Bad Nauheim

Gewerbeflächen: Stadt will Vermarktung forcieren

Bad Nauheim (bk). Beim Verkauf städtischer Gewerbeflächen geht es zu wie im privatwirtschaftlichen Geschäftsleben: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. In Zeiten der Wirtschaftskrise sind Unternehmen verunsichert und wagen kaum größere Investitionen wie den Bau eines neues Firmensitzes. Klopft eine Betriebsleitung an die Rathaustür und zeigt Interesse an einem Grundstück, muss die Verwaltung derzeit gewisse Zugeständnisse machen.
04. Dezember 2009, 21:22 Uhr
An diesem Areal am Ende der Straße In der Hub im Gewerbegebiet Auf dem Schützenrain zeigt eine Bad Nauheimer Firma Interesse.	(F
An diesem Areal am Ende der Straße In der Hub im Gewerbegebiet Auf dem Schützenrain zeigt eine Bad Nauheimer Firma Interesse. (Foto: nic)

Bad Nauheim (bk). Beim Verkauf städtischer Gewerbeflächen geht es zu wie im privatwirtschaftlichen Geschäftsleben: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. In Zeiten der Wirtschaftskrise sind Unternehmen verunsichert und wagen kaum größere Investitionen wie den Bau eines neues Firmensitzes. Klopft eine Betriebsleitung an die Rathaustür und zeigt Interesse an einem Grundstück, muss die Verwaltung derzeit gewisse Zugeständnisse machen. Aktuelles Beispiel ist eine Parzelle im Gewerbegebiet Auf dem Schützenrain, das nach Angaben von Bürgermeister Bernd Witzel gemäß der städtischen Eröffnungsbilanz einen Bruttowert (inklusive Erschließungskosten) von 100 Euro pro Quadratmeter hat. Die Bad Nauheimer Firma, die das rund 1750 Quadratmeter große Grundstück am Ende der Straße In der Hub erwerben möchte, hat nach von Witzel bestätigten Informationen unserer Zeitung 85 Euro geboten und gleichwohl gute Chancen, den Zuschlag zu erhalten. Die Entscheidung steht allerdings noch aus: Der Magistrat hat das Thema in seiner letzten Sitzung vertagt.

Witzel hält den Preis von 85 Euro offenbar für angemessen. Der Nettowert (ohne Erschließung) für diese Parzelle liege lediglich bei 63 Euro pro Quadratmeter. Allerdings ist das gesamte Gewerbegebiet bereits erschlossen. Das Argument, früher seien für Gewerbeflächen um die 130 Euro/Quadratmeter bezahlt worden, hält der Bürgermeister nicht für stichhaltig. Zum einen müsse zwischen Sondergebieten - zum Beispiel für den Einzelhandel - und »normalen« Gewerbegebieten unterschieden werden, bei denen keine so hohen Erlöse zu erzielen seien. Zum anderen bestehe derzeit eben eine geringe Nachfrage. Das gilt für den Schützenrain ebenso wie für das fast 2,5 Hektar große Areal im Gewerbegebiet In den Langen Morgen (gegenüber Aldi). Dort wollte das Bad Nauheimer Unternehmen KMT Waterjet Systems eigentlich einen neuen, deutlich erweiterten Firmensitz bauen, hatte aber im Frühjahr aufgrund der schlechten Wirtschaftslage abgesagt. Seitdem sucht die Stadt nach einem anderen Interessenten - bislang erfolglos. Gleichwohl hat das Parlament kürzlich beschlossen, das neue Gewerbeband entlang der Frankfurter Landstraße auszuweisen, quasi eine Verlängerung des Schützenrains in Richtung Friedberg.

Wie der Bürgermeister sagte, würden jetzt zusätzliche Anstrengungen unternommen, um weitere Betriebe nach Bad Nauheim zu locken. Trotz der Probleme bleibt die Kurstadt bei ihrer Linie, keine Produktionsbetriebe, sondern ausschließlich Firmen der »weißen Industrie« anzusiedeln. Dabei handelt es sich um kleine und mittelgroße Unternehmen, die keine Umweltbelastung verursachen und den Kurstadt-Status nicht gefährden. »Zur vorhandenen Wirtschaftsstruktur der Stadt passen natürlich in erster Linie Firmen aus den Branchen Medizin und Forschung«, betonte der Rathauschef.

Um diese Unternehmen auf Bad Nauheim aufmerksam zu machen, wurde Witzel zufolge vor geraumer Zeit eine Arbeitsgruppe gegründet, der Mediziner und Verwaltungsleute angehören. Aufgabe dieser Gruppe - Mitglieder sind unter anderem der ärztliche Leiter des Gesundheitszentrums Wetterau, Prof. Friedrich Grimminger, und Dr. Behrendt von Thülen (Chef der auf das Gesundheitswesen spezialisierten Gießener Public-Relations-Firma C3) - ist es, den Standort Bad Nauheim zu vermarkten. Nach Auskunft von Witzel sollen diese Experten Firmen gezielt ansprechen. Ein ähnliches Projekt existiere bereits seit längere Zeit in Gießen rund um die dortige Universitätsklinik.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/bad-nauheim/art549,39362

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung