29. April 2010, 20:58 Uhr

Gourmet-Werkstatt: Mitarbeiter müssen gehen

Bad Nauheim (bk). Mehr als 6000 Mahlzeiten pro Tag werden in der sogenannten Gourmet-Werkstatt im Gewerbegebiet Auf dem Schützenrain zubereitet. Da muss einiges gespült werden, eine Arbeit, die bislang von rund 40 Beschäftigten der Behindertenhilfe Wetterau erledigt wird. Ein Großteil dieser Mitarbeiter dürfte nach dem 30. Juni ihre Stelle verlieren.
29. April 2010, 20:58 Uhr
In der »Gourmet-Werkstatt« wird nicht nur gekocht, auch einige Mitarbeiter »kochen«: Sie verlieren zum 30. Juni ihren Arbeitsplatz. (Foto: nic)

Bad Nauheim (bk). Mehr als 6000 Mahlzeiten pro Tag werden in der sogenannten Gourmet-Werkstatt im Gewerbegebiet Auf dem Schützenrain zubereitet. Da muss einiges gespült werden, eine Arbeit, die bislang von rund 40 Beschäftigten der Behindertenhilfe Wetterau erledigt wird. Ein Großteil dieser Mitarbeiter dürfte nach dem 30. Juni ihre Stelle verlieren. Wie Sprecher der Gourmet-Werkstatt GmbH und der Behindertenhilfe auf WZ-Anfrage bestätigten, wird die Kooperation zur Jahresmitte beendet. Neuer Betreiber wird die Offenbacher Klinik-Management und -Service (OKM) GmbH, eine Tochtergesellschaft des Klinikums Offenbach, die ohnehin zu 49 Prozent an der »Gourmet-Werkstatt« beteiligt ist. Zu den Gründen, warum die bisherigen Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, gibt es - wie oft in solchen Fällen - unterschiedliche Aussagen.

Version Nummer eins stammt von Reinhold Medebach, Geschäftsführer der Behindertenhilfe Wetterau. Eigenen Angaben zufolge hatte er im letzten Jahr mehrfach versucht, mit den Verantwortlichen der »Gourmet-Werkstatt« über Änderungen der Vertragsbedingungen ins Gespräch zu kommen. »Es gab keine Reaktion, deshalb habe ich den Vertrag zum 31. Dezember fristlos gekündigt. Erst danach kam es zu Verhandlungen«, sagte Medebach gegenüber der WZ. Die Behindertenhilfe sei nicht in erster Linie an einer deutlichen Steigerung des Salärs interessiert gewesen, sondern an einer längeren Vertragslaufzeit. »Wir erfüllen alle tariflichen Leistungen und müssen deshalb mittelfristig planen können«, erklärte der Geschäftsführer.

Er habe deshalb eine dreijährige Vereinbarung mit einer Laufzeit bis 2012 angestrebt. Das sei abgelehnt worden. »Als Kompromissvorschlag wollte ich die finanziellen Vorstellungen der Gegenseite für 2010 akzeptieren, für die beiden Folgejahre sollte lediglich die Tariferhöhung draufgelegt werden«, erläuterte der Geschäftsführer. Im Gegenzug sollte die »Werkstatt« die längere Vertragsdauer akzeptieren. Letztlich sei es zu keiner Einigung gekommen.

Laut Medebach sind rund 40 Beschäftigte betroffen, wobei etwa 15 eine Behinderung hätten. Bei den restlichen Angestellten handele es sich meist um frühere Langzeitarbeitslose, die von der Jobkomm vermittelt worden seien. »Die Mitarbeiter hängen jetzt erst einmal in der Luft. Wir versuchen, einige an anderer Stelle unterzubringen.« Zudem habe die OKM GmbH, von der die Spülküche ab 1. Juli betrieben wird, in der »Gourmet-Werkstatt« eine Stellenausschreibung ausgehängt. Nach Informationen Medebachs haben sich 10 bis 15 Beschäftigte beworben. Zu den Bedingungen, unter denen bei OKM gearbeitet wird, war nichts zu erfahren.

Ein Sprecher des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW), das mit 51 Prozent an der Gourmet-Werkstatt GmbH beteiligt ist, machte dagegen vor allem unterschiedliche Vorstellungen über die Höhe der finanziellen Leistungen für das Ende der Kooperation verantwortlich. Die Nachbesserungsforderungen der Behindertenhilfe seien nicht akzeptabel gewesen. Letztlich trenne man sich in gegenseitigem Einvernehmen, die Behindertenhilfe bleibe auf anderem Gebiet Vertragspartner des GZW. Wie der Sprecher weiter erklärte, blieben in der Spülküche alle Arbeitsplätze erhalten. Es werde versucht, möglichst viele der bisherigen Beschäftigten zu übernehmen, vor allem diejenigen mit einem Handicap.

Von einem »riesig guten Angebot«, das der Behindertenhilfe unterbreitet worden sei, sprach Bürgermeister Bernd Witzel, der Aufsichtsratsvorsitzender der GmbH ist. »Wir waren bereit, deutlich mehr zu zahlen. Ich weiß nicht, warum die Behindertenhilfe nicht akzeptiert hat. Damit werden die vielen Arbeitsplätze leichtfertig aufs Spiel gesetzt«, betonte Witzel. Der Aufsichtsratsvorsitzende zeigte sich zudem verwundert darüber, dass Medebach in dieser Sache nie das Gespräch mit ihm gesucht habe.

Die »Gourmet-Werkstatt« hatte Mitte 2008 ihren Betrieb aufgenommen. Mit Essen beliefert werden in erster Linie Kliniken, außerdem Kindergärten, Schulen und Seniorenheime. Im letzten Jahr erzielte die GmbH nach Angaben der Geschäftsführung einen Umsatz von 6,8 Millionen Euro und einen Überschuss von 50 000 Euro.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeitnehmer
  • Behindertenhilfe-Organisationen
  • Gewerbegebiete
  • Mahlzeiten
  • Wetterau
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen