11. Oktober 2011, 12:03 Uhr

Zwölfjährige sexuell missbraucht: Mehrjährige Haft

Bad Nauheim/Gießen (sha). Er sei »kein Kinderschänder« beteuerte der junge Mann am Montag vor dem Landgericht Gießen. Die Anklage warf dem 24-Jährigen vor, Ende 2010 eine sexuelle Beziehung zu einem damals zwölf Jahre alten Mädchen unterhalten zu haben. Dafür wurde er zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.
11. Oktober 2011, 12:03 Uhr
Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen. (Foto: red)

Bereits zum Prozessauftakt am 22. September hatte der zuletzt in Bad Nauheim lebende Mann gestanden, mit dem Kind fünfmal Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Die Minderjährige habe »viel älter« gewirkt und selbst die Initiative ergriffen. Zudem habe das Opfer ihm versichert, bereits sexuelle Erfahrungen gesammelt zu haben.

Das als Zeugin geladene Opfer gab auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Gertraud Brühl an, in den doppelt so alten Mann verliebt gewesen zu sein. Das mittlerweile 13 Jahre alte Mädchen antwortete der Richterin nur sehr zögerlich und wollte sich an vieles nicht mehr erinnern können. Schließlich bestätigte sie aber, im Oktober des vergangenen Jahres erstmals mit dem Angeklagten geschlafen zu haben. Unüberprüft blieb eine Behauptung der Minderjährigen, im Alter von sechs Jahren vergewaltigt worden zu sein. Derzeit lebt das Opfer in einer Mädchenwohngruppe. Nach eigenem Bekunden gehe es ihr dort gut. Zuvor habe sie unter anderem Alkohol und Haschisch konsumiert. Außerdem sprach sie von Problemen mit ihrer Mutter, gab an, diese geschlagen und die Schule nicht regelmäßig besucht zu haben. Gegenwärtig nehme sie am Unterricht teil und mache »weniger Blödsinn«. Eine ebenfalls anwesende Betreuerin unterstrich allerdings, dass das Opfer bis heute immer wieder von suizidalen Gedanken umgetrieben werde.

Der Angeklagte und das Mädchen hätten eine intensive Beziehung miteinander gepflegt, resümierte Staatsanwältin Yvonne Vockert. Da der junge Mann über das Alter des Opfers informiert gewesen sei, hätte es auch dann nicht zum Geschlechtsverkehr kommen dürfen, nachdem die Zwölfjährige eingewilligt habe, betonte Vockert. Beischlaf mit einem Kind sei schwerer sexueller Missbrauch, ein Verbrechen, da Kinder solche Vorgänge noch nicht beurteilen könnten.

Strafmildernd wirke sich aus, dass beide eine Partnerbeziehung geführt hätten und verliebt gewesen seien. Die fünf Taten könnten deshalb als minderschwere Formen des sexuellen Missbrauchs gewertet werden. In Kombination mit einer Fahrerflucht nach einem Verkehrsunfall im Februar 2011, die der Angeklagte ebenfalls gestanden hatte, forderte die Staatsanwältin, den 24-Jährigen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten zu verurteilen. Verteidiger Jürgen Häller verlangte eine Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten für seinen Mandanten.

Richterin Brühl folgte dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Zwar sei dem Angeklagten sein Geständnis zugute zu halten, aber die »sexuelle Entwicklung eines Menschen wird empfindlich gestört, wenn er als Kind sexuellen Übergriffen Erwachsener ausgesetzt ist«, begründete sie ihr Urteil.



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