05. September 2010, 17:52 Uhr

Ruderer sprinten, Enten schnattern

Bad Nauheim (caj). Ist der Große Teich im Kurpark tatsächlich die Wiege des deutschen Frauenruderns? »Stimmt«, sagt Cornelia Jürgens vom Frankfurter Ruderverein von 1865 - demselben Verein für den ein gewisses Fräulein Stein im Jahre 1875 als erste Frau den Siegerpokal in einem Einer-Rennen absahnte.
05. September 2010, 17:52 Uhr
Zielgerade beim Mixed-Rennen mit drei Booten. Auf der kurzen Rennstrecke müssen die Ruderer nicht mehr wenden, wie es einst bei der traditionellen Regatta auf dem Großen Teich üblich war. (Fotos: caj)

Die Ruderer aus der »Innenstadt« der Mainmetropole taten es ihrer Vorfahrin gleich und schlugen bei der Großherzog-Ludwig-Sprintregatta am Samstag ihre Kontrahenten aus »Frankfurt-Sibirien«. Platz zwei und drei belegten der Frankfurter Ruder- und Kanusportverein Sachsenhausen und der Frankfurter Ruder-Club Fechenheim 1887.

»Es geht heute nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern darum, die Tradition wieder aufleben zu lassen«, sagte Frank Beck vom Regatta-Verein Gießen, der das Rennen organisierte. Aufgeregt waren die 106 Ruderer aus sieben Vereinen im Alter von 12 bis 70 Jahren trotzdem. Beck lief mit seinem Walkie-Talkie von einer Seite des Stegs zur anderen, um die Starts der 14 verschiedenen Rennen abzupassen. Pausenlos legten Fünf-Personen-Boote ab, deren Insassen von ihren Vereinskollegen angefeuert wurden. Neben Frauen-, Männern- und Mixed-Rennen gab’s eine Kinderregatta sowie die Aufteilung nach Anfängern und Fortgeschrittenen.

»Wir sind die Gruftis. Wir haben das Rudern quasi erfunden«, scherzte Thomas Woznik vom Fechenheimer Verein. Mit seinem »Kumpel« Michael Veltum habe er ‘71 und ‘74 die Deutschen Sprintmeisterschaften gewonnen, einmal im Vierer- und einmal im Zweier-Rennen. Die Regatta auf dem Teich hat für die Ruderer eine ganz spezielle Atmosphäre. »Hier versteht sich Freund und Feind. Mit den Blumen ist es noch schöner.«

Dass die Großherzog-Ludwig-Regatta, die im Jahr 1874 zur Unterhaltung der Kurgäste ins Leben gerufen wurde, etwas Besonderes ist - davon ist auch Rolf Beck, Ehrenmitglied des Regatta-Vereins Gießen, überzeugt. Nachdem die Regatta vor fast 130 Jahren eingeschlafen war - wegen eines Wendeverbots für die Boote, das die 4000-Meter-Rennen auf dem Teich unmöglich machte - wurde sie 2002 wiedererweckt. Mit kürzerer Strecke und ohne Umdreh-Manöver. Beck: »Das war meine Idee.« Immerhin hätten viele namhafte Klubs auf dem Kurstadt-Teich ihre ersten Siege errudert.

Vor acht Jahren hatte der Gießener endlich seinen Verein und die Stadt Bad Nauheim für die jährliche Veranstaltung begeistern können. Anfänglich habe es Probleme mit Naturschützern und dem Erna-Ente-Team gegeben. »Die haben es tatsächlich hinbekommen, dass die Regatta 2005 ausgefallen ist.« Nun habe man das Rudern aufs erste September-Wochenende gelegt, weil die Brutzeit der Enten dann vorbei ist. »Sie sehen doch, was hier los ist«, lacht das Ehrenmitglied und zeigt in Richtung der zahlreichen schnatternden Federtiere, die sich den Teich mit den Booten teilen mussten.

Auf den Stufen des Bootsstegs hatten es sich Erster Stadtrat Armin Häuser und die Nachwuchsteams der Frankfurter Vereine gemütlich gemacht. Häuser hatte zum Auftakt eine Gruß- und Dankesrede gehalten. »Wir sind schon etwas nervös«, gestanden die zwölfjährigen Teilnehmer des Kinderrennens, Melissa, Ansgar, Pauline und Rebekka, kurz vor dem Start. »Ich will richtig gut werden, wie mein Vater«, sagte Ansgar stolz. Erstens trainiert sein Vater Manfred Stratthaus die Kinder-Mannschaft des Frankfurter Rudervereins von 1865, zweitens habe er schon 47 Rennen gewonnen.

Am Samstagabend wurde daraus eine 48. Zum dritten Mal in Folge durften die Frankfurter den Pokal mit in ihr Vereinshaus auf der Insel im Main nehmen. Genauer gesagt: ein eingerahmtes Foto der Trophäe. Das wertvolle Original steht im Rathaus, wo es geduldig auf seinen nächsten symbolischen Auftritt wartet - am ersten September-Wochenende 2011.

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