08. April 2010, 18:36 Uhr

Götter, Griechen und Geschichten auf dem Planetenweg

Bad Nauheim/Fulda. Wenn bei der Landesgartenschau ab April mehr Besucher nach den Sternen sehen sollten als nach Blumen, Beeten und Bäumen, dann liegt das an der künstlerischen Energie des Bildhauers Rainer Landgraf (59) aus Fulda. In seiner Werkstatt am Fuße des früheren Fuldaer Militärflugplatzes Sickels hat er geschweißt und gehämmert, vor allem aber geschraubt und poliert. Landgraf hat zehn Skulpturen für den neuen Bad Nauheimer Planetenweg geschaffen.
08. April 2010, 18:36 Uhr
Wehrhaft: Besonders spektakulär hat Bildhauer Rainer Landgraf Mars, den Gott des Krieges, gestaltet. (Fotos: Nies)

Rainer Landgraf hat zu jedem der zehn Planeten im Sonnensystem eine Plastik kreiert, am imposantesten und größten die Sonne, wie sie von Sonnengott Apollo über den Horizont gehoben wird, am kleinsten der Merkur mit den Flügeln, die der Götterbote Merkur trug. »Ich habe mich von der griechisch-römischen Mythologie inspirieren lassen. Hat der Himmel nicht etwas Mythisches, Rätselhaftes? Die Geschichten der Griechen über ihre Götter sind eine echte Inspiration. Die Grundideen sind mir schnell gekommen. Wenn man erst noch lange grübeln muss, wird es nichts«, sagt der Bildhauer.

Der Jupiter, oberster Gott der Römer, sendet Blitze aus. Im Pluto, benannt nach dem Gott der Unterwelt, wirft der Betrachter einen Blick auf den Fluss Styx, auf dem Fährmann Charon die Seelen in das Totenreich bringt. Auf der Venus sitzt die Göttin der Liebe und der Schönheit. Neptun, Gott des Meeres, ist mit einem Dreizack dargestellt, Uranus, Gott des Himmels, mit einer Krone. Die Erde, mit symbolhafter Vegetation und Pflanzen, trägt ein menschliches Gesicht.

Besonders spektakulär ist der Mars gelungen, der Gott des Krieges auf seinem Streitwagen. Die Skulptur besteht wegen der roten Farbe des Planeten aus rostrotem Eisen. Die übrigen Figuren sind aus Eisen oder Bronze, die Sonnenkugel aus rostfreiem VA-Stahl, die meisten übrigen Planeten aus Granit, die Erde aus Quarzit, einem harten Sandstein. Bis auf die Sonne werden alle Skulpturen auf rund zwei Meter hohen Basaltsäulen ruhen.

Der Planetenweg, bei dem die Darstellungen der zehn Himmelskörper auf einer Strecke von zwei Kilometern im Verhältnis der tatsächlichen Entfernungen aufgestellt wurden, war eine Idee der Volkssternwarte Wetterau. Unser Sonnensystem, das sich über eine Entfernung von sechs Milliarden Kilometern erstreckt, wird im Maßstab 1:2,8 Milliarden dargestellt. Das heißt: Jeder Schritt eines Fußgängers entspricht in der Realität einer Strecke von 2,8 Millionen Kilometern. Die Sonne wird im Goldsteinpark aufgestellt, wo der Weg beginnt, der Pluto, zu dem eine Sichtverbindung bestehen wird, an der Sternwarte auf dem Johannesberg, wo die Verbindung endet.

Im Februar 2008 war Landgraf erstmals in Bad Nauheim: Seine Entwürfe sorgten bei Landesgartenschau-Geschäftsführer Hartmut Kind und den anderen Verantwortlichen sofort für Begeisterung. Neun Monate arbeitete er an den Skulpturen. Bei seiner künstlerischen Tätigkeit hatte der leise und zurückhaltende Bildhauer freie Hand. Einzige Bedingung: Er sollte etwas Spektakuläres schaffen. Das dürfte ihm, in aller Bescheidenheit, gelungen sein.

 

 

Bereits 1995 hatte der der Volkssternwarten-Verein die Idee für einen Planetenweg - realisiert werden konnte sie erst im Vorfeld der LGS. Die erste der zehn tonnenschweren Skulpturen steht im Goldsteinpark, weitere Stationen sind Bahnhof, Kurpark, Kriegerdenkmal und Johannisberg. Die Kunstwerke betonen die Sichtachse Goldsteinturm-Johannisberg.

Der Betrachter soll nicht nur die Kunst von Rainer Landgraf genießen, sondern auch ein Gefühl für Größen und Entfernungen der Himmelskörper entwickeln. Die Volksternwarte stellt Infotafeln auf. Die Planeten sind inzwischen alle platziert, eingeweiht wird der Weg am 21. April. Volker Nies

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