16. März 2012, 16:08 Uhr

Berufsschulen: Neues Solarkraftwerk, neuer Name

Bad Nauheim (cor). Die Beruflichen Schulen am Gradierwerk produzieren jetzt Ökostrom. Am Donnerstag wurde das erste Bürgersonnenkraftwerk auf einer Wetterauer Schule eingeweiht. 26 private Kleininvestoren haben sich die Kosten von 430 000 Euro geteilt. Abgeschlossen ist die Fusion der Kaufmännischen Berufsschule und der Wingertschule.
16. März 2012, 16:08 Uhr
Neben 800 Modulen haben auf dem Schuldach noch einige Menschen Platz, die sich über die neue Anlage freuen. (Foto: ihm)

Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel überreichte Direktor Andreas Stolz eine Urkunde, die den neuen Namen dokumentiert: Berufliche Schulen am Gradierwerk (BSG).

Ende 2011 wurde das Dach der Kaufmännischen Schule zu einem Ökostromkraftwerk umgebaut. Damit geht für die Schüler, Lehrer und Direktor Stolz ein Traum in Erfüllung, denn nun werden auf dem Dach mit gut 800 Modulen bis zu 185 Kilowatt Sonnenstrom geerntet. Damit könnten 70 private Haushalte in Bad Nauheim versorgt oder fast der komplette Bedarf der Schule gedeckt werden.

Realisiert wurde das Projekt vom Verein Sonneninitiative in Marburg. Er bringt reichlich Erfahrung in der Umsetzung solcher Investitionsvorhaben mit und konnte 26 Bürger aus Bad Nauheim und der Umgebung als Geldgeber gewinnen. Landrat Joachim Arnold und Erster Kreisbeigeordneter Betschel-Pflügel weihten das Sonnendach gemeinsam mit Lehrern, Schülern und Vertretern des Marburger Vereins ein. Betschel-Pflügel zeigte sich erfreut, den Startschuss für das erste Bürgersonnenkraftwerk auf dem Dach einer Wetterauer Schule geben zu können. Man müsse nachhaltig wirtschaften, sagte der Erste Kreisbeigeordnete. »Eine Wirtschaft, die rein auf Ressourcenverbrauch ausgerichtet ist, zerstört letzten Endes die Lebensgrundlage der Menschen.«

Derzeit stehe die Untersuchung weiterer geeigneter Dächer an, erklärte Arnold. Auf sechs weiteren Gebäuden im Eigentum des Wetteraukreises sollen in diesem Jahr solche Photovoltaikanlagen geplant oder gebaut werden. Ein entsprechender Antrag sei bereits an den Ausschuss verwiesen worden. Das fertiggestellte Sonnenkraftwerk sei daher nur ein erster Schritt in puncto Photovoltaik-Anlagen. Die Lebensdauer des Sonnenkraftwerks beträgt nach Angaben des Marburger Vereins 30 bis 40 Jahre, jährlich kann eine CO2-Minderung von 132 Tonnen erzielt werden.

Im Anschluss an der Einweihung auf dem Dach ging es mit einer zweiten Feierstunde im Schulgebäude weiter. Ab sofort haben die KBS und Wingertschule einen gemeinsamen Namen: Berufliche Schulen am Gradierwerk. Damit ist der letzte Schritt des jahrelangen Fusionsprozesses geschafft. Der kleine Festakt wurde musikalisch umrahmt, für Unterhaltung sorgten auch die angehenden Erzieher.

Keine »Elvis-Presley-Schule«

Lange habe man über einen gemeinsamen Namen und ein Logo beraten, wie Schulleiter Stolz den Gästen berichtete. Viele Vorschläge seien zur Sprache gekommen, darunter »Kaufmännische Wingertschule« oder »Elvis-Presley-Schule«, wie Stolz mit einem Lächeln betonte. Wichtig sei ein regionaler Bezug gewesen, so sei die Wahl auf »Berufliche Schulen am Gradierwerk« gefallen. Das neue Logo zeige neben dem Kürzel den Windmühlenturm.

Der Kreis habe den Zusammenschluss, der durch das Engagement der Schulen auf den Weg gebracht wurde, wohlwollend begleitet, so Betschel-Pflügel. Die Auflage des Landes, in der Wetterau aus sechs drei Berufschulen zu machen, habe man erfüllen müssen.

In einer ersten Schulleitersitzung am 17. März 2003 hatten laut Stolz beide Seiten beschlossen, sich aufeinander einzulassen. Ein langer Prozess bis zur Fusion habe sich angeschlossen. Strategien und Zielsetzungen seien oft besprochen worden. Im Januar 2005 folgte die Prüfung der Fusion im Kreisausschuss. Viele Ideen seien gesammelt worden. Wie der Schulleiter weiter erklärte, sei die Notwendigkeit eines Neubaus in Bad Nauheim schnell erkannt worden. Im September 2007 sei der Grundstein gelegt worden, im Dezember 2009 habe man die Fertigstellung gefeiert. »Der Umzug der Wingertschule aus Friedberg nach Bad Nauheim war ein ganz großer Schritt«, betonte Stolz. Mit Spannung habe man sich gefragt, wie alles funktionieren werde, viele Emotionen seien damit verbunden gewesen. Hautnah miterlebt hat auch die Bad Nauheimer Stadträtin und Lehrerin Kerstin Eisenreich diese Phase. »Das war keine leichte Entwicklung, Ängste hat es auf beiden Seiten gegeben«, sagte Eisenreich. »Wenn man heute Kollegen auf dem Flur trifft, denkt man allerdings, das war schon immer so.«

Mittlerweile musiziert in den BSG eine zehnköpfige Lehrerband, einzelne Projektgruppen der verschiedenen Berufszweige arbeiten reibungslos miteinander. »Die Fusion im Kollegium und den Klassen hat längst stattgefunden«, unterstrich August Wehrheim vom Personalrat. »Ab jetzt ist es nur amtlich.«

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