04. Oktober 2012, 11:44 Uhr

»Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu«

Wetteraukreis (flj). Stress im Job erhöht das Herzinfarkt-Risiko – so lässt sich der DAK-Gesundheitsreport 2012 zusammenfassen, der kürzlich in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik präsentiert wurde.
04. Oktober 2012, 11:44 Uhr
Eine repräsentative Untersuchung in Hessen hat gezeigt, dass 8,5 Prozent der Berufstätigen an psychischen Krankheiten leiden, die durch den Beruf aufgelöst werden. (Foto: dpa)

Die Daten aller DAK-Mitglieder im Wetteraukreis, rund 43 000 Versicherte, wurden berücksichtigt. Auffällig: Die Zahl der Ausfalltage stieg im Kreisgebiet um 0,2 Prozentpunke auf 4,1 Prozent an. 2011 waren demnach pro Tag 41 von 1000 Arbeitnehmern, die bei der DAK versichert sind, krank. Damit liegt die Wetterau deutlich über dem Landesdurchschnitt von 3,7 Prozent. Am stärksten betroffen waren die Landkreise Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg mit 4,4 Prozent. Den niedrigsten Krankenstand konnte Frankfurt mit 2,9 Prozent verzeichnen.

Der Anteil an psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout, nahm im vergangenen Jahr im Wetteraukreis um 47 Prozent zu, berichteten Thorsten Scheld, Leiter des DAK-Servicezentrums Friedberg, und Prof. Dr. Jochen Jordan, Leiter der Abteilung für Psychokardiologie an der Kerckhoff-Klinik, die den Gesundheitsreport der Krankenkasse vorstellten. Auch mit diesem Wert liege der Kreis deutlich über dem hessischen Landesdurchschnitt.

Die häufigste Ursache für eine psychische Erkrankung sei Stress im Job, was wiederum das Risiko eines Herzinfarktes erhöhe – der zweithäufigsten Todesursache in Deutschland. In bisherigen Studien seien psychische Erkrankungen in Hinsicht auf das Herzinfarkt-Risiko aber zugunsten der klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Übergewicht vernachlässigt worden. Der Gesundheitsreport zeige auf, dass auch Stress und Frust im Beruf das Risiko eines Herzinfarktes erhöhten. »Herzinfarkte sind schon lange keine Managerkrankheit mehr«, sagte Thorsten Scheld. Allein in Hessen seien 2011 rund 3700 Menschen einem Herzinfarkt erlegen. Die Anzahl der Herzinfarkt-Sterbefälle sei insgesamt gesunken, während die Fälle von Herzinfarkt-Patienten in Krankenhäusern zugenommen habe. »Zu erklären ist dieser Umstand durch bessere Therapien und die frühere Entdeckung von Risiken, die zum Herzinfarkt führen können.«

Eine repräsentative Untersuchung in Hessen habe gezeigt, dass 8,5 Prozent der Berufstätigen an einer sogenannten beruflichen Gratifikationskrise litten. Psychische Krankheiten also, die durch den Beruf aufgelöst werden. »Die Menschen haben Stress im Job, weil sie sich für ihre Anstrengungen dort nicht ausreichend belohnt fühlen«, erklärte Scheld. Vor allem Zeitdruck und erhöhtes Arbeitsaufkommen sorgten für eine Zunahme des Stresses. Die Gratifikationskrisen würden gerade bei Facharbeitern deutlich zunehmen, egal ob sie männlich oder weiblich seien. 50- bis 55-Jährige seien am stärksten betroffen. Um den Krisen vorzubeugen, sei Prävention am Arbeitsplatz unumgänglich, sagte Scheld.

»Stress und Unsicherheit am Arbeitsplatz sind Vorboten eines Herzinfarktes. Arbeiternehmer müssen zum Beispiel Sport treiben, um das Risiko zu senken. Allerdings ist es im heutigen Berufsleben sehr schwer, auf die Bedürfnisse seines Körpers zu achten«, ergänzte Jordan. Nichtsdestotrotz müsse ein Ausgleichsventil gefunden werden, sonst erhöhe sich die Anzahl an psychischen Erkrankungen weiter, sagte der Fachmann abschließend.



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