08. Februar 2010, 19:26 Uhr

Hoffnungsvolle Botschaft für Brückbauer-Team

Bad Nauheim (bk). Bei Renault-Brückbauer soll es weitergehen: Diese hoffnungsvolle Botschaft verbreiteten gestern der vorläufige Insolvenzverwalter Arno Wolf und Geschäftsführer Ralph Pöbel. Aufgrund enormer wirtschaftlicher Schwierigkeiten hatte der Chef des Autohauses am Freitag den Gang zum Amtsgericht Friedberg antreten müssen, um dort einen Insolvenzantrag zu stellen.
08. Februar 2010, 19:26 Uhr
Auf den Hof von Renault-Brückbauer sollen in den nächsten Tagen möglicherweise einige Pkw zurückkehren, um den Verkauf wieder ankurbeln zu können. (Foto: nic)

»Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer sind bis zum 1. Mai gesichert, bis dahin führen wir den Betrieb in gewohnter Qualität fort«, betonte Rechtsanwalt Wolf aus Kronberg. Kritik übte Pöpel im Gespräch mit unserer Redaktion an der Renault-Zentrale, die ihm zunächst Unterstützung im »Chaosjahr 2010« zugesagt, aber kurzfristig wieder den Rückzieher gemacht habe. »Daraufhin habe ich rechtzeitig die Reißleine gezogen«, sagte der Geschäftsführer der Brückbauer GmbH.

Wolf ist für die auf Insolvenzverfahren spezialisierte Kanzlei Amend tätig, die unter anderem bereits die BMW Kohlhas GmbH und die Firma Schrenk Reisemobile saniert hat. Er möchte jetzt in erster Linie das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, denen er »erhebliche Preisnachlässe« bei Werkstattaufträgen ankündigte. Das Brückbauer-Team sei voll leistungsfähig, alle Reparatur- und Servicearbeiten könnten erledigt werden. Der Kronberger Rechtsanwalt ist überzeugt, dass die Umsätze mit Beginn der Frühjahrssaison wieder anziehen werden.

»Insolvenz bedeutet nicht immer das Ende, mit den richtigen Maßnahmen birgt sie häufig die große Chance für den Betrieb und die Mitarbeiter, einen Übernahmeinteressenten zu finden«, erklärte der Rechtsanwalt. Renault Deutschland habe »großzügige Unterstützung« angekündigt.

Das sah bis vor kurzem anders aus. Die Renault-Bank ließ am Donnerstag sämtliche Neuwagen und gebrauchten Pkw vom Firmengelände an der Kreisstraße zwischen Bad Nauheim und Friedberg abziehen. Das bezeichnete der vorläufige Insolvenzverwalter als »typische Vorsichtsmaßnahme«. Wolf: »Die wussten ja nicht, wer da jetzt kommt, die haben auch ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit den Verwaltern.« Der Jurist hat eigenen Angaben zufolge die Verhandlungen mit den Verantwortlichen in der Zentrale aufgenommen, der Händlervertrag sei nicht gekündigt. Ziel ist der Erhalt von Brückbauer. Man wolle sich zusammensetzen, um so schnell wie möglich zu einer Lösung zu kommen. Dabei werde das Thema Verkauf eine zentrale Rolle spielen. »Wir brauchen Pkw - wir sind ein Autohaus und kein reiner Werkstattbetrieb«.

Aufgrund der andauernden Wirtschaftskrise sei vor allem der Umsatz kleinerer Händler nach dem Auslaufen der Abwrackprämie eingebrochen. Mithilfe der Konjunkturspritze des Bundes wurden Wolf zufolge oftmals die Defizite aus den Jahren 2007 und 2008 ausgeglichen. Für ein »auskömmliches Polster«, um das Krisenjahr 2010 zu überstehen, reiche es nicht.

Pöpel: Gerechter Ausgleich nötig

Auch Ralph Pöpel macht in allererster Linie die allgemeine Krise für die Probleme bei Brückbauer verantwortlich: »Nach dem guten Jahr 2009 sind die Prognosen eine einzige Katastrophe - und keiner weiß, wann es wieder aufwärts geht.« Den Insolvenzantrag habe er relativ schnell gestellt, um eine möglichst große Sanierungschance zu haben. Pöpel hat in der Vergangenheit die Unterstützung aus der Renault-Zentrale vermisst, daraus machte gestern keinen Hehl. »Die Autoproduzenten machen satte Gewinne, die Händler satte Verluste«, sagte der Brückbauer-Chef. Es müsse zu einem »gerechten Ausgleich« kommen, unter den derzeitigen Bedingungen sei eine Niederlassung kaum noch vernünftig zu führen.

Pöpel ist ebenfalls recht optimistisch, was den Fortbestand von Brückbauer angeht. Eine Liquidation der Firma kann und will er sich nicht vorstellen: »Wir werden 2011 unser 50-jähriges Jubiläum als Renault-Vertragshändler feiern.« Gerade für viele Bad Nauheimer sei Brückbauer lange Jahre ein zuverlässiger Partner. In der Kurstadt habe Renault einen Marktanteil von über zehn Prozent. Das ist aus Sicht des Geschäftsführers ein Pfund, mit dem sich in den Verhandlungen mit Renault Deutschland wuchern lässt, zumal Brückbauer der einzige Händler im Kreisgebiet ist. Deshalb rechnet Pöpel noch in dieser Woche mit der Rückkehr einiger Pkw, um den Verkauf wieder ankurbeln zu können.

Der vorläufige Insolvenzverwalter informierte die 21 Mitarbeiter über den aktuellen Stand der Dinge. Wolf und Pöpel rechnen damit, dass sich alle Beschäftigten engagieren, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. »Ich bin sehr froh, dass es erst mal weitergeht. Wir wussten ja anfangs gar nicht, was mit uns passiert, wir haben Familie, Kinder«, sagte ein Mitarbeiter.



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