16. Februar 2012, 19:08 Uhr

Ortsbeirat: Grünes Licht für 23 neue Häuser

Bad Nauheim-Steinfurth (ihm). Im Mörler Grund im Rosendorf sollen 23 Wohnhäuser errichtet werden. Baugrund ist ein großes Stück Land am Ende der Straße, los geht’s voraussichtlich 2013. Investor ist die R & S Projektentwicklungs-GmbH aus Bad Nauheim. Am Mittwochabend stellte Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) die Pläne im Ortsbeirat vor.
16. Februar 2012, 19:08 Uhr
Hinaus ins Grüne: Wer ein Wohnhaus errichten will, dürfte die Bauplätze im Mörler Grund schön finden. Alteingesessene haben Bedenken. (Foto: ihm)

Das Gremium stimmte geschlossen für die Aufstellung des Bebauungsplans. Bedenken wurden gleichwohl geäußert, auch aus dem Publikum. Die Bürger befürchten vor allem, die Kanalisation könne zu klein sein, um das Mehr an Abwässern aufzunehmen. Patscha unterstrich, zur Sorge bestehe kein Anlass.

»Ich möchte schriftlich, dass mir keine Kosten entstehen. Nicht, dass wir in zehn Jahren zahlen müssen«, betonte ein Zuhörer. Hintergrund: Vor ein paar Jahren kam es im Zuge von Neubauten am Dorngraben und im vorderen Abschnitt des Mörler Grunds zu Pannen mit dem Kanalsystem. Die Kapazitäten reichten nicht, weshalb nachgebessert wurde. Angeblich mussten alteingesessene Anwohner dafür ihr Portemonnaie zücken. Stadtrat Gerhard Hahn (UWG) stieß ins selbe Horn: »Es darf nicht passieren, dass Anwohner zur Kasse gebeten werden.« Sinan Sert (SPD) schlug vor, mit der Abstimmung im Ortsbeirat zu warten, bis die Vorhabenträgerin das vertraglich festgelegte Gutachten zum Kanal vorgelegt hat. Wie Patscha sagte, müsse der Projektentwickler die gesamte Erschließung bezahlen, er sei auch für den Kanalbai zuständig. »Vorher kann er nicht anfangen.« Im städtebaulichen Vertrag sei das festgelegt.

Wie der Fachbereichsleiter zuvor ausgeführt hatte, sei schon öfter über die Bebauung am Mörler Grund diskutiert worden. Aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen habe die städtische Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) abgelehnt, die Bad Nauheimer Projektentwicklungsfirma habe dagegen Interesse. Die 23 Baugrundstücke am Ortsrand in Richtung Kernstadt sollen je 500 Quadratmetern groß, zwei Etagen plus Dachgeschoss erlaubt sein. Die Fläche könne im Norden erweitert werden, das zusätzliche Areal gehöre R & S aber nicht.

Markus Philippi (UWG) wunderte sich: »Die Wobau hält das Projekt aus betriebswirtschaftlicher Sicht für nicht sinnvoll – aber der Private will es machen.« Er erkundigte sich, ob eine Bürgschaft vorliegt, was Patscha bejahte. Grund für das Engagement des Entwicklers sei die »Riesennachfrage nach Wohnbebauung«. Sascha Pfeiffer (UWG) wollte wissen, ob sich bereits Kaufinteressenten für die Eigenheime gemeldet hätten. Patscha bejahte auch das. Stadtverordneter Armin Kreuter (CDU) nannte die Entwicklung erfreulich. Er wies allerdings auf den fehlenden Wendehammer hin. »Die Straße ist ein enger Schlauch. Der Wendehammer wurde weggelassen, weil es hieß, dass im angrenzenden Gebiet irgendwann weitergebaut wird.« Er beantrage die Wendemöglichkeit in der nächsten Bauausschuss-Sitzung, kündigte Kreuter an.

Ein Ehepaar, das am Rand des Neubaugebiets wohnt, hält die geplante Bebauung für zu dicht. »Auch noch zweistöckig. Das ist eine Mulde, da zirkuliert die Luft nicht mehr.« Patscha erwiderte, die Bebauung sei »locker«. Die Höhe passe sich an die bestehenden Häuser an.

»Unsinn mit Ausgleichsflächen«

Ortsvorsteher Thönges appellierte, kein Areal in ökologische Ausgleichsfläche umzuwandeln, das landwirtschaftlich genutzt werden könne. Dieser »Unsinn« müsse aufhören. »Äcker mit Zuckerrüben liefern viel mehr Sauerstoff als Flächen mit Gestrüpp, die keiner pflegen kann.« Patscha dankte für den Hinweis. »Wir können mit dem Entwickler über die Aufwertung bestehender Flächen oder über den Kauf von Ökopunkten reden.« Thema waren auch Parkplätze, sprich: die Angst vor verstopften Straßen. Wie der Fachbereichsleiter erklärte, müsse jeder Bauherr zwei Plätze nachweisen.

Parlament hat letztes Wort

Ein Mann, der »Im Seegarten« wohnt, argumentierte: Anwohner hätten kaum noch Gelegenheit, ein Auto abzustellen. »Was nützen zwei Stellplätze, wenn einer ein Bronzepferd oder einen Springbrunnen dort hinstellt?« Er regte an: »Das sollte man im Nachgang überprüfen.« Laut Thönges müssen sich auch Dorfbewohner von dem Gedanken lösen, stets vor der Haustür einen Parkplatz zu finden.

Der städtebauliche Vertrag mit dem Investor kann geschlossen werden, sobald das Stadtparlament zustimmt.



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