01. Dezember 2009, 19:26 Uhr

Heimische Einzelhändler frohlocken vorsichtig

Friedberg/Bad Nauheim (khn). Vorsichtig optimistisch sind die Einzelhändler, was das Weihnachtsgeschäft angeht. »Nach einer zurückhaltenden Kauflaune im Herbst setzt sie langsam wieder ein«, sagt Ralf Ramershoven, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes in Friedberg und Inhaber des Porzellan-, Besteck und Glas-Fachgeschäfts Frick.
01. Dezember 2009, 19:26 Uhr
Die Fenster sind weihnachtlich geschmückt und die ersten Kunden machen ihre Weihnachtsbesorgungen. (Foto: Nici Merz)

Friedberg/Bad Nauheim (khn). Vorsichtig optimistisch sind die Einzelhändler, was das Weihnachtsgeschäft angeht. »Nach einer zurückhaltenden Kauflaune im Herbst setzt sie langsam wieder ein«, sagt Ralf Ramershoven, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes in Friedberg und Inhaber des Porzellan-, Besteck und Glas-Fachgeschäfts Frick. In den vergangenen zwei Wochen registriere man eine ähnliche Frequenz wie im vergangenen Jahr. »Wenn man bedenkt, dass sich die Angst vor der Wirtschaftskrise wie ein roter Faden durch die letzten zwölf Monate zog, ist diese Entwicklung positiv.« Eines falle auf: »Der Beginn des Weihnachtsgeschäfts verschiebt sich immer weiter Richtung Fest.«

Ramershoven tauscht sich regelmäßig mit seinen Kollegen aus dem Einzelhandel aus. Die Stimmung beschreibt er folgendermaßen: »Wir sind guten Mutes, dass sich die positive Kundenfrequenz bis zum letzten Tag hält.« Die gute Binnenkonjunktur sei ein Grund, warum der Einzelhandel von der Wirtschaftskrise nicht so schlimm getroffen worden sei wie beispielsweise die Industrie. »Toi, toi, toi, dass es dabei bleibt«, sagt Ramershoven.

Friedberg sei für das Weihnachtsgeschäft gut aufgestellt. Der Händler nennt die Beleuchtung, den Weihnachtsmarkt und Verlosungsaktionen. Dennoch sei es zu früh, Prognosen zu stellen: »Das ist wie beim 100-Meter-Lauf. Wir sind erst 20 Meter unterwegs, und den Rest müssen wir in einer vernünftigen Zeit packen.«

Nicht so gut läuft das Weihnachtsgeschäft beim Juwelier Steiber in der Parkstraße in Bad Nauheim an. Mitinhaberin Susann Schönburg-Steiber erkennt darin aber keine neue Entwicklung: »Seit zwei bis drei Jahren kaufen die Kunden erst Mitte Dezember den Schmuck und nicht schon Ende November.« Sicherlich werde die Krise eine Rolle spielen, glaubt sie. »Da wird an Luxusartikeln gespart und ein günstigeres Stück gekauft.« Vom Rabattdruck in der Juwelier-Branche seien sie und ihr Bruder, Peter Steiber, aber nicht betroffen, »weil wir uns auf Einzelanfertigungen spezialisiert haben«. Dennoch werde es immer schwieriger: »Die Kunden werden kritischer, und vor allem der Internetkauf macht uns zu schaffen.« Dennoch blickt sie positiv aufs Weihnachtsgeschäft: »Ich denke, dass unsere Kunden uns treu bleiben.«

Viele »Outdoorjacken« verkauft

Jochen Ruths vom Modegeschäft Ruths, das In Friedberg und Bad Nauheim präsent ist, muss lachen, als er aufs Weihnachtsgeschäft angesprochen wird: »Die Leute müssten eigentlich so langsam eingestimmt sein, wenn man die Menge an Weihnachtsmärkten und Dekorationen als Maßstab nimmt.« Die vergangenen Tage seien jedenfalls zufriedenstellend verlaufen.

Dass die für den November ungewöhnlich hohen Temperaturen in den vergangenen Wochen den Modeläden geschadet haben, glaubt er nicht. »Das würde ich nicht überbewerten«, sagt er. Beispielsweise habe man beim Segment »Outdoorjacken« sehr gut verkaufen können. »Man wünscht sich als Händler so ein Wetter im November natürlich nicht, aber sowas kommt immer wieder vor.« Auch Ruths bestätigt: Die Wirtschaftskrise ist bei den Einzelhändlern nicht angekommen. »Wir wissen aber nicht, ob sie schon an uns vorbeigezogen ist.«

Über zu wenig Arbeit kann Stefan Feigenspan, Chef des gleichnamigen Spielzeuggeschäfts in der Bad Nauheimer Parkstraße nicht klagen. Während des Telefongesprächs mit der WZ ist im Hintergrund Stimmgewirr zu hören. Es herrsche reger Betrieb im Laden, bestätigt Feigenspan: »Heute hat der Verkauf richtig begonnen«, freut sich der Einzelhändler. »Die Leute haben ihr Geld bekommen und nun geben sie es wieder aus.« Für weitere Auskünfte hatte er keine Zeit - er müsse sich um die Kunden kümmern.

Für Agnes Römer, Inhaberin der Bad Nauheimer Buchhandlung am Park in der Parkstraße, fängt das Weihnachtsgeschäft langsam an. »Der warme November und weniger die Wirtschaftskrise sind Schuld an dem schleppenden Beginn«, meint sie. »Viele Menschen sind noch nicht richtig im Advent angekommen.« Seit einigen Tagen sei es aber lebhafter geworden, betont Römer. Richtig viel los werde aber wohl erst wenige Tage vor Weihnachten sein.

Über das Ende der Bauarbeiten an der Parkstraße ist sie froh, positive Effekte erhofft sich die Buchhändlerin aber nicht. »Klar, es ist jetzt schöner. Aber für viele Kunden ist es selbstverständlich geworden, dass die Baustelle weg ist.« Dafür würden die vielen anderen Umbauarbeiten in der Stadt dem Geschäft zu schaffen machen. »Vielen sind die Umleitungen zu kompliziert. Unsere Kunden jedenfalls sind genervt.«

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