15. Februar 2012, 12:43 Uhr

»Post-Otto«: Ältester Steinfurther feiert 99. Geburtstag

Bad Nauheim-Steinfurth (bk). In kleinen Ortschaften ist der Briefträger eine Institution. Das galt früher, als Otto Walter diesem Beruf nachging, noch mehr als heute. Als »Post-Otto« ist Walter im Rosendorf wohlbekannt, obwohl er schon seit 1978 den Ruhestand genießt. Am Donnerstag feiert der älteste Steinfurther Bürger seinen 99. Geburtstag.
15. Februar 2012, 12:43 Uhr
»Post-Otto« bei einem Ausflug im September 2011. Gerne ließ er sich vor einer Postkutsche ablichten, die noch heute zwischen Bad Kissingen und Schloss Aschach verkehrt. (Foto: pv)

Wie topfit »Post-Otto« für sein Alter ist, beweist die Tatsache, dass er erst zu Beginn dieses Jahres seinen ehrenamtlichen Posten als Kassen- und Schriftführer der Steinfurther Seniorengemeinschaft niedergelegt und in jüngere Hände gelegt hat. Diese Organisation ist Otto Walter besonders verbunden, gehört er doch zu den Gründungsmitgliedern. Seit 1980 arbeitete er im Vorstand mit, galt in seiner Arbeit als besonders präzise. Bei der jährlichen Kassenprüfung fehlte nach Angaben des Vereins nie ein einziger Pfennig oder Cent. Neben Verwandten – Witwer Otto Walter hat eine Tochter, einen Sohn, mehrere Enkel – und Freunden sind es die Mitglieder der Seniorengemeinschaft, die dem »Post-Otto« heute herzlich gratulieren.

Otto Walter hat am 16. Februar 1913 in Gießen das Licht der Welt erblickt. Seine ersten neun Lebensjahre verbrachte er in Nieder-Mörlen, bevor die Familie ins Nachbardorf Steinfurth umzog. Zu diesem Zeitpunkt war der Erste Weltkrieg gerade überstanden, doch als Otto Walter Schule, Ausbildung und erste Berufsjahre hinter sich gebracht hatte, kam es bereits zu Hitlers Vernichtungsfeldzug. Otto Walter musste als Soldat am Zweiten Weltkrieg teilnehmen – auch an der Ostfront. Dort geriet er 1944 in russische Gefangenschaft, vier lange Jahre sollten bis zu seiner Freilassung vergehen.

Nach seiner Heimkehr wurde er zunächst als Postschaffner, dann als Briefträger tätig. Unermüdlich war er von früh bis spät unterwegs, lieferte Briefe und Pakete aus. Er war stets gut gelaunt, hatte für die Kundschaft immer ein nettes Wort parat. In den Anfangsjahren gab es noch keine Briefkästen an den Hofeingängen, der Bote musste den Weg bis zur Eingangstür zurücklegen. Das machte den Beruf anstrengender, aber auch interessanter, weil sich immer Gespräche mit den Bewohnern des Rosendorfs ergaben.

Bis 1978 hielt Otto Walter den körperlich anspruchsvollen Beruf durch, wenig später widmete er sein Engagement der Seniorengemeinschaft. In guter körperlicher Verfassung hielt er sich durch regelmäßiges Radfahren, das er erst vor zwei Jahren aufgab. Eine Ehrung wurde ihm beim städtischen Seniorentag anlässlich der Landesgartenschau zuteil, als Otto Walter zu den ältesten Teilnehmern gehörte.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos