30. Dezember 2011, 16:23 Uhr

Wetterauer denken beim Schenken

Bad Nauheim/Friedberg (hau). Der Zeit »zwischen den Jahren« wird ein blühender Umtausch von Geschenken nachgesagt. Beim Einzelhandel in Friedberg und Bad Nauheim fragte die WZ nach, ob das zutrifft. Das Fazit: wohl nicht. Übereinstimmend erklärten alle Geschäftsleute, dass sich das Tauschen deutlich in Grenzen hielt.
30. Dezember 2011, 16:23 Uhr
Der Trubel täuscht: Tauschen nach dem Fest hält sich in Grenzen.

Fast alle vermuteten, dass die Kunden über die Wünsche ihrer Lieben besser informiert seien und bewusster schenkten. Die wenigen Umtausche seien komplikationslos über die Bühne gegangen. Überdies habe die fast komplette Arbeitswoche »zwischen den Jahren« zur Belebung des Geschäfts beigetragen.

Von deutlich weniger Umtauschwünschen als in den letzten Jahren berichtet Domenico Gasbarrone, zweiter Chef bei Sport Möll in Friedberg. Durch den milden Winter verschiebe sich der Wunsch nach warmen Textilien, die sonst zu den am häufigsten umgetauschten Geschenken gehörten, nach hinten. Dank fachkundiger Beratung könne vielen Transaktionen vorgebeugt werden, erzählt er und ist wieder mitten in der Arbeit: Die ersehnten Skistiefel, die ein Mädchen unterm Christbaum fand, werden dem Fuß angepasst und für gut befunden.

Bei Büro König berichtet Daniel Wallace von drei bis vier Umtauschwünschen. Große Ausnahme ist ein Geschenk, das nicht mal ausgepackt wurde. Ein Gutschein statt des nicht benötigten Inhalts wird verspätetes Festtagsglück bescheren. Zielgerechten Einkauf in seinem Bettengeschäft vermutet Norbert Decher, der sich vom Umtauschen genauso wenig betroffen zeigt wie Mangels Kunsthandwerk. Von einer entspannten Woche berichtet auch Inhaber Ulf Berger bei Lederwaren Steck.

»Komplett geirrt hat sich keiner«, erzählt er, dass höchstens mal ein Gürtel angepasst oder eine zu kleine, zu große oder farblich unpassende Tasche getauscht werde. Die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr begreife er als Chance zum entspannten Einkauf, zumal viele Menschen sie für ihren Weihnachtsurlaub in der Heimat nutzten. Weniger umgetauscht als sonst wurde auch in der Bindernagelschen Buchhandlung, im Porzellanhaus Frick freut man sich auf die vielen Gutscheinbesitzer.

»Wir haben so tolle Sachen, die bringt man nicht zurück«, strahlen David und Sibylle im »Ulenspiegel«. Überdies setzten viele junge Leute ihre Geldgeschenke in Kunsthandwerk um. »Bei uns wird fast alles individuell angefertigt«, sind Ursula und Wolfgang Jung vom Friedberger Beschriftungsladen vom Umtauschen nicht betroffen. Nur die Idee, ihr Geschäft vorübergehend mit dem Schild »Friedberger Weihnachtsladen« zu verschönern, habe für Verwirrung gesorgt. »Manch einer hat uns nicht gleich identifiziert.«

Umtauschen gehöre zum Service, man frage nicht nach dem Grund, erklärt C&A-Filialleiterin Marion Rackensperger. »Die Verbraucher kaufen bewusster und geplanter«, stellt Heinrich Bühler, Geschäftsführer Kaufhaus Joh, seinen Kunden ein gutes Zeugnis aus. Seit Jahren habe das Umtauschen nachgelassen. Daneben gingen meist »Last-Minute«-Geschäfte. Erste Wunschlisten seien Anfang November aufgetaucht. Ulrike Kolter hat in ihrem Schmuckgeschäft die Erfahrung gemacht, dass die »Männer immer vernünftiger werden«, viele schon Anfang November kamen und besonders gut gewählt hätten.

Doppelt geschenkte Pflegecreme

Im Bad Nauheimer Sanitätshaus Winter berichten Inhaber Thomas Winter und seine Angestellten Ursula Haida und Christa Reichel von extrem viel Betrieb »zwischen den Jahren«. Allerdings werde so gut wie nicht getauscht. »In dieser Woche haben viele Arztpraxen auf«, erklärt Winter den Hochbetrieb. Kaum berührt vom Umtauschen zeigen sich im Modehaus Ruths in Bad Nauheim die Beraterinnen Elke Jehner und Marie-Luise Bieler. Beratung oder Gutschein-Variante trügen dazu bei, dass höchst selten einer Farbe oder Größe wegen umgetauscht werde. Im Kaufhaus Weyrauch hält sich der Umtausch in bescheidenen Grenzen, und auch bei Marlene Etzel vom gleichnamigen Elektrogeschäft ist das Tauschen so gut wie kein Thema.

Mehr getauscht wird in der Parfümerie Douglas. »Wir tauschen alles um, das gehört dazu«, erklärt Filialleiterin Katharina Siebert. Sie nimmt sich viel Zeit für typgerechte Beratung. Vom »falschen« Duft bis zur doppelt geschenkten Pflegecreme gebe es nichts, was es nicht gibt. In der Buchhandlung am Park erlebt Hildegard Schürmann die Umtauschzeit als unspektakulär. Kurz vor ihrem Wegzug aus Bad Nauheim macht die langjährige Mitarbeiterin die Erfahrung, dass Bücher kaum getauscht werden.

»Die Leute informieren sich vorab genau über die Wünsche ihrer Lieben und stimmen sich untereinander ab« berichtet Juniorchef Stefan Feigenspan von Bad Nauheimer Spielwarengeschäft. Internet und Fernsehwerbung trügen sicher auch zu gezielterem Einkauf und zu vernachlässigendem Umtauschgeschäft bei. Klassiker wie Lego seien besonders gerne gekauft worden, auch die elektrische Eisenbahn habe die Talsohle durchfahren. Jetzt würde er aber schon an Karneval denken, rät der Profi. Die Saison sei extrem kurz und Nachbestellungen kaum möglich.

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