wird sich der 69-jährige Bewohner von seinen schwersten Verletzungen erholen, die er sich zugezogen hat? Schädel-Hirn-Trauma, Knochenbrüche, Brandwunden – wie am Mittwoch zu erfahren war, wurde der Mann ins künstliche Koma versetzt.
02. Januar 2013, 17:43 Uhr
Silvesterrakete, technischer Defekt oder fahrlässige Brandstiftung? Die Ursache des Brandes in der Schulstraße wird vielleicht nie geklärt. (Foto: jw)

Offen bleibt zudem, ob das Gebäude saniert werden kann oder abgerissen werden muss. Auch die Brandursache ist keineswegs so klar, wie zunächst angenommen. Das Feuer im Dachstuhl kann nicht nur durch eine Feuerwerksrakete sondern auch durch einen technischen Defekt oder fahrlässige Brandstiftung entstanden sein.

Der Zusammenhang schien im ersten Moment eindeutig zu sein: 15 Minuten, nachdem die Silvesterknallerei so richtig losgegangen war, brannte in der Altstadt der Dachstuhl eines Fachwerkhauses. Vor allem die vielen Besucher des Johannisbergs hatten die Flammen sofort bemerkt, einige zeigten sich betroffen, verzichteten auf das Abschießen ihrer Feuerwerksraketen. War es doch offenbar solche Pyrotechnik, die das Feuer ausgelöst hatte. Davon sind Polizei und Feuerwehr inzwischen aber nicht mehr überzeugt. »Es erscheint recht unwahrscheinlich, dass ein Feuerwerkskörper die Ursache war«, sagte der stellvertretende Stadtbrandinspektor Wolfgang Löffler. Zum einen sei das Fachwerkhaus mit normalen Dachziegeln gedeckt, die sich von einer Silvesterrakete normalerweise nicht entzünden ließen. Zum anderen seien von der Sternwarte auf dem Johannisberg aus Aufnahmen gemacht worden, die eher auf ein Entstehen des Brandes im Innern des Hauses schließen ließen. Der Brandherd habe vermutlich in der Nähe des Schornsteins und des Treppenhauses gelegen.

Der stellvertretende Kreisbrandinspektor Michael Kinnel hatte in der Brandnacht spekuliert, dass es sich um einen technischen Defekt oder fahrlässige Brandstiftung handeln könnte. Laut Kinnel wurden in der vermüllten Wohnung Gasflaschen, Autobatterien und Heizstrahler gefunden, die miteinander verbunden gewesen seien. Möglicherweise habe der Bewohner nicht mehr über eine Strom- und Wärmeversorgung verfügt und sich deshalb als »Heimwerker« betätigt.

»Ob die Brandursache überhaupt zu ermitteln sein wird, bleibt abzuwarten«, meinte Polizeisprecher Jörg Reinemer. Zurzeit dürften die Ermittler das einsturzgefährdete Gebäude nicht betreten. Möglicherweise müsse das Doppelhaus abgerissen werden, dann könne die Polizei vermutlich keine Spuren mehr sichern. Sollte das Feuer doch von einer Silvesterrakete ausgelöst worden sein, was nicht auszuschließen sei, werde die Polizei wegen fahrlässiger Brandstiftung ermitteln. Einen Verursacher festzustellen, sei allerdings kaum möglich.

Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat es im Lauf des Löscheinsatzes drei Verletzte gegeben. Am schwersten betroffen war der 69-jährige Bewohner der Haushälfte, in dem das Feuer entstanden war. Er hatte sich zu diesem Zeitpunkt als einzige Person im Gebäude aufgehalten und versucht, den Flammen durch ein Fenster im zweiten Stock zu entkommen. »Hätte sich der Mann zehn Sekunden länger halten können, wäre er mit Hilfe der Feuerwehrleiter geborgen worden«, berichtete Einsatzleiter Löffler. So stürzte der Senior mehrere Meter in die Tiefe. Aufgrund der Schwere der Verletzungen wurde der Mann in eine Klinik nach Frankfurt-Höchst verlegt und dort ins künstliche Koma versetzt. Wie Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel sagte, hätten sich außerem zwei Feuerwehrleute Blessuren zugezogen: Ein Mann hat einen Bänderriss erlitten, dem anderen ist ein Dachziegel auf die Hand gefallen.

Unklar ist laut Nell-Düvel, ob das denkmalgeschützte Haus erhalten werden kann. »Die eine Hälfte ist total zerstört. Beide Teile sind aber mit durchgehenden Balken quasi untrennbar verbunden. Fraglich ist deshalb, ob ein Teilabriss überhaupt möglich ist«, erläuterte die Erste Stadträtin. Ein Statiker sei im Einsatz gewesen und habe das Gebäude für einsturzgefährdet erklärt. Eine Absperrung sei erfolgt. Ob das Haus komplett abgerissen werden muss, wird laut Nell-Düvel in den nächsten Tagen von der Bauaufsicht des Wetteraukreises entschieden.

Der Feuerwehr gelang es zwar, die Flammen von der zweiten Haushälfte weitgehend fernzuhalten, gleichwohl sind in der Nachbarwohnung erhebliche Schäden entstanden. »Die Zwischendecken saugen das Löschwasser auf. Das ist in einem Fachwerkhaus immer der Fall«, sagte Löffler. Die Feuerwehr war bis gestern Mittag im Einsatz, setzte immer wieder Wasser ein, um Glutnester zu löschen. Weil die Haushälfte des 69-Jährigen mit Abfall vollgestopft war, fand das Feuer immer neue Nahrung. Insgesamt wird die Schadenshöhe auf 300 000 Euro geschätzt.

Silvesternacht: Fachwerkhaus in der Altstadt in Flammen Fachwerkhaus bei Brand an Silvester zerstört

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