03. Dezember 2009, 19:48 Uhr

Böse Überraschung: Putz ist schadstoffbelastet

Bad Nauheim (bk). Der Teufel steckt im Detail der deutschen Umweltgesetzgebung: Diese Erfahrung muss die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) bei ihrem aktuellen Großprojekt machen. Der Bauschutt, der beim Abriss der ehemaligen amerikanischen Siedlung an der Frankfurter Straße anfällt, kann nämlich nicht wie geplant wiederverwendet werden.
03. Dezember 2009, 19:48 Uhr
Geisterstadt mit Bauschutthalde: Die Abrissarbeiten in der ehemaligen amerikanischen Siedlung schreiten voran. (Foto: nic)

Bad Nauheim (bk). Der Teufel steckt im Detail der deutschen Umweltgesetzgebung: Diese Erfahrung muss die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) bei ihrem aktuellen Großprojekt machen. Der Bauschutt, der beim Abriss der ehemaligen amerikanischen Siedlung an der Frankfurter Straße anfällt, kann nämlich nicht wie geplant wiederverwendet werden. Das erklärte Bürgermeister Bernd Witzel gestern auf WZ-Anfrage, nachdem die ersten beiden von 17 Mehrfamilienhäusern dem Erdboden gleichgemacht wurden. »Wie sich bei Untersuchungen ergeben hat, ist zwar nicht das Mauerwerk selbst, aber der Putz mit Schadstoffen belastet«, erklärte der Rathauschef. Die Absicht, den Schutt zu schreddern und den Splitt für die Errichtung der Landesgartenschau-Parkplätze einzusetzen, kann somit nicht realisiert werden.
Aufgrund der Analysen hat sich der Beginn der Abrissarbeiten verzögert, die eigentlich bereits im September starten sollten. Aus dem Stadtbild verschwinden werden insgesamt 19 Gebäude - neben den 17 Wohnblocks das frühere PX-Einkaufszentrum und der Kindergarten der US-Amerikaner. »Wir arbeiten uns von der Frankfurter Straße Richtung Osten vor«, sagte Witzel. Das macht Sinn, weil der untere Teil des Geländes vorübergehend als Stellplatz für 800 Pkw der Landesgartenschau-Besucher genutzt werden soll. Da kein zerkleinerter Bauschutt zum Einsatz kommen kann, steigen die Kosten enorm: für die Entsorgung und den Kauf von Material, mit dem der Parkplatz angelegt wird. »Die Wobau hat allerdings großzügig kalkuliert, deshalb wird der Finanzrahmen von 2 Millionen Euro für den Abriss vermutlich trotzdem nicht gesprengt«, erklärte der Bürgermeister.

Sobald das acht Hektar große Areal geräumt ist, soll im oberen Abschnitt mit der Erschließung des neuen Wohngebiets begonnen werden. Die Wobau wird zusammen mit den Unternehmen Nassauische Heimstätten und Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Hessen rund 18 Millionen Euro investieren. Es entsteht eine Siedlung für etwa 500 Bewohner. Die Partner der städtischen GmbH errichten Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen. Ebenfalls vorgesehen sind Doppel-, Reihen- und Atriumhäuser sowie ein Mehrgenerationengebäude. Die Wobau lässt entlang der Mac-Nair-Road Mehrfamilienhäuser mit mindestens 50 Einheiten hochziehen, die vermietet werden.

Etwa 100 Grundstücke werden an Häuslebauer verkauft. Nach Wobau-Angaben werden die Quadratmeterpreise zwischen 290 und 320 Euro liegen. Im August waren bereits 80 Interessenten vorgemerkt. Das städtische Unternehmen möchte auch das Eckgrundstück Frankfurter Sraße/Lee Boulevard erwerben. Auch dort könnte ein Mehrfamilienhaus gebaut werden, das außerdem einen »Tante-Emma-Laden« beherbergen soll. Zur Infrastruktur der neuen Siedlung werden außerdem die neue Kindertagesstätte Rotdornstraße, zahlreiche Spielgeräte und mehrere Grünzüge gehören.



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