05. Januar 2010, 18:26 Uhr

Ärztestreik in der DRV: Ende ist nicht abzusehen

Bad Nauheim (bk). Die Tarifauseinandersetzung zwischen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und der Ärztegewerkschaft Marburger Bund über Bezahlung und Arbeitsbedingungen von Medizinern in Reha-Kliniken dauert bereits seit einem Jahr an - und ein Ende ist nicht absehbar. Gestern traten die Ärzte bundesweit erneut in den Streik, darunter auch einige Beschäftigte der Kliniken Taunus und Wetterau (beide Rehazentrum Bad Nauheim der DRV Bund) und des Rehazentrums am Sprudelhof (DRV Hessen).
05. Januar 2010, 18:26 Uhr
Vom Marburger Bund zum Streik aufgerufen sind auch die Ärzte des Rehazentrums am Sprudelhof. (Foto: nic)

Wie viele Mediziner aus der Kurstadt die Arbeit niedergelegt haben, war nicht genau zu erfahren. »In den drei Häusern sind etwa 40 Ärzte beschäftigt. Von den Medizinern, die streiken dürfen und nicht im Urlaub sind, haben sich rund 50 Prozent beteiligt«, sagte Andreas Wagner, stellvertretender Geschäftsführer des Marburger Bunds Hessen, im Gespräch mit der WZ. Aus der DRV-Zentrale in Berlin verlautete auf Anfrage, die Gewerkschaftsaktionen hätten keine Auswirkungen. Nach Informationen unserer Redaktion soll es durch die Streiks dagegen zu Problemen bei der Aufnahme von Patienten und damit zu Einnahmeverlusten kommen.

Erste Streiks im Rahmen der Auseinandersetzung hatten sich im März letzten Jahres ereignet. Damals waren leitende Angestellte der beiden Rehazentren noch zum Gespräch mit der WZ bereit, inzwischen wurde den Verantwortlichen von der DRV-Zentrale offensichtlich ein »Maulkorb« verpasst. Aus beiden Häusern hieß es »kein Kommentar«, zuständig für Auskünfte sei die DRV-Verwaltung in der Bundeshauptstadt. Die dortigen Mitarbeiter zeigten sich allerdings wenig auskunftsfreudig. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass sich nur wenige Ärzte beteiligten. »Auswirkungen des Streiks werden durch rechtzeitige organisatorische Maßnahmen abgewendet«, hieß es weiter.

Nach WZ-Informationen verursacht die Arbeitsniederlegung dagegen durchaus Probleme, zumindest in den Kliniken Taunus und Wetterau. Während des Streiks im März 2009 hatten etwa 75 Prozent der angemeldeten Rehapatienten abgesagt, nachdem sie über die Aktion des Marburger Bundes informiert worden waren. Einige hatten Termine verschoben, nicht wenige waren auf andere Kliniken ausgewichen. Als Folge hatte das Rehazentrum Bad Nauheim einen deutlichen wirtschaftlichen Schaden zu verbuchen.

Wenn der aktuelle Streik länger anhält - Näheres war dazu gestern nicht zu erfahren - dürften die Konsequenzen ähnlich aussehen, zumal sich ein Teil des Personals im Urlaub befindet. Wegen der zurückliegenden Feiertage haben die Rehakliniken derzeit kaum Patienten, jetzt sollten sich die Betten eigentlich wieder füllen. Da kommt der Streik ungelegen. Wie gestern verlautete, können Rehakliniken ohnehin nur bei voller Belegung wirtschaftlich arbeiten.

Nach Angaben von Wagner hat sich der Marburger Bund gezwungen gesehen, wieder zum Mittel des Streiks zu greifen. Nach der Aktion im März habe die Ärztegewerkschaft ein halbes Jahr lang mit der DRV verhandelt - vergeblich. »Der Arbeitgeber hat sich nicht bewegt, deshalb mussten wir die Gespräche abbrechen«, sagte der stellvertretende Geschäftsführer. Der Marburger Bund fordert in erster Linie einen »arztspezifischen Tarifvertrag« für die bei der DRV in Krankenhäusern und der Verwaltung beschäftigten Mediziner. Die DRV berufe sich dagegen auf einen existierenden Tarifvertrag, der mit der Gewerkschaft ver.di geschlossen wurde. Wagner: »Die Ärzte in DRV-Häusern verdienen zehn Prozent weniger als Kollegen in kommunalen Krankenhäusern. Wir fordern eine Anpassung. Auch die Arbeitsbedingungen sind schlechter.«

Völlig anders wird die Situation in der DRV-Zentrale beurteilt. Man habe dem Marburger Bund ein Angebot unterbreitet, das eine monatliche Entgeltsteigerung von durchschnittlich 360 Euro beinhalte. »Diese Anhebung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als völlig unzureichend zurückzuweisen, ist in keiner Weise nachzuvollziehen«, heißt es vonseiten der DRV. Auch die Kritik an den Arbeitsbedingungen sei schlicht falsch. Das Gegenteil sei der Fall: Die DRV-Ärzte müssten viel weniger Wechselschichten, Nacht- und Wochenenddienste sowie Rufbereitschaft leisten als ihre Kollegen in Akutkrankenhäusern.

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