03. Mai 2010, 18:16 Uhr

Kleingärten: Illegale Toiletten und Sperrmüll statt Gemüse

Bad Nauheim-Schwalheim (jw). Das Areal rund um das Große Rad ist eine Idylle. Doch es gibt einen Schandfleck. Während die meisten Kleingärten sauber gepflegt sind, sieht ein Grundstück aus wie eine Freilicht-Rumpelkammer.
03. Mai 2010, 18:16 Uhr
Kleingärten sollen der Erholung in der Natur und dem Anbau von Obst und Gemüse dienen. So steht’s zumindest im Bundeskleingartengesetz. Sperrmüll, Ödland und wilde Hütten passen hingegen nicht ins Bild.

»Das stinkt zum Himmel«, sagt Trude Malek, eine der Kleingärtnerinnen. Noch etwas anderes wird in nächster Zeit unangenehme Düfte verbreiten: Einige Kleingärtner haben sich Toiletten gebaut, eine Baugenehmigung für die »stillen Örtchen« gibt es nicht. Trude Malek pflanzt in ihrem Kleingarten Kartoffeln, Erdbeeren und Gemüse an, Blumen, Bäume und Sträucher sprießen, der schmale Streifen Land wirkt etwas wild und zerzaust, aber er ist ihr Ein und Alles. »Das ist mein Leben«, sagt die 72-Jährige. Seit 30 Jahren hegt und pflegt sie den Garten, der seit mehr als 100 Jahren in Familienbesitz ist. Am oberen Ende in Richtung der Felder, wo der Raps gerade goldgelben blüht, hat sie sich ein gemütliches Eck eingerichtet: ein Tisch, ein paar Gartenstühle und ein Sonnenschirm stehen dort, hier kann Trude Malek nach der Gartenarbeit ausspannen. Im Sommer, wenn es so richtig heiß wird, dürfte das aber nicht mehr ganz so schön sein. Keine zwei Meter von Tisch und Stühlen entfernt hat der Nachbar gerade eine Toilette gebaut - nicht die einzige in den Kleingärten, obwohl dies eigentlich nicht erlaubt ist.

Wie Malek sagt, sind es nur wenige Kleingartenbesitzer oder -pächter, die sich nicht an die Vorschriften halten. »Da wird Plastik verbrannt, ganze Fässer voll mit Unkraut, das stinkt zum Himmel. Dreck und Unrat liegen herum, die machen hier Bruch und Dalles«, sprich: verwandeln die Idylle in einen heruntergekommenen Ort, mit Hühnern und Tauben, wilden Holzlagern, Sperrmüllsammelplätzen und Betonfundamenten. Das Problem ist im Ort bekannt, der Ortsbeirat hat sich vor einiger Zeit die Situation angeschaut. »Es gibt einige wenige Kleingärtner, die machen, was sie wollen«, sagt Ortsvorsteher Klaus Englert. Auch seitens des Tennisclubs habe es schon Beschwerden gegeben. Sitzt man dort auf der Terrasse, blickt man auf die aus Holz und Plastik zusammengeschusterten Hütten. »Das sieht nicht schön aus«, sagt Englert. »Der Zustand ist unhaltbar, die Schandflecken müssen weg.« Nicht aber die Hütten und die Gärten als solche, doch da liegt das Problem.

Legal oder illegal?

Nach Auskunft der Stadtverwaltung gibt es keinen Bebauungsplan für das Kleingartengebiet. Rechtlich gesehen seien die Gärten illegal, ist aus dem Kreishaus zu erfahren. Obwohl viele Gärten dort schon seit vielen Jahrzehnten bestehen. Trude Malek hat sich mit ihren Beschwerden wiederholt ans Rathaus und an die Bauaufsicht des Wetter-aukreises gewandt, ohne Erfolg, wie sie sagt: »Die machen nichts.« »Wenn das Bauamt tätig wird, müssten alle Kleingärten weg«, hieß es aus der Kreisverwaltung. Das freilich will niemand, nur sollten sich alle Kleingärtner an die Regeln halten, meint Malek.

»Das Problem ist bekannt. Wir sind da dran, um die Situation zu verbessern«, sagt Bürgermeister Bernd Witzel. Die Stadt habe die Gründung eines Kleingartenvereins unterstützt, entsprechende Verträge würden vorbereitet, und in Sachen Baurecht habe man vorgesorgt. »Es gibt einen Aufstellungsbeschluss für die Bauplanung, damit ist gesichert, dass die Gärten nicht wegkommen«, bestätigt Jürgen Patscha, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung im Rathaus. Bürgermeister Witzel ist überzeugt, der Kleingartenverein werde künftig dafür sorgen, dass die Probleme verschwinden. Dann sehe die Anlage am Großen Rad so aus wie die vorbildlichen Kleingärten an der Usa.

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