20. Juli 2011, 12:45 Uhr

Eine Mondlandschaft im schnellen Wandel

Bad Nauheim (bk). Eine Mondlandschaft verwandelt sich langsam in ein neues innerstädtisches Wohnquartier. Im Baugebiet »Amerikanische Siedlung«, das eine Fläche von gut acht Hektar umfasst, sind überall Kräne zu sehen, die Lasten hieven, Bagger, die Erde bewegen, und Handwerker, die Mauern hochziehen. Eine Ausnahme bilden zahlreiche Grundstücke der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH).
20. Juli 2011, 12:45 Uhr
Erkennbare Fortschritte: In der Housing Area strebt ein Haus nach dem anderen der Fertigstellung entgegen. (Foto: nic)

Deren Vermarktung geht nach Aussage von Hans-Peter Schäfer, Chef der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau), nur »schleppend voran«. Im kommenden Jahr dürfte die neue Housing Area gleichwohl fast komplett sein.

Bei der Umwandlung der ehemaligen US-Siedlung in eine ziviles Wohngebiet haben Stadtverwaltung und Wobau ganze Arbeit geleistet. Schneller als in anderen betroffenen Kommunen wurden die Verhandlungen mit dem Bund als Eigentümer der Armee-Gelände zu Ende gebracht. Nachdem die amerikanischen Soldaten-Familien 2007 ausgezogen waren, erhielt die Stadt im Herbst 2008 den Zuschlag. In Kauf und Erschließung investierte die Wobau 18 Millionen Euro. Vor einem Jahr waren die 139 Grundstücke fast alle vergriffen, kurz danach begannen die ersten Bauherren ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.

Erster Stadtrat Armin Häuser, der im September Bürgermeister wird und damit langfristig in Bad Nauheim bleibt, ist einer der Käufer. Er hat wie die meisten anderen privaten Grundstückskäufer ein frei stehendes Einfamilienhaus errichtet, das als eines der ersten bezugsfertig war. Seit Mai wohnt die Familie Häuser in der »Amerikanischen Siedlung«, die von Frankfurter Straße, Lee Boulevard, Bodestraße und Albert-Einstein-Straße begrenzt wird. »Als die Vermarktung geplant wurde, herrschte die Finanzkrise. Um das Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen, habe wir uns für die Kooperation mit anderen Bauträgern entschieden«, blickt Häuser zurück. Wäre die schnelle wirtschaftliche Erholung absehbar gewesen, hätte die Stadt nach Aussage des künftigen Bürgermeisters vermutlich keine auswärtigen Gesellschaften mit ins Boot geholt.

Preise etwas zu hoch angesetzt?

Schäfer wurde sich zunächst mit der GWH und der Nassauischen Heimstätte als Partner handelseinig. »Die Nassauische Heimstätte hat letztlich verzichtet und die Grundstücke an andere Bauträger weitergegeben«, sagt der Wobau-Geschäftsführer. Geblieben ist die GWH, die nach Angaben von Marc Hohmann, Leiter der Unternehmenskommunikation, 38 Parzellen am West- und Ostrand des Gebiets erworben hat, auf denen vier unterschiedliche Gebäudetypen entstehen sollen, darunter Doppel- und Reihenhäuser.

Der Erste Stadtrat, der jeden Tag einen Blick auf den Baufortgang werfen kann, meint, dass sich frei stehende Einfamilienhäuser in Bad Nauheim besser vermarkten lassen als die GWH-Modelle. Deshalb seien auf den Grundstücken dieser Gesellschaft die Fortschritte noch vergleichsweise gering. »Vielleicht waren auch die Preise etwas zu hoch angesetzt«, sagt der Erste Stadtrat. Ansonsten sei überall Bautätigkeit zu erkennen. Häuser: »Es brummt, die Housing Area ist ein Erfolgsmodell.«

Davon, dass die GWH hinterhinke, kann nach den Worten von Pressesprecher Hohmann nicht die Rede sein. Stück für Stück wickle man das Programm ab. »Zurzeit werden acht Doppelhaushälften gebaut, zwei davon sind veräußert«, erklärt Hohmann. Das heißt im Umkehrschluss: Für alle übrigen der insgesamt 38 Parzellen gibt es noch keine Käufer. Die GWH baue sukzessive, je nachdem wie der Verkauf vorangehe. Mit der Vermarktung habe die Gesellschaft, die rund 50 000 Wohnungen bewirtschaftet, einen Immobilienmakler beauftragt, mit dem man seit Jahren zusammenarbeite. »Jeden Sonntag ist ein Mitarbeiter vor Ort, um Interessenten zu beraten. Dieses Angebot wird gut angenommen«, betont der GWH-Sprecher.

Schäfer will schnellen Straßenendausbau

Wenn alle Häuser stehen, wird das Areal rund 500 Bewohner beherbergen (siehe unten stehenden Kasten), Grünzüge werden sich durch das Gelände ziehen, für Kinder gibt es Spielplätze. Bis dahin werden allerdings noch etliche Monate ins Land gehen. Wobau-Chef Schäfer hofft, 2012 den Straßenendausbau erledigen zu können: »Je länger es dauert, desto teurer wird es für uns, denn die Baupreise steigen.« Hohmann, dessen GWH-Kollegen ständig mit der Wobau in Kontakt stünden, sieht diesbezüglich kein Problem. Die Straßen könnten auch dann in ihren endgültigen Zustand versetzt werden, wenn noch nicht alle neuen Wohnhäuser fertig seien.



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