16. Juni 2010, 19:22 Uhr

Folgenschwerer Unfall und schwere Vorwürfe

Bad Nauheim (bk). Den 16. Mai wird Natalia Lerch in unguter Erinnerung behalten: Plötzlich schrie ihr siebenjähriger Sohn Oliver laut auf, der Junge hatte sich an der Parkplatz-Schranke des Vereins Gemeinschaft Usa-Gärten die Hand eingeklemmt.
16. Juni 2010, 19:22 Uhr
Von dieser Schranke geht offenbar ein hohes Unfallrisiko aus: Kürzlich hat ein Junge zwei Fingerkuppen verloren. (Foto: pv)

Zwei Finger mussten wenig später in der Gießener Uniklinik amputiert werden. Lerch, die selbst einen Kleingarten in der Anlage zwischen Bad Nauheim und Friedberg hat, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vereinsvorstand. »Die Verantwortlichen sind über die Gefahr informiert, die von der Schranke ausgeht, weil sich in der Vergangenheit bereits ähnliche Unfälle ereignet haben. Trotzdem wurde nichts unternommen«, sagte die Bad Nauheimerin. Seit einem Monat versuche sie vergeblich, den Klub zum Handeln zu bewegen, zuletzt am Freitag. Auch die Stadtverwaltung wurde von der Familie Lerch inzwischen eingeschaltet. »Der Fachdienst Öffentliche Ordnung wird sich der Sache annehmen und schnellstens für Abhilfe sorgen. Möglicherweise muss die Schranke zunächst einmal abgebaut werden«, betonte Erster Stadtrat Armin Häuser auf Anfrage. Eine Stellungnahme des Vereinsvorstands war gestern nicht zu erhalten. Wie die Ehefrau des 2. Vorsitzenden erklärte, wird sich das Gremium in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen.

 

Mit der Schranke, die offenbar von einem Vorstandsmitglied konstruiert worden ist, soll verhindert werden, dass der Parkplatz von Personen genutzt wird, die dem Klub nicht angehören. Laut Häuser waren dort früher Poller installiert, diese Lösung habe sich aber nicht bewährt. Wie genau sich der Unfall am 16. Mai ereignet hat, kann Natalia Lerch nicht sagen. Vermutlich wurde die Schranke geöffnet, dabei wurde die Hand ihres Sohnes zwischen der Schranke selbst und einem Halterungspfosten eingeklemmt. Der Siebenjährige wurde von einem Bad Nauheimer Arzt sofort in die Uniklinik überwiesen - beide Fingerkuppen waren aber nicht mehr zu retten.

»Wie ich danach erfahren habe, hat sich am 1. Mai letzten Jahres ein ähnlicher Zwischenfall ereignet, ein Mädchen musste im Krankenhaus behandelt werden. Wenige Tage später wurde eine Frau verletzt. Auch mehrere Autos sind aufgrund der unsachgemäß installierten Schranke bereits beschädigt worden«, berichtete die Mutter des kleinen Oliver. Der Vereinsvorstand habe sich nie nach dem Befinden des Kindes erkundigt. »Als ich gefordert habe, die Schranke dauerhaft zu öffnen und mit einer Kette zu sichern, um die Gefahrenquelle auszuschalten, wurde ich angeschrien und beschimpft«, erzählte die Bad Nauheimerin. Ihr gehe es nicht in erster Linie darum, jemand zur Verantwortung zu ziehen, vielmehr müssten weitere Unfälle verhindert werden.

Dafür will die Stadtverwaltung sorgen, wie Erster Stadtrat Häuser versicherte. Die Stadt habe dem Kleingarten-Verein das Gelände an der Usa verpachtet, wie die Zufahrt zum Parkplatz geregelt werde, sei Sache des Vorstands. Häuser zufolge muss eine solche Schranke von den Behörden nicht geprüft und abgenommen werden.

»Einer unserer Mitarbeiter wird sich die Sache anschauen und den Verein gegebenenfalls auffordern, eine Änderung herbeizuführen. Die Sicherheit hat oberste Priorität«, erklärte der Erste Stadtrat. Das liege auch im Interesse des Klubs, auf den jetzt möglicherweise finanzielle Forderungen der Krankenkasse des Opfers und eine Schadenersatzklage zukämen.

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