23. März 2010, 18:46 Uhr

Grausiger Fund auf dem Kernstadt-Friedhof

Bad Nauheim (bk). Einen grausigen Fund hatten städtische Arbeiter am 20. Januar auf dem Kernstadt-Friedhof gemacht: Sie waren nach Polizeiangaben in der oberen Erdschicht auf eine Plastiktüte mit in Zelltüchern eingewickelten Babyknochen und einer Nabelschnurklemme gestoßen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dort bereits vor einigen Jahren die Leiche eines neugeborenen Säugling vergraben worden war, und bittet um Hinweise.
23. März 2010, 18:46 Uhr
Der Kernstadt-Friedhof: Städtische Bedienstete stießen hier bei Erdarbeiten auf eine Plastiktüte mit den Überresten eines neugeborenen Säuglings. (Foto: nic)

Die Ermittler wandten sich erst gestern an die Öffentlichkeit, weil sich die gerichtsmedizinischen Untersuchungen in die Länge gezogen hatten. Wie Polizeipressesprecher Jörg Reinemer und Oberstaatsanwalt Reinhard Hübner (Gießen) mitteilten, hatten die Bediensteten der Stadt am 20. Januar auf dem Friedhof Erdarbeiten zu erledigen. Zwischen einem Fußweg und dem Rand eines Grabes bemerkten die Arbeiter knapp unter der Erdoberfläche eine Plastiktüte. Darin befanden sich die Skelettknochen eines Neugeborenen, die in Zelltüchern eingewickelt waren, und die Nabelschnurklemme.

Die städtischen Angestellten verständigten sofort die Polizei. Ermittlungen und Untersuchungen durch die Gerichtsmedizin setzten ein. »Die Gerichtsmediziner gehen davon aus, dass es sich um Knochen eines Säuglings handelt, der sich neun Monate im Mutterleib befand und nach der Geburt gelebt hat«, betonten Reinemer und Hübner. Vermutet wird, dass das Kind tot war, als es vergraben wurde. Wie Reinemer auf Anfrage sagte, habe die gerichtsmedizinische Untersuchung diese Frage aber nicht abschließend beantworten können. Die Überreste des Babys dürften vor mindestens drei Jahren auf dem Friedhof vergraben worden sein. Vermutlich lag die Plastiktüte schon einige Jahre länger auf dem Gelände an dar Homburger Straße.

»Klemme kommt besondere Bedeutung zu«

Bislang hat die Kriminalpolizei in diesem Fall noch keine konkreten Erkenntnisse. Deshalb wenden sich die Behörden jetzt an die Öffentlichkeit und bitten um Hinweise. Die Knochen waren laut Reinemer mit Zelltüchern umwickelt, wie sie in Krankenhäusern bei Neugeborenen Verwendung finden. Diese Tücher waren wiederum in Plastiktüten verpackt. Die Herkunft dieser Tücher, Tüten und der Nabelschnurklemme konnte bislang nicht geklärt werden. »Der Klemme kommt eine besondere Bedeutung für die Fahndung zu: Wie sämtliche Nachforschungen bei Herstellern im deutschsprachigen Raum ergeben haben, wird eine solche Klemme hierzulande weder vertrieben noch verwendet«, erklär-te der Polizeisprecher.

Deshalb stellen sich für die Ermittler folgende Fragen: Woher stammt die Nabelschnurklemme? In welchem Land findet diese Art Verwendung? Wem ist vor einigen Jahren etwas aufgefallen, das mit der Angelegenheit in Zusammenhang stehen könnte? Wer Hinweise zu dem Fall geben kann, wird gebeten, sich an die Polizei in Friedberg, Telefon 0 60 31/6010, zu wenden.

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