04. Juli 2012, 14:03 Uhr

Rosenkönigin: Mit Krone und Jeans auf dem Bullen

Bad Nauheim-Steinfurth (pm). Das vierte Treffen mit einer ihrer Vorgängerinnen war für die amtierende Rosenkönigin Henrike Duda das mit den ungewöhnlichsten Einblicken. Iris Törmer, Rosenkönigin 1996/97 und heutige Wahl-Berlinerin, kam gut gelaunt ins Rosenmuseum und begann ohne Umschweife, »aus dem Rosensträußchen zu plaudern«. Dabei gab es eine Menge zu lachen.
04. Juli 2012, 14:03 Uhr
Das Winken hat sie nicht verlernt: Iris Törmer (links) und die heutige Rosenkönigin Henrike Duda. (Foto: pv)

Etwa als die frühere Regentin erzählte, dass sie sich damals nicht etwa vornehm zurückgehalten, sondern offensiv ihren Wunsch nach Übernahme der Funktion angemeldet hatte.

Iris Törmer versprüht eine unaufhaltsame Fröhlichkeit, der sich niemand entziehen kann. Und so muss es wohl schon vor 16 Jahren gewesen sein: »Ich habe das Amt mit viel Humor ausgeübt«, erinnert sich die 34-Jährige. »Es muss einfach Spaß machen. Du musst nachher sagen können, das war eine geile Zeit.« Und das kann sie wohl sagen, denn sie hat »nie eine einzige Sekunde bereut.« Wäre auch verwunderlich, immerhin hat Iris sich persönlich dafür eingesetzt, das Amt übernehmen zu dürfen. Üblicherweise suchte sich der Rosenfestausschuss eine Kandidatin aus und kam auf diese zu. Nicht so bei Iris Törmer: »Ich bin einfach hingegangen und habe gesagt, dass ich Rosenkönigin werden will«. Da sie aus einer Rosenfamilie stammte und ihr Onkel eine große Rosenschule betreibt, hielt sie es nur für angebracht. So viel Courage überzeugte, und Iris’ Wunsch wurde erfüllt.

»Nicht abheben«

»So ganz gepasst hat das ja nicht in unsere damalige Metal- und Punkrockzeit«, gibt sie zu bedenken. Headbanging zu Guns ’n ’Roses oder Nirvana sei schon ein Gegensatz zum majestätischen Auftreten einer Rosenkönigin gewesen. Doch letztlich habe sie damit kein Problem gehabt, denn »Steinfurth ist ein Dorf, jeder kennt jeden. Ich bin im Kreis dieser Leute aufgewachsen, und das war der Grund, warum ich Rosenkönigin werden wollte. Denen war ja klar, dass ich kein anderer Mensch werde, nur weil ich auf einmal dieses Amt innehabe.« Es sei gerade wichtig, weiterhin dazuzugehören, nicht abzuheben.

»Es ist ein schmaler Grat«, gibt sie zu. »In den richtigen Momenten musst du dich verhalten wie eine Königin, aber in anderen Momenten gehst du in normalen Klamotten auf den Rosenfest-Frühschoppen und trinkst ein Bierchen mit den Leuten aus deinem Dorf.« Wichtig sei, daran zu denken, dass das Rosenfest von den Vereinen getragen werde. Diese müsse man einbeziehen und schätzen, gerade als Rosenkönigin.

»Ich weiß noch beim Hessentag in Gelnhausen, ich war mit dem Steinfurther Anglerverein dort, die meinen Wagen hergerichtet hatten und wir hatten die Zugnummer einhundert irgendwas. Wir mussten ewig warten, die Sonne hat gebrannt, wir hatten Durst und Langeweile. Also habe ich aus meinem Seidenbeutelchen einen Zehner gegriffen und dem nächsten jungen Mann gegeben, damit er ein Sixpack Bier für uns holt.« Ihr Kleid habe sich bei der Gelegenheit als äußert praktisch erwiesen, da sie die Bierdose und auch mal eine Zigarette hinter den Stoffmassen verstecken konnte, wenn jemand vorbeikam.

Eine gewisse Trinkfestigkeit müsse man als Rosenkönigin schon mitbringen, stellt Iris fest: »Es will ständig jemand mit dir anstoßen. Und du kannst nicht dauernd Nein sagen, sonst stößt du die Leute vor den Kopf – das konnte und vor allem wollte ich nicht.« Sie habe sich schließlich angewöhnt, immer eine Flasche Wasser parat zu haben, um ihre alkoholischen Getränke zu verdünnen. »Bei mir hat auch schon mal mein Vater geholfen«, erzählt Henrike. »Ich habe nach einmal Nippen die Gläser auf dem Tisch abgestellt und mein Vater hat sie beseitigt.«

Übertreiben sollte man es nicht, weiß auch Iris. Schließlich musste sie in ihrer Amtszeit stets auf alles vorbereitet sein: »Manchmal war ich irgendwo eingeladen, und plötzlich hieß es ›Nun noch ein paar Worte der Rosenkönigin» – nur die Rosenkönigin wusste leider nichts davon.« Wie zum Beispiel beim Erntedankfest in Frankfurt, wo sie unvermittelt im Festzelt vor 800 Leuten sprechen musste. »Mir hatte man nur gesagt, ich soll schön aussehen.« Aber gerade durch solche Erlebnisse sei sie selbstbewusster und eloquenter geworden.

Glücklicher Bauer

Und Spontaneität gehört zum Amt der Rosenkönigin offenbar dazu: »Bei der Eröffnung der Spielburg in Wetzlar gab es einen Bauernmarkt, und einer der Bauern wollte unbedingt, dass ich auf seinem Bullen reite«, erinnert sich Iris. Das schöne Kleid habe als Ausrede nichts genützt, der Bullen-Besitzer habe vorgeschlagen, etwas anderes anzuziehen. »Das Krönchen hat ihm gereicht. Also habe ich schnell Jeans und ein T-Shirt angezogen und mich auf den Bullen gesetzt.« Der sei dann auch vollkommen brav gewesen, und der Bauer glücklich.

Auf dem Boden zu bleiben, hieß auch Iris’ Motto, wenn sie Prominenten begegnete, wie beispielsweise dem damaligen hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel. Mit dem aus Bad Nauheim stammenden Fernsehregisseur Dieter Wedel taufte sie eine Rose auf dessen Namen, und er versprach, Iris zu einem Vorsprechen einzuladen, aber »das ist natürlich nie passiert«. Ins Fernsehen kam sie trotzdem, nämlich bei der Volkstümlichen Hitparade mit Caroline Reiber, wo sie gemeinsam mit zwei anderen Rosenköniginnen als »Lückenfüller« diente. Der Blick hinter die Kulissen einer Fernsehshow sei durchaus interessant gewesen.

Was Iris als Rosenkönigin aber weit mehr genoss als das Zusammentreffen mit Prominenten, waren die Begegnungen mit Kindern: »Die Kinder sind so süß!« Sofort erinnert sie sich an ein Kinderfest in Frankfurt, bei dem Gelder für die Krebsstation der Uniklinik gesammelt wurden. Ein kleiner Junge habe sie am Kleid gezupft und gefragt, ob sie eine richtige Königin sei. Auf Iris’ »Ja« habe er weitergefragt, ob sie in einem Schloss wohne wie Dornröschen. »Als ich darauf mit Nein antwortete, erwiderte er entrüstet ›Dann biste auch keine richtige Königin!»«

Wie viel Spaß die Historikerin an ihrem Dasein als Rosenkönigin hatte, merkt man auch heute noch. Sie ist interessiert an Henrikes bisherigen Erlebnissen und fragt viel nach. Und natürlich kehrt sie alle zwei Jahre zum Rosenfest heim nach Steinfurth. »Ich war nur einmal am Rosenfest nicht zu Hause und ich fühlte mich hundeelend.« Henrike bestätigt: »Übers Rosenfest in Urlaub fahren, das geht gar nicht.«

»Zeit freischaufeln«

Sie habe auch schon immer den Vereinen bei ihren Vorbereitungen geholfen. Darauf Iris: »Ich helfe heute noch beim Vorbereiten des Königinnenwagens. Sobald ich da bin, engagiere ich mich sofort beim Drahten und Stecken und mische mich auch schon mal in die Gestaltung des Wagens ein.« Das wird Henrike dann voraussichtlich live erleben dürfen, denn Iris gibt ihr noch einen wichtigen Rat: »Was richtig gut ankommt, wenn du dir zwischen den ganzen offiziellen Terminen während des Rosenfestes noch Zeit freischaufeln kannst, um beim Königinnenwagen mitzustecken. Krönchen auf dem Kopf, aber Zivilklamotten an und einfach helfen.« Henrike nickt, denn das hat sie bereits fest vor.

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