26. Juni 2012, 17:18 Uhr

Bestandspflege und Politik der kleinen Schritte

Bad Nauheim (bk). Heftig gestritten wird um die Zukunft des Stoll-Geländes. Dabei geht es um Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung: Gegner der geplanten Märkte werfen den Verantwortlichen vor, sich nicht genug um die Ansiedlung interessanter Firmen zu kümmern. Nach Ansicht von Bürgermeister Häuser ist die Wirtschaftsförderung dagegen eine »heimliche Erfolgsgeschichte«.
26. Juni 2012, 17:18 Uhr
Umzug: Die Microbox GmbH ist jetzt in der Hohe Straße zu finden.

Es gehe nicht nur darum, neue Firmen zu gewinnen, sondern bestehenden Betrieben optimale Bedingungen zu bieten und die City attraktiver zu gestalten.

Laut Häuser betreibt die Wirtschaftsförderung »kontinuierliche Hintergrundarbeit«, das gehe aus dem Bericht für 2011 hervor. Insbesondere bei der Bestandspflege seien wichtige Erfolge erzielt worden. »Zwei Betrieben – Microbox GmbH und TSD Industrie Hydraulik GmbH – wurde im letzten Jahr eine Umsiedlung innerhalb Bad Nauheims ermöglicht und ein Wegzug verhindert. Über das Förderprogramm ›Lokale Ökonomie» konnten fünf Einzelhandelsgeschäfte gefördert und zwei Leerstände neu belebt werden«, erklärt der Bürgermeister. Außerdem habe die zuständige Abteilung für das Gewerbeband Frankfurter Landstraße und das Gewerbegebiet »In den Langen Morgen« vielversprechende Interessenten – darunter ein Autohaus, eine Schreinerei und ein überregional geführtes Fahrradgeschäft – akquiriert, deren Anfragen derzeit bearbeitet werden. Häuser: »Wir sind zuversichtlich, dass mehrere dieser Anfragen in konkrete Projekte münden werden.«

Um den Charakter Bad Nauheims als Kur- und Gesundheitsstadt zu erhalten, wird Gewerbeansiedlung nur begrenzt gestattet. Betrieben werden bezüglich Schmutz- und Lärmemissionen enge Grenzen gesetzt. Nach Auskunft des Rathauschefs handelt es sich etwa bei der Microbox GmbH um ein Unternehmen, das ohne Umweltbelastung auskommt. Seit mehr als 50 Jahre arbeitet die Firma in Bad Nauheim mit ihren innovativen Technologien zur Speicherung großformatiger technischer Dokumente. Microbox, früher in der Salinenstraße beheimatet, habe eine größere Bleibe gesucht und sei dank der Bemühungen der Wirtschaftsförderung fündig geworden. »Das Unternehmen hat die Hälfte des Siemens-Hauses in der Hohe Straße 4-8 gemietet und ist Anfang 2012 umgezogen. Einige Räume werden zudem von der Firma KMT genutzt«, erläutert der für Wirtschaftsförderung zuständige Mitarbeiter Oliver Michel im Gespräch mit der WZ.

TSD errichtet Neubau

Bis 2008 residierten in diesem Gebäude im Gewerbegebiet »Am Taubenbaum« die Pharmafirmen DPC Biermann GmbH und Milenia Biotec GmbH. »Durch die Fusion von DPC mit Siemens Medical Health zog das Unternehmen im Sommer 2008 nach Eschborn um. Seitdem stand der frühere Firmensitz leer, befand sich aber in sehr gutem Zustand«, sagt Michel. Auch die DPC-Tochter Milenia hatte damals Bad Nauheim verlassen und ist heute in Gießen zu finden.

Im Fall der TSD Industrie Hydraulik GmbH wurde Häuser zufolge ebenfalls eine Weiterentwicklung am Standort ermöglicht. Derzeit ist das Unternehmen noch unter der Adresse Am Taubenbaum 1 zu finden, laut Michel entsteht allerdings ein Neubau im Gewerbegebiet »In den Langen Morgen«. Wie der Rathauschef betont, sei Bestandspflege vielleicht weniger spektakulär als eine Neuakquise, für die Wirtschaftskraft der Stadt aber mindestens genauso wichtig.

Als Erfolg wertet der Bürgermeister das 2010 gestartete Förderprogramm »Lokale Ökonomie«. Die städtischen Mitarbeiter hätten in den letzten Jahren ein Vertrauensverhältnis zu Einzelhändlern und anderen Gewerbetreibenden in der Innenstadt aufgebaut. Als gelungene Beispiele für »Lokale Ökonomie« nennt Häuser die Ansiedlung von »Body & Soap« in der Kurstraße, die Umnutzung eines ehemaligen Blumenladens zum »Café Fellini« (ebenfalls Kurstraße), die Renovierung von »Carolin’s« in der Alicestraße und das Existenzgründungsprojekt »Natalschens Herzenswünsche« (Hauptstraße). Insgesamt seien 2011 fünf Arbeitsplätze in Bad Nauheim neu geschaffen und weitere fünf gesichert worden.

Die Stadt betreibe in der östlichen Innenstadt eine »Politik der kleinen Schritte«, die deutlich positive Wirkung zeige. Davon profitiere nicht zuletzt die untere Hauptstraße, die in Kürze neu gestaltet wird. (Fotos: nic)

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