17. Oktober 2012, 16:33 Uhr

Anklage: Sohn bedroht seine Mutter mit Messer

Bad Nauheim/Friedberg (lk). Er soll seine Mutter mit einem Küchenmesser bedroht und Geld von ihr verlangt haben. Am Dienstag saß der 31-jährige Mehmet A. (Name geändert, die Red.) auf der Anklagebank des Friedberger Schöffengerichts unter dem Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange. Der beschuldigte Bad Nauheimer bestritt die Tat und wurde am Ende freigesprochen.
17. Oktober 2012, 16:33 Uhr

Auch seine Mutter wollte nichts mehr davon wissen, dass sie ihren Sohn gegenüber der Polizei der räuberischen Erpressung bezichtigt hatte. »Sie haben ein Aussageverweigerungsrecht, aber Sie dürfen nicht lügen«, sagte Richter Bange eindringlich zu Vater und Mutter des Angeklagten, bevor und während diese aussagten. Der Sohn des Paares, ein ehemals drogenabhängiger 31-Jähriger, saß auf der Anklagebank, weil er im April dieses Jahres seiner Mutter in deren Wohnung in Bad Nauheim ein Küchenmesser vorgehalten und Geld gefordert haben soll.

Mehmet A. bestritt die Tat. Er sei an jenem Tag aus dem Krankenhaus gekommen, wo er entgiftet worden sei. Seine Mutter habe gewollt, dass er in Therapie bleibe, doch er sei auf eigenen Wunsch gegangen. Der Angeklagte, der noch bei seinen Eltern lebt, sagte, seine Mutter sei an jenem Apriltag nervös gewesen. Nach einem Streit – er habe die Mutter um Geld gebeten – sei die Polizei gekommen. Die Mutter sei der Meinung gewesen, die Beamten würden den kranken Sohn zurück ins Krankenhaus bringen. »Sie hatte Angst, dass ich wieder Drogen nehme, wenn sie mir das Geld gibt«, sagte A., der 2011 einer schweren räuberischen Erpressung schuldig gesprochen worden war.

»Es stimmt nicht, dass er mich mit einem Küchenmesser bedroht hat«, übersetzte ein Dolmetscher die Aussage der Mutter. Der Polizist, mit dem sie gesprochen habe, müsse sie falsch verstanden haben. Der Vater des Angeklagten wollte von einer solchen Aussage seiner Frau ebenfalls nichts wissen.

Der 37-jährige Polizist, der am Tag des Vorfalls mit einem Kollegen zur Familie gefahren war, berichtete, die Frau habe sehr wohl gesagt, dass der Sohn sie mit einem Messer bedroht habe. Er sei in das Zimmer des 31-Jährigen gegangen. Mehmet A. habe sehr schwerfällig gewirkt, habe berichtet, seine Mutter habe ihn geschlagen. Die Mutter damit konfrontiert, habe sie nichts dazu sagen wollen. »Wir wollten die Tatwaffe sehen, aber die konnte sie uns nicht zeigen«, erinnerte sich der Polizist an den Einsatz. Die Stimmung sei gekippt, alle hätten sehr laut gesprochen, schließlich sei keine Kommunikation mehr möglich gewesen. Mehmet A. »wollte sich in einem Männerwohnheim einen Schlafplatz suchen«. Ihm sei es so vorgekommen, als sei es den Eltern ausschließlich darum gegangen, dass der Sohn die Wohnung verlasse. Dabei sei dieser »jenseits von handlungsfähig« gewesen.

Noch bis 2014 unter Bewährung

Richter Bange verlas die Vorstrafen des Mannes. A. war bereits wegen einer Gefährdung des Straßenverkehrs, wegen Diebstahls und einer Nötigung samt schwerer räuberischer Erpressung vor Gericht. Noch bis 2014 steht er unter Bewährung.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädierten auf Freispruch. Schöffen und Richter schätzten die Beweislage ebenfalls als nicht ausreichend ein und sprachen A. frei. »Ihre Eltern wollten wohl, dass Sie in die Psychiatrie verlegt werden«, sagte Bange zum Angeklagten. Die Mutter habe gegenüber der Polizei zweifellos von einer Bedrohung mit dem Küchenmesser berichtet. »So einen Sachverhalt darf man nicht einfach erfinden. Das kann nicht hingenommen werden, und das wird auch nicht hingenommen werden«, sagte der Richter und wies damit darauf hin, dass auf die Eltern ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung zukommen könnte.

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