11. Dezember 2009, 17:18 Uhr

»Gewalt hat bei Jugendlichen eine neue Dimension erreicht«

Bad Nauheim (cor). Der Konsum von Alkohol und Nikotin beginnt immer früher. Das derzeitige Einstiegsalter liegt bei zehn bis elf Jahren. Gewaltdelikte von Jugendlichen nehmen zu, und Verhaltensprobleme beginnen immer häufiger bereits im Kindergartenalter. Seit nunmehr drei Jahren wird im Rahmen von Kiks up, dem ganzheitlichen Präventionsprogramm aus Bad Nauheim, in den Kindertagesstätten mit großem Erfolg das Sucht- und Gewaltpräventionsprogramm Papilio angeboten.
11. Dezember 2009, 17:18 Uhr
Die zertifizierten Erzieherinnen mit Kiks-up-Verantwortlichen, Politikern und Verwaltungsmitarbeitern. (Foto: cor)

Bad Nauheim (cor). Der Konsum von Alkohol und Nikotin beginnt immer früher. Das derzeitige Einstiegsalter liegt bei zehn bis elf Jahren. Gewaltdelikte von Jugendlichen nehmen zu, und Verhaltensprobleme beginnen immer häufiger bereits im Kindergartenalter. Seit nunmehr drei Jahren wird im Rahmen von Kiks up, dem ganzheitlichen Präventionsprogramm aus Bad Nauheim, in den Kindertagesstätten mit großem Erfolg das Sucht- und Gewaltpräventionsprogramm Papilio angeboten. Papilio wird vom hessischen Sozialministerium, der AOK, der Landesstelle für Suchtfragen und den hessischen Fachstellen für Suchtprävention getragen. Weitere Erzieherinnen haben am Donnerstagabend ihre Papilio-Zertifikate erhalten.

Das Präventionsprogramm richtet sich an Kinder von vier bis sieben Jahren und legt einen wichtigen Grundstein für eine psychosoziale Entwicklung. Mit einem speziellen Programm auf drei Ebenen lernen die Kinder, mit sich selbst und anderen umzugehen, eigene und fremde Gefühle einzuordnen sowie soziale Regeln spielerisch umzusetzen. Am »Spielzeug-macht-Ferien-Tag« wird einmal pro Woche bewusst auf Spielzeug verzichtet. Die Kinder entwickeln so eigene kreative Ideen. Mit »Paula und den Kistenkobolden« werden anhand von Marionetten Gefühle und sozial-emotionale Kompetenzen gefördert. Beim »Meins-deins-deins-unser-Spiel« werden spielerisch Regeln erlernt.

Für die Erzieherinnen bedeutet dies eine große Herausforderung. In einem sechstägigen Basisseminar werden theoretische Grundlagen zu den Schwerpunkten Sucht, Gewalt und Prävention und ein entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten thematisiert. Es folgen eine Qualitätssicherung und Umsetzung vor Ort. In Vertiefungsseminaren werden Beobachtungen und Dokumentationen bearbeitet, bevor ein Abschlussbericht folgt. Es ist ein langer und intensiver Weg, bis die Fortbildung abgeschlossen ist.

Wie die Programmtrainer Jochen Mörler (städtischer Fachdienst Soziales und Sport) und Guido Glück (Fachstelle Suchtprävention des Wetteraukreises) erklärten, haben mittlerweile 82 Erzieherinnen aus Bad Nauheim an einem Seminar teilgenommen, 25 sind zertifiziert. Bürgermeister Bernd Witzel dankte den Erzieherinnen der Kitas »Sonnenhügel« Rödgen und »Zauberwald« Steinfurth. »Programme wie Papilio vermitteln den Kindern die Kompetenzen, die sie im Leben brauchen«, betonte Witzel. Er appellierte an Eltern, das Programm mitzutragen. »Es ist ein wichtiges Projekt, das angestoßen wurde«, sagte Landrat Joachim Arnold. Gewalt habe bei Jugendlichen eine neue Dimension erreicht. Die Eltern müssten dafür sensibilisiert werden. »Kinder sind auch den gesellschaftlichen Veränderungen ausgesetzt, leben teilweise in schwierigen Situationen«, erklärte Arnold. Man könne den Kindern helfen, stark zu werden, zu stark für Gewalt, Alkohol und Drogen.

Am Donnerstag erhielten folgende Erzieherinnen ihr Zertifikat: Sandra Schier, Reyhan Gidergi, Heike Mörler, Heike Riedel und Katrin Zimmermann (Kita »Sonnenhügel« in Rödgen) sowie Anna Luise Daus, Daniela Schaub, Annerose Fauerbach, Rita Esposito und Beate Zimmer (Kita »Zauberwald« in Steinfurth).



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos