20. Oktober 2010, 19:30 Uhr

Sprudelhof: Geothermie soll Kosten entscheidend senken

Bad Nauheim (bk). Bis 2018 soll die Stiftung Sprudelhof wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. Bis dahin deckt das Land Hessen die Defizite, die beim Betrieb entstehen, und übernimmt zudem die Kosten für die Sanierung des Jugendstil-Ensembles. 50 Millionen Euro werden gezahlt. Als wichtigen Baustein auf dem Weg zum Ziel, in acht Jahren eine »schwarze Null« zu schreiben, sieht Frank Thielmann, hauptamtlicher Vorstand der Stiftung Sprudelhof, die Nutzung der Geothermie zum Heizen der Gebäude.
20. Oktober 2010, 19:30 Uhr
So viel ist klar: Im Badehaus 4 des Sprudelhofs soll ein Jugendstilzentrum entstehen. Das Konzept muss noch präzisiert werden. (Foto: nic)

Optimistisch stimmt ihn ein Gutachten, nachdem sich die notwendigen Investitionen bereits nach drei Jahren amortisiert haben sollen. »Wir müssten keine Fernwärme mehr einkaufen, sondern könnten sogar überschüssige Energie auf dem Markt anbieten«, sagte Thielmann im Gespräch mit der WZ. Das Ergebnis wäre eine deutliche Kostensenkung. Von Bedeutung für die Nutzung der 30 Grad warmen Sole als Energiequelle ist und - falls erforderlich - Sanierung der drei Brunnen im Sprudelhof.

Keine zusätzlichen Bohrungen

Wie berichtet, hatten die Gutachter von der Gerber Ingenieur-Gesellschaft (GIG) in Darmstadt im Auftrag der Stiftung die Chancen der Geothermie geprüft. Nach Angaben der Fachleute müssten in die technischen Anlagen und die Gebäudedämmung 2,34 Millionen Euro investiert werden. Weil keine Heizenergie mehr eingekauft werden müsste, soll sich die Anlage bereits nach drei Jahren bezahlt gemacht haben. Zudem müssten laut GIG-Expertise nur etwa 70 Prozent der gewonnenen Energie in Sprudelhof und Therme verbraucht werden. Die restlichen 30 Prozent könnten verkauft werden. »Dafür müsste allerdings ein Abnehmer gefunden werden«, sagte Thielmann.

Für die geothermische Energiegewinnung seien im Sprudelhof keine zusätzlichen Bohrungen notwendig. Das Wasser, das in den drei Brunnen gewonnen werde, reiche völlig aus. Nach Angaben des Geologen Christian Lehr, stellvertretender Beiratsvorsitzender der Stiftung, werden derzeit pro Stunde rund 50 Kubikmeter des 30 Grad warmen Wassers gefördert. Diese Schüttung und damit auch die Menge der gewonnenen Energie könnte vergrößert werden, wenn man den zurzeit stillgelegten Ernst-Ludwig-Sprudel wieder nutzen würde. »Dieser Brunnen ist abgestellt, um die Entarsenisierungskosten zu verringern«, erläuterte Thielmann. Bekanntlich muss der Sole aufgrund von Umweltschutz-Vorschriften das Arsen entzogen werden, bevor es in die Usa geleitet wird. Daran wird sich nach Angaben des hauptamtlichen Vorstands auch dann nichts ändern, wenn die Geothermie-Anlage installiert werden sollte.

Nachdem das Gutachten vorgelegt worden war, wurden in Politikerkreisen sofort Bedenken laut. Das Gutachten, so die Kritik, beruhe darauf, dem gesamten Quellwasser die Wärme zu entziehen. Folge: Im Thermalbad komme 10 Grad warmes Wasser an, das auf Kosten der Stadt wieder auf »Betriebstemperatur gebracht werden müsste. Diese Bedenken möchte Thielmann ausräumen: »Es ist kein Problem, den Teil der Sole, der in der Therme benötigt wird, 30 Grad warm anzuliefern. Dadurch gingen der Geothermie nur rund 20 Prozent der Energiemenge verloren. Es bleibt auf jeden Fall noch genug, um Sprudelhof- und Thermalbad-Gebäude zu heizen.«

Nach Ansicht von Thielmann und Lehr gibt es keine stichhaltigen Gründe, die gegen die Geothermie-Anlage sprechen. Hauptargumente dafür: Die Stiftung spare 300 000 bis 400 000 Euro pro Jahr an Heizkosten und tue etwas für den Klimaschutz, weil der CO2-Ausstoß reduziert werde.

Was wird aus Badehäusern 5 bis 7?

Wie Thielmann verdeutlichte, wird es die zweite große Aufgabe der nächsten Zeit sein, für die Badehäuser 5 bis 7 zügig ein Nutzungskonzept zu entwickeln. Anschließend könne ein Sanierungsprogramm für den südlichen Teil des Sprudelhofs erarbeitet und umgesetzt werden. »Zurzeit sind wir dabei, eine Mannschaft zusammenzustellen, die sich damit beschäftigt«, erklärte Thielmann. Wie berichtet, war zunächst vorgesehen, diese drei Badehäuser Teil eines Hotels werden zu lassen, für das ein Neubau auf dem Parkdeck entstehen sollte. Dieses Modell ist inzwischen vom Tisch. Ein Hotel könnte - wenn überhaupt - auf der Nordseite des Jugendstil-Ensembles gebaut werden. Somit muss sich die Stiftung Gedanken machen, was aus den Badehäusern 5 bis 7 werden soll.

»Auch bei dieser Planung kooperieren wir eng mit der Koordinierungsgruppe Sprudelhof«, sagte Thielmann. Dieser ehrenamtlich tätige Zusammenschluss von fünf Vereinen (Jugendstilverein, Museenverein, Lokale Agenda, Theater Alte Feuerwache und Freunde des TAF) hatte bereits vor Jahren ein Nutzungskonzept für den Sprudelhof entwickelt.

»Wichtig ist uns vor allem, dass ein möglichst großer Teil des Sprudelhofs für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt«, betonte Clemens Lehr, der für die Lokale Agenda in der Koordinierungsgruppe Sprudelhof (KGS) sitzt. Die Nutzung der einzelnen Gebäude müsse eng verzahnt werden, um Kosten zu reduzieren. Inhaltlich kämen beispielsweise alternative Medizin, Kunst und Kultur in Frage. Die Zusammenarbeit der Stiftungsgremien mit der KGS bezeichnete Lehr als vertrauensvoll: »In der Grundausrichtung ziehen alle an einem Strang, auch wenn es in Einzelfragen unterschiedliche Ansichten gibt.«

Im Gegensatz zum Südflügel ist für die Badehäuser 2 bis 4 klar, wo die Reise hingehen soll. Die Häuser 2 und 3 sollen in den geplanten Therme-Neubau integriert und für Wellness-Zwecke genutzt werden. Fürs Badehaus 4 ist ein Jugendstilzentrum unter der Regie des Jugendstilvereins vorgesehen. Nach Aussage Thielmanns muss der Verein seine Vorstellungen noch präzisieren.

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