31. März 2011, 11:20 Uhr

Zurück bleiben Müll, Schäden und Wut

Bad Nauheim-Schwalheim (cor). Wenn ein Besucher das Haus betritt, bemerkt er bereits den Gestank. Schon lässt sich erahnen, was den Betrachter im Obergeschoss erwarten wird. Müllberge, Essensreste in Küche und Wohnraum, Unmengen an Dreck, Löcher in Wänden und Türen - das hier Menschen gelebt haben, scheint auf den ersten Blick unvorstellbar.
31. März 2011, 11:20 Uhr
Einst und jetzt: Der Wohnraum sah früher ordentlich aus (links), jetzt türmen sich Abfälle, die Wände sind verdreckt. (Fotos: cor/pv)

Der Mieter ist längst auf und davon. Mehrere tausend Euro investierte Rentner Günther Kaffenberger vor drei Jahren für die Renovierung des Obergeschosses in seinem Haus in der Salinenstraße. Jetzt kann er wieder von vorne anfangen.

Ein neuer Laminatboden wurde damals verlegt, ein Maler verpasste allen Wänden einen neuen Anstrich, das Bad wurde saniert: Für die 45 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung fand sich schnell ein Mieter, der die Räumlichkeiten nach seinem Auszug in einem tadellosen Zustand hinterließ. Als der Hauseigentümer im September erneut vermietete, ahnte er nicht, was er sich mit Herrn G. ins Haus geholt hatte. »Der machte einen halbwegs vernünftigen Eindruck. Seine bisherige Miete in der Kurstadt sei viel zu hoch, gerne würde er in die renovierte Dachgeschosswohnung einziehen, begründete er sein Interesse«, erzählt Kaffenberger. Die Miete würde problemlos von der Jobkomm übernommen, habe der Mann versichert. Ein Mietvertrag wurde geschlossen.

Doch G. zog nicht alleine ein. Seine Lebensgefährtin sei ständig anwesend gewesen, berichtet Kaffenberger. Der Vermieter erhöhte deshalb die monatliche Nebenkosten-Pauschale um 20 Euro. Alles schien problemlos zu laufen. Doch laut Kaffenberger wurden weder Miete noch Nebenkosten gezahlt. Als der Rentner den Mieter im Oktober erstmals wegen der ausbleibenden Zahlung ansprach, hieß es, die Überweisung erfolge »in den nächsten Tagen«. Kaffenberger: »Aus Tage wurden Wochen, aus Wochen Monate.« Ständig habe es andere Probleme mit dem Mieter gegeben, auch die Polizei sei immer mal wieder eingeschaltet worden. Bei offenem Fenster sei die Heizung auf Hochtouren gelaufen. »Ich habe noch nie so viel Öl benötigt«, sagt der Vermieter.

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Pöbeleien und Schikane hätten bald zum Alltag gehört. Auch die Freundin des Mieters sei immer wieder frech geworden. »Ich erteilte der Frau Hausverbot. Schließlich war ihr Freund der Mieter«, erzählt der Rentner. Das Hausverbot sei konsequent ignoriert worden. Türen im Haus und den Nebengebäuden seien trotz Aufforderung unverschlossen geblieben, der Hauseigentümer führt darauf den Diebstahl eines teuren Hochdruckreinigers zurück. Versuche, eine Gesprächsbasis mit dem Mieter zu finden, seien erfolglos geblieben. Schon in seiner vorherigen Wohnung in der Kernstadt habe sich der Mann ständig mit dem Vermieter gestritten, wie Kaffenberger erfahren haben will. Dort sei es sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen.

Der Hausbesitzer versuchte, die ausstehenden Mieten über die Jobkomm zu erhalten - ohne Erfolg. »Solange wir nicht alle Unterlagen des Mieters vorliegen haben, können wir kein Geld auszahlen«, hat die Behörde laut Kaffenberger geantwortet. Mitte März hatte der Spuk ein abruptes Ende. In einer Nacht- und-Nebel-Aktion verschwand das Paar aus der Wohnung. Zurück blieben Müll, Wohnungsschäden und eine große Portion Wut.

Mittlerweile ist Kaffenberger Mitglied des Vereins Haus & Grund Bad Nauheim. Auf den Renovierungskosten möchte der Rentner nicht sitzen bleiben und hat einen Anwalt eingeschaltet. Der Jurist schickte einen Gerichtsvollzieher vorbei, der zurückgelassene Wertgegenstände des »flüchtigen« Mieters beschlagnahmte. Viel hatte der Mann nicht zu tun. Über den Zustand der Wohnung war der Gerichtsvollzieher nicht überrascht. »Er meinte, was glauben Sie, was ich schon alles gesehen habe«, sagt Kaffenberger. In seiner Not hatte sich der geprellte Vermieter auch an den Wetteraukreis gewandt: »Die Mitarbeiter zeigten zwar Verständnis für meine Situation, eine Möglichkeit zum Eingreifen seitens der Kreisverwaltung bestehe aber nicht. « Immerhin wurde dem Rentner in dem Antwortschreiben gewünscht, dass er künftig mehr Glück bei der Auswahl der Mieter haben möge.

Haus & Grund empfiehlt seinen Mitgliedern eine frühzeitige Überprüfung der Bonität von Mietinteressenten. Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, könne man nicht mehr viel machen. Dem Mieter könnten zwar Kosten in Rechnung gestellt werden, wenn dessen neuer Wohnsitz bekannt ist. Sei der Mieter nicht liquide, komme es aber meist zu einem »Titel ohne Mittel«. Das dürfte auch im Fall von Herrn G. der Fall sein. Doch Kaffenberger gibt nicht so leicht auf, möchte weiter für sein Recht kämpfen.

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